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Konzerthaus während der Corona-Krise

Sehnsucht nach gewohntem Gedränge in Karlsruher Veranstaltungszene

Wie problematisch die Corona-Krise für die Kulturszene ist, wurde bei einer Gesprächsrunde von Kulturschaffenden aus Karlsruhe zum Thema „Kultur in Zeichen von Corona“ deutlich.

Das Substage Karlsruhe am Tag des Corona-Shutdowns im März: Seitdem hat in dem 1.000 Besucher fassenden Saal kein Konzert mehr stattgefunden. Wann es wieder Veranstaltungen mit voller Auslastung gibt, ist auch ein halbes Jahr später nicht absehbar. Foto: Thomas Riedel

„Vielleicht sagen wir irgendwann beim Rückblick auf Corona: Das waren schon verrückte zwölf Jahre.“ Mit Galgenhumor umschrieb Erik Rastetter, Leiter des Sandkorn-Theaters, die Unklarheit, wie lange man noch mit welchen Einschränkungen umgehen muss. Wie problematisch dies für die Kulturszene ist, wurde bei einer Gesprächsrunde zum Thema „Kultur in Zeichen von Corona“ deutlich.

Erstmals seit der vorübergehenden Lahmlegung des öffentlichen Lebens hatte Kulturamtsleiterin Susanne Asche wieder zum monatlichen Kulturfrühstück geladen. Beim Treffen im Café der Grundrechte waren aufgrund der Corona-Regeln nur 20 Personen zugelassen, die unterschiedliche Sparten vertraten.

Die große Solidarität

Bei den Schilderungen der Erfahrungen waren viele Gemeinsamkeiten festzustellen. Ob Bühne oder Bibliothek, ob Kino oder Konzert: Verzeichnet wurden großer Arbeitsaufwand trotz eingestelltem Betrieb wegen ständigen Umdisponierens, Verunsicherung durch immer neue und mitunter widersprüchliche Verordnungen, aber auch die Erfahrung großer Solidarität. „So etwas wie die Zusammenarbeit von zwölf Institutionen beim Open-Air ‘Toujours Kultur’ auf dem Schlachthof-Gelände habe ich noch nie erlebt“, sagte Kinematheks-Geschäftsführer Marc Teuscher.

Auch die Freude des Publikums über die Rückkehr kultureller Angebote wurde flächendeckend registriert - wenn auch nicht überall so spürbar wie beim Internationalen Orgelsommer. Dort waren pro Konzert zwar weniger Besucher als üblich zugelassen, dafür boten die Musiker ihr Programm jeweils zwei Mal mit einer Stunde Pause dazwischen. Das Fazit von Organisator Christian-Markus Raiser: „Mitunter hatten wir sogar mehr Besucher als in den Vorjahren - man hat gemerkt, dass die Menschen geradezu hungrig waren auf Kultur.“

So ermutigend dieser Eindruck war, so klar zeichnete sich ab, dass viele drängende Fragen offen sind: Wie und wo können Chöre künftig proben? Wie kann man die vielen freiberuflichen Kulturvermittler, die vor allen in Museen tätig sind, in Lohn und Brot halten?Und wie wirken sich die Zugangsbeschränkungen auf das Kulturgeschehen aus?

Die öffentliche Begegnung wird offenkundig vermisst. Und zwar nicht nur von Substage-Chef Gérald Rouvinez, dem das Adrenalin eines echten Rockkonzerts vor 1.000 Leuten fehlt. Sondern auch von Stadtbibliotheksleiterin Andrea Krieg, die bekennt: „Manchmal wünsche ich mir das gewohnte Gedränge zurück.“

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