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Ab heute wird es richtig heiß

In Würde Schwitzen: Ein Bauarbeiter und ein Fitnessmodel geben Tipps

Was man gegen Schweißflecken und Schweißgeruch tun kann und wie man dabei trotzdem noch gut aussieht, verraten echte Schwitzprofis: Ein Bauarbeiter, ein Fitnessmodell und ein Hautarzt.

Schwitzen gehört zum Job: Bauarbeiter Hubert Froelich und Fitness-Influencerin Pamela Reif haben beide schweißtreibende Jobs und ihre kleinen Tipps und Tricks, wie man sich ein wenig Linderung verschaffen kann. Foto: Achim Winkel, Jens Meyer/dpa

Klimmzüge im Abendkleid und Highheels? Völlig mühelos sieht es aus, wenn die Karlsruher Fitness-Influencerin Pamela Reif bei TV-Galas zeigt, was sie so drauf hat. Die Haare sitzen, das Make-up läuft kein bisschen und auf dem teuren Kleid ist weit und breit kein Schweißrand. Ähnlich unangestrengt kommt die 24-Jährige in ihren Fitness-Videos auf Youtube rüber.

Während sich der gemeine Follower im Schweiße seines Angesichts auf der immer feuchter werdenden Turn-Matte abmüht, wippt Pams makelloser Pferdeschwanz auf dem Bildschirm im Takt der Musik. Ihr Gesicht glänzt nicht, nicht einmal ihr Atem geht schneller. Es ist zum Verzweifeln. Schwitzt diese Frau eigentlich nie?

Karlsruhe, der Region und dem gesamten Südwesten stehen ab heute zwei wirklich schweißtreibende Tage bevor. 38 Grad sagen die Experten des Deutschen Wetterdiensts für den heutigen Freitag und den morgigen Samstag voraus. Wer kein vollklimatisiertes Haus besitzt, das er auch nicht verlassen muss, der wird in den nächsten zwei Tagen wohl ein paar Schweißtropfen vergießen müssen. Ob er will oder nicht. Oder gibt es tatsächlich Menschen, die wie Pamela Reif, scheinbar niemals schwitzen?

Alle Menschen schwitzen

„Nein. Die gibt es nicht”, versichert der Karlsruher Hautarzt Christian Raulin. „Schwitzen ist ein ganz natürlicher Vorgang und vor allem auch ein lebenswichtiger.” Wer es gar nicht kann, der ist wahrscheinlich krank. Wer im Gegensatz dazu sehr viel Schweiß verliert, der hat einfach nur Pech. Rund zehn Prozent der Menschen in Deutschland leiden unter übermäßigem Schwitzen, das zumeist an bestimmten Körperstellen auftritt. Krankhaft ist das in der Regel nicht, sondern einfach nur unangenehm.

Wie viel jemand – elegant ausgedrückt – transpiriert, ist sehr unterschiedlich. Die menschliche Haut ist übersät mit zwei bis vier Millionen Schweißdrüsen. Besonders viele sind an den Händen, den Füßen und unter den Achseln zu finden. „Täglich verdunstet so mindestens ein halber Liter Flüssigkeit auf der menschlichen Haut. Das muss so sein, damit unsere Körpertemperatur stabil bleibt”, erklärt Raulin.

Also schwitzt Pamela Reif auch? „Natürlich”, beteuert die blonde Vor-Turnerin der Nation und schickt ein glockenhelles Lachen hinterher. „Ich schwitze sogar ziemlich viel. Aber ich habe einfach das Glück, dass ich bei Anstrengung kein rotes Gesicht bekomme und man die Schweißtropfen auf meiner Yoga-Matte zu Hause nicht sehen kann”, sagt sie.

Schweiß und Staub klebt auf der Haut

Hubert Froelich dagegen sieht man die Anstrengung deutlich an. Kein Wunder auch. Der 53-jährige Elsässer arbeitet im Gleis- und Straßenbau. Auf den Straßen der Fächerstadt hat der Bauarbeiter schon jede Menge Schweiß vergossen. Und das obwohl Hitze gar nicht sein Ding ist. „Hohe Temperaturen setzen mir gewaltig zu”, sagt Froelich und obwohl er die Arbeit im Freien schätzt, kann er es kaum erwarten, bis er abends endlich unter die Dusche steigen kann. „Ich finde es sehr unangenehm, wenn Schweiß und Staub auf meiner Haut kleben”, sagt er.

Schwitzen gehört zum Job II: Hubert Froelich vergießt seinen Schweiß auf einer der vielen Karlsruher Baustellen. Foto: Achim Winkel

Pamela Reif hat zu Schweiß ein ganz anderes Verhältnis. „Ich mag schwitzen. Ich finde das überhaupt nicht ekelig. Da weiß man, dass man etwas getan hat”, sagt das Fitness-Modell. Schweiß mag im Sportstudio ja zum unerlässlichen Accessoire gehören, aber im echten Leben ist das Körpersekret doch eher hinderlich, oder nicht?

Leichter Wind schafft Abhilfe

Das muss Pamela Reif dann schon auch zugeben. „Ich mag es nicht, wenn man einen kurzen Rock oder eine kurze Hose anhat und dann beim Sitzen irgendwo festklebt.” Für solche Fälle hat die Influencerin aber immer ein leichtes Tuch dabei. „Das kann ich dann drunter legen”, sagt sie. Manchmal leihe sie sich auch den Taschenventilator ihrer Mutter aus. „Ein kleiner Wind verschafft immer ein bisschen Erleichterung”, sagt sie.

Schwitzen gehört zum Job I: Fitness-Influencerin Pamela Reif schwitzt viel. Man sieht es nur selten. Foto: Frederic Kern imago/Future Image

Für einen Handtaschen-Ventilator hat Hubert Froelich beim Arbeiten leider keine Hand frei. „Das einzige, was ich empfehlen kann, ist trinken, trinken, trinken”, rät er. Zwischen fünf und sieben Liter Wasser pumpt er an einem heißen Tag weg. Wenn die Tage versprechen extrem zu werden, dann hilft eigentlich nur noch eines: früher anfangen und früher aufhören.

Woher kommt der Duft?

Bleibt das Problem mit dem Geruch. „Schweiß riecht eigentlich nicht”, erklärt Christian Raulin. Der typische Geruch entstehe erst durch die nachfolgende Zersetzung der Flüssigkeit durch Bakterien und andere Mikroorganismen, die sich auf Haut, Haaren und Kleidung befinden. Allerdings gibt es auf der Haut neben den ekkrinen Schweißdrüsen, die nur Flüssigkeit absondern auch apokrine Schweißdrüsen. Die sondern ein Sekret ab, das vor allem durch emotionale Aufregung wie Angst, Erregung und Wut aktiviert wird.

Gegen Schwitzen vor allem in den Achselhöhlen wirken nach Auskunft des Hautarztes Präparate mit Aluminiumchlorid. Das Mittel sorge dafür, dass sich die Schweißdrüsen verengen und weniger Flüssigkeit absondern. Dass aluminiumhaltige Deodorants in den Ruf stehen, krebserregend zu sein, weist Christian Raulin, weit von sich. „Gerade in der vergangenen Woche wurde bekannt, dass dies nicht der Fall ist”. Tatsächlich gab das Bundesamt für Risikobewertung vor wenigen Tagen eine neue Stellungnahme hervor, die Entwarnung gibt.

Botox für die Achseln

Für viele Menschen kommen die Alu-Präparate trotzdem nicht in Frage. Was tun? Die Behandlung der Schweißdrüsen unter den Armen mit Botox ist ein Weg, den viele Menschen gehen. „Allerdings ist das recht teuer und muss zwei Mal im Jahr wiederholt werden”, sagt Raulin.

Um zuverlässig Schweißflecken auf Kleidung zu verhindern, hat Pamela Reif noch einen anderen Tipp. „Wenn es sehr heiß ist, trage ich weiße, schwarze oder gemusterte Kleidung. Da sieht man die Flecken nicht.” Auch bei der Auswahl der Stoffe könne man schon auf Fleckenbildung achten. „Ich probiere das mit einem Wassertropfen aus. Wenn der richtig groß und sichtbar wird, dann lasse ich das Stück bei Hitze lieber im Schrank”, sagt die Influencerin, die auch ein eigenes Mode-Label hat.

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