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„Kann Trump nicht ausstehen“

Warum dieser Mann aus Florida Donald Trump nicht mag – und ihn dennoch wählt

Er ist gebildet, tolerant, wohlhabend und kann Donald Trump nicht leiden. Trotzdem wird Charles Oliveria den Präsidenten am kommenden Dienstag wählen.

Konservativ und liberal: Trump-Wähler Charles Oliveria mit Familie. Foto: Charles Oliveria

Charles Oliveria ist weltoffen, wohlhabend und gebildet. Er hat einen Migrationshintergrund, besitzt keine Waffe und ist kein Kirchgänger. Damit widerspricht der 60-Jährige aus Winter Park (Florida) dem ewigen Klischee vom Trump-Wähler. Den Präsidenten mag er nicht – dennoch wird er am 3. November für ihn stimmen.

Eines stellt er sofort klar: „Ich kann Trump nicht ausstehen. Er ist schroff und unhöflich. Ich wollte ihn nicht als Freund und würde niemals unter ihm arbeiten.“ Der Präsident habe eine „negative Persönlichkeit.“

Schlechter Mensch, guter Präsident

Gleichwohl wird er ihn am kommenden Dienstag wählen – wie schon vor vier Jahren. Florida gilt als wichtiger Swing State: Wer hier gewinnt, hat gute Chancen auf das Oval Office.

„Die Wahl sollte kein Beliebtheitswettbewerb sein“, betont Oliveria: „Wir wollen jemanden, der dieses Land führen kann.“ Trump habe das bereits bewiesen. „Er ist ein harter Verhandlungspartner, durchsetzungsstark und unabhängig“, findet der Inhaber einer Software-Firma.

Dem Bild vom typischen Trump-Anhänger, dem weißen Hinterwäldler aus den „Flyover States“ zwischen den Küsten, entspricht er nicht. Oliveria, in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, der Vater beim Militär, hat portugiesisch-japanische Wurzeln.

Die Wahl sollte kein Beliebtheitswettbewerb sein.
Charles Oliveria, Trump-Wähler aus Florida

Nach dem Studium brachte er es in der IT-Branche zu einigem Wohlstand. Seine Frau stammt aus einer vermögenden Südstaaten-Familie. Beide brachten einen Sohn mit in die Ehe. Ihre gemeinsame Tochter besucht das College.

Oliveria beschreibt sich als „wirtschaftlich konservativ, aber sozial liberal.“ Er befürwortet das Recht auf Abtreibung und die Homo-Ehe: „Jeder soll so leben, dass er glücklich ist.“ Auch das Klischee vom ultrachristlichen Waffennarr bedient der charismatische Floridarianer nicht.

Trotzdem hält er zu Trump: „Er hat Jobs wieder nach Amerika gebracht und setzt sich gegen die illegale Einwanderung ein.“ Auch sei es richtig, dass Trump importierte Produkte wie deutsche Autos stärker besteuern will.

Lob für Trumps Corona-Politik

„Nur so kann man die Unternehmen dazu bewegen, in Amerika zu produzieren“, meint Oliveria. „Wir brauchen eine starke Wirtschaft, die amerikanische Interessen schützt.“ Davon ist der 60-Jährige überzeugt – obwohl er laut eigener Aussage in die globalen Märkte investiert und persönlich mehr von der demokratischen Politik profitieren würde.

Die aktuelle Immigration in die USA sieht Oliveria kritisch: „Die meisten Menschen, die nach Amerika kommen, sind ungebildet und wandern direkt in unser Sozialsystem ein.“ Dadurch verschieben sich nach seiner Beobachtung die politischen Machtverhältnisse. „Viele Einwanderer, vor allem aus Lateinamerika, wählen die Demokraten, weil sie ihnen mehr Sozialleistungen versprechen.“

Oliveria hingegen hält weniger staatliche Hilfen für sinnvoll: „Sie nehmen den Menschen die Motivation zur Arbeit und bremsen die Entwicklung unserer Wirtschaft.“

Trump hat in der Krise einen exzellenten Job gemacht.
Charles Oliveria, Trump-Wähler aus Florida

Wie viele Amerikaner lehnt er weitreichende staatliche Eingriffe in sein Leben ab – auch in der Corona-Pandemie. „Trump hat in der Krise einen exzellenten Job gemacht“, betont Oliveria. Es seien fast ausschließlich Menschen gestorben, die alt und krank gewesen seien. Allerdings sei es „ein Fehler, die Wirtschaft wegen einer schlimmeren Grippe herunterzufahren.“

Für mehr hält er das Coronavirus tatsächlich nicht. „Schauen Sie sich Donald Trump an: Der ist 74 Jahre alt, übergewichtig und hat sich in einer Woche davon erholt.“ Dass der Präsident mit dem Hubschrauber ins Militärkrankenhaus geflogen und dort hervorragend versorgt wurde, lässt er unerwähnt.

Kritik an Demokraten und Medien

Auch in der Diskussion über Polizeigewalt an schwarzen Amerikanern vertritt Oliveria republikanische Positionen. „Ein weißer Junge, der in Rapper-Klamotten durch eine gute Gegend läuft, würde genauso Probleme mit der Polizei bekommen wie ein schwarzer“, sagt er.

„Die demokratische Lösung, der Polizei Mittel zu entziehen und gewaltsame Proteste zu dulden, ist für die Mehrheit der Amerikaner inakzeptabel.“

Aus seiner Sicht haben nicht Trumps Republikaner das Land gespaltet – sondern die Medien. „Die meisten Journalisten sind stark linksgerichtet und berichten tendenziös“, findet Oliveria. Als Beispiele nennt er CNN, die New York Times und die Washington Post.

Allein der Fernsehsender Fox News habe ein konservatives Profil: „Unsere Medienlandschaft ist schlecht ausbalanciert, weil auch die großen Colleges, an denen die meisten Journalisten ausgebildet werden, linkslastig sind.“

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden erfahre in den Medien eine große Unterstützung, kritisiert Oliveria. Daher erwartet er ein enges Rennen: „Aber Trump wird gewinnen.“

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