Annegret Kramp-Karrenbauer bei der Bundeswehr
Zum Start im Amt eine Initiative für kostenlose Bahntickets: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer wirbt um Sympathien und Vertrauen in der Truppe. | Foto: Christophe Gateau

Kommentar

AKK auf Irrwegen

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Bei Ursula von der Leyen waren es kurz nach Amtsantritt die Tagesmütter in Kasernen und Teilzeitmodelle für die Bundeswehr. Annegret Kramp-Karrenbauer startet als neue Verteidigungsministerin durch mit dem Kampf um kostenlose Bahntickets für Soldaten, die sich als solche in den Zügen erkennen lassen.

Beides sind „weiche“ Themen, die für eine Minderheit der Militärangehörigen wichtig sind, die aber keine strategische Systemrelevanz haben. Der Gedanke, dass ein „staatsnahes Unternehmen“ wie die Bahn auch mal Anerkennung für Menschen in Uniform zeigen könnte, ist nicht verkehrt. Dennoch: Die Streitkräfte haben derzeit ganz andere Probleme.

Klar, nach all dem Dissens der vergangenen Jahre zwischen Truppe und Truppenführung muss AKK schnell für Vertrauen und Sympathie bei der Bundeswehr sorgen. Man muss ihr auch eine Lehrzeit zugestehen. Und dennoch irritiert der Vorstoß der Ministerin auf einem Nebenschauplatz, wenn man wichtige Impulse anderswo erwartet. Hatten etwa Bahntickets die höchste Priorität für Kramp-Karrenbauer in ihrer Regierungserklärung vor drei Wochen? Nun, sie kommen in einem Nebensatz vor. Doch das Hauptaugenmerk von AKK galt richtigerweise den Problemthemen Personal und Material.

Die neue Ministerin und CDU-Chefin braucht mehr Augenmaß bei der Ausgestaltung ihrer Agenda wie auch dem richtigen Setzen von Akzenten in aktuellen politischen Debatten. So wartete man beispielsweise vor drei Tagen darauf, von AKK eine Stellungnahme zur brisanten Drohung der US-Truppenabzugs aus Deutschland zu hören – vergeblich. Weil sie dazu keine Meinung hat oder weil sie sich nicht traut?

Hier wird das Manko des Doppelamts deutlich, das Kramp-Karrenbauer derzeit schultert. Der CDU-Vorsitz in Zeiten der angeknacksten GroKo und Merkel-Dämmerung hat eine sehr geringe Fehlertoleranz. Das sollte jedoch nicht dazu führen, dass die Verteidigungsministerin Risiken scheut und keine „heißen Eisen“ anpackt, nur weil sie scheitern könnte.