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Warum wir 007 so lieben

Das lange Warten der James-Bond-Fans hat ein Ende

Er legt die Frauen reihenweise flach, muss ständig die Welt retten und kippt viel, zu viel Alkohol hinunter: James Bond. Für seinen 25. Auftritt hat er sich wegen Corona viel Zeit gelassen. Sieben gute Gründe, warum der beste Mann ihrer Majestät einfach unersetzlich ist.

Ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle: Auf James Bond wartet ein neues Abenteuer. Mit langer Verzögerung kommt der 25. Streifen nun am 30. September in die Kinos. Foto: MGM via www.imago-images.de/ZUMA Press

Kommt er oder kommt er nicht? Wird er noch einmal in letzter Sekunde die Welt retten oder beißt er womöglich am Ende seines 25. Abenteuers selbst ins Gras? Sinkt er in die Arme der schönen Madeleine Swann oder wartet eine neue Gespielin auf den besten Mann ihrer Majestät? Fans von James Bond grübeln schon ewig, wie es mit dem Schurkenkiller, dem Frauenvernascher, dem Martini-Jünger weitergeht.

Denn was keinem seiner scheinbar übermächtigen Gegner gelang – ein bösartiges Virus schaffte es mit links und setzte den guten James Schachmatt. Ein ums andere Mail wurde der Jubiläums-Bond verschoben, jetzt soll er am 30. September in die deutschen Kinos kommen.

Sieben gute Gründe, warum wir James Bond so lieben? Dem eingefleischten Fan des großspurigen Geheimagenten fallen auf Anhieb tausend ein. Doch der wichtigste ist: Einen solchen Filmhelden gibt es einfach kein zweites Mal.

Jetzt macht der Mann mit den stahlblauen Augen den Abgang. Dabei hatte Schauspieler Daniel Craig nach „Spectre“ noch martialisch getönt, er schneide sich eher die Pulsadern auf, als noch einmal James Bond zu spielen. Doch das ordentliche Salär der Doppelnull (es wird von 25 bis 50 Millionen US-Dollar gemunkelt) hat bei dem 53-Jährigen offensichtlich ein Umdenken bewirkt. Jetzt muss er es erneut mit dem oberfiesen Oberhauser aufnehmen. Hätte er den mal besser ins Jenseits befördert ...

Die große Liebe zu Aston Martin

Treue kennt er nicht – dieser Fixpunkt eines Universums aus ikonischen Zutaten: raketenwerfenden Autos, geschüttelten Martinis, gebrochenen Herzen und Hälsen. Nun gut, Her Majesty kann jederzeit auf ihn zählen; doch ansonsten schätzt der Erotik-Tiger Abwechslung – nicht nur im zwischenmenschlichen Sektor.

Bond und schnittige Flitzer von Aston Martin: Das schien eine Liaison fürs Leben zu sein, ein unverwüstliches Bündnis, das höchstens durch Raketen und Flammenwerfer zu zerstören war. Und dann quetscht sich der Supermann plötzlich in einen heißen Toyota, einen schnittigen Mustang, gar in einen Mini Moke sowie einen ferngesteuerten BMW, der sich beim Sprung vom Hochhausdach glücklicherweise aus dem Film verabschiedete.

Autokenner unter sich: Als der Prince of Wales die Pinewood Studios besuchte, ließ er sich gerne von Daniel Craig dessen neuen Dienstwagen zeigen. Nach vollzogenem Brexit muss es wieder ein nobler Aston Martin sein. Foto: Jackson/dpa

Längst ist der schlagkräftige Edeltuchträger zu seiner alten Liebe zurückgekehrt. An der sachgemäßen Behandlung der mit allerlei technischem Schnickschnack ausgestatteten Spritfresser muss der Superagent, den man sich bei bestem Willen nicht in einem E-Auto vorstellen kann, noch arbeiten. Zur Not holt er sich einen neuen Wagen: Dank seiner Rolle ist Daniel Craig in den Genuss eines lebenslangen Rent-A-Car-Vertrages bei Aston Martin gekommen.

Schussfest wie Stahl

Katzen haben sieben Leben. Das toppt der Mann vom MI6 locker. Was hat dieser Bursche nicht alles überlebt: Der größte Superheld der Filmgeschichte kletterte unverletzt aus einstürzenden Wohnblocks, krabbelte auf fliegenden Flugzeugen umher, musste gar wiederbelebt werden, weil ihm der böse Le Chiffre Gift in den geliebten Martini gekippt hatte.

Auf Pferderücken über Klippen zu springen oder sich Laserstrahlen zu erwehren, sind die leichteren Übungen für das Agenten-Flaggschiff, das ständig im Fadenkreuz steht. Nicht mal Dienste in der Horizontalen schützen den Recken – man denke nur an die nachtragende Elektra King.

Um einen Bond zu töten, braucht es schon mehr als jene 4.662 Kugeln, die nach Berechnung des Mathematikers Gordon Stanger bisher auf den Leinwand-Helden abgefeuert wurden. Der ist deutlich erfolgreicher, wenn es darum geht, Halunken mit bloßer Hand, Revolver oder sonstigen Werkzeugen ins Jenseits zu befördern. Fast 400 Tote gehen auf die Rechnung des Topagenten. Besonders tödlich war übrigens Pierce Brosnan mit 135 Opfern in vier Filmen.

Der Mann, der Frauenherzen bricht

Der Kerl ist einfach fit im Schritt. Reihenweise legt er sie flach – blonde Liebchen namens Pussy Galore, wilde Russinnen mit männer-mordendem Oberschenkelgriff und sanfte Engel wie Vesper Lind, die in Venedigs Brackwasser ihr Leben aushauchen musste. Selbst der größte Fan des Superagenten hat aufgehört zu zählen, wie vielen Ladys der Frauenvernascher das Herz gebrochen oder – noch schlimmer – ins Jenseits befördert hat.

Denn eines ist klar: Diesen Mann zu lieben, ist gefährlich und endet selten vor dem Traualtar. Nur einmal wagte Mr. Bond den Schritt, im Streifen „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ von 1969. Die Hauptrolle spielte das australische Model George Lazenby, ein Typ mit der Ausstrahlung einer vertrockneten Zimmerpflanze. Der Möchtegern-Schauspieler wurde schnellstens abserviert, ebenso wie die Kurzzeit-Misses-Bond: Diana Rigg wurde mit einem Kopfschuss von dem Langweiler aus Down Under erlöst.

Immer nah an der Frau: Bond und die schönen Ladies – das ist eine unendliche Geschichte. In „Casino Royale“ erliegt Solange (Catarina Murino) dem Charme des Geheimagenten – und muss das teuer bezahlen. Foto: Sony Pictures/dpa

Nach weiterem Eheglück strebt der Womanizer wohl nicht. Selbst wenn er in der Schlussszene die heißeste Lady des ganzen Streifens in seinen starken Armen hält – im nächsten Abenteuer zwinkert schon die nächste herüber.

Ein Martini geht noch

Geschüttelt oder gerührt? Diese Frage ist sicherlich der bekannteste Running Gag des Bond-Universums. Als Antwort gab es zumeist ein „Geschüttelt“. Erst Craig, dieser sarkastische Charakter mit den eingefrorenen Gesichtszügen, brach mit der Tradition und raunzte den Barkeeper an: „Sehe ich aus, als ob mich das interessieren würde“.

Man muss es so hart sagen: Der Killer im Auftrag der Krone ist ein Fall für die Entzugsklinik. Eine nicht ganz ernst gemeinte Studie, einst im hochseriösen Medical Journal of Australia publiziert, attestiert dem MI6-Agenten ein chronisches Alkoholproblem. Im Schnitt kippt er sich alle 24,3 Minuten harten Stoff hinter die Binde, wobei Champagner, und nicht etwa Martini sein Favorit ist. Der Ladykiller auf Verführungstrip weiß halt, was Frauen wünschen.

Doch auch zu einem kühlen Blonden sagt der Filmheld nicht nein, denn der berühmteste Agent der Filmgeschichte steht immer auch im Dienst der Werbekunden. Immense 45 Millionen Dollar soll Heineken auf den Tisch geblättert haben, damit Bond zum bodenständigen Pils statt zum eleganten Martini greift.

Viel Feind, viel Ehr

Schon die Namen seiner Gegner sind furchterregend: Blofeld. Goldfinger. Largo. Scaramanga. Le Chiffre. Das sind wenigstens noch richtige Bösewichte, skrupellos, niederträchtig, eiskalt, wenn es um den eigenen Vorteil geht. Diese Herren, oft Mitglieder in überaus geheimen Geheimbünden, lassen sich doch nicht von einem einfachen Staatsbeamten in die lukrative Suppe spucken – selbst wenn der mit der Lizenz zum Töten ausgestattet ist.

Während die Standstreifen-Cops von „Cobra 11“ in Köln rumgurken, muss ihr Kollege im Geiste in Rio, Bangkok oder auf den Bahamas die Welt retten. Zum Glück kann er auf die Gadgets aus Qs Zauberwerkstatt zurückgreifen, auf schießende Kugelschreiber, Pressluftpatronen und Uhren mit 100-Meter-Stahlseil – falls im Wolkenkratzer mal der Aufzug defekt ist.

Ganz schön bissig: In den Filmen „Der Spion, der mich liebte“ und „Moonraker“ bekam es Bond-Darsteller Roger Moore mit dem Beißer zu tun, gespielt vom Amerikaner Richard Kiel. Foto: United Archives/kpa Publicity via www.imago-images.de

Solche Hilfsmittel wird James Bond auch im 25. Streifen gut gebrauchen können, wenn ihm Gegenspieler Rami Malek das Leben schwer machen wird. Doch auch ein alter Kumpel aus Kindertagen ist mit von der Partie: Franz Oberhauser. Seit Gerd Fröbes „Goldfinger“ gab es keinen dermaßen perfiden Psychopathen in der 007-Reihe wie Christoph Waltz als Oberhauser. Mit so einem Gegenspieler dürfte Craig auch bei seinem letzten Abenteuer noch mächtig Spaß haben.

Wer rettet künftig die Welt?

Hollywood hat den Bond-Fans ja schon einiges zugemutet! Wie haben sie anfangs gefremdelt mit diesem blonden Zyniker Craig. Doch dann entstieg er wie eine schaumgeborene Aphrodite dem Meer, in knapper Badehose und ausgestattet mit ordentlichem Sixpack, und sie waren hin und weg.

Kein einfaches Erbe für den Nachfolger, denn James Bond ist eine Ikone der Popkultur. Eine ganze Reihe von Namen geistert durch den Blätterwald – angefangen bei Tom Hiddleston über Tom Hardy bis zu James Norton, der hoch in der Gunst der Buchmacher steht.

Oder wird aus James womöglich Jane? Im mit Spannung erwarteten neuen Streifen taucht ja schon eine neue Agentin auf, die Bond die Dienstnummer 007 weggeschnappt hat. Doch Produzentin Barbara Broccoli winkt ab: „Er kann jede Hautfarbe haben, aber er ist männlich“, erklärt die Frau, die seit 1995 die endlose Agentenreihe produziert.

Recht hat sie! Wer sich nach heldenhaften Frauen sehnt, schaut „Lara Croft“ oder „Drei Engel für Charlie“. Wir wollen Bond, James Bond.

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