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Leichtathletik

Deutsche Leichtathletik-Meisterschaft in Braunschweig ohne Publikum

Ohne Olympia und Europameisterschaften sind die deutschen Titelkämpfe am Wochenende der Höhepunkt der Leichtathletik-Saison. Die Athleten müssen viele Vorschriften beachten, Zuschauer sind im Braunschweiger Stadion nicht zugelassen.

Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo ist bei der Leichtathletik-DM in Braunschweig mit dabei. Foto: Soeren Stache dpa

Eigentlich wollte Malaika Mihambo dieser Tage schon in Texas weilen. Aber Houston hat ein Pandemie-Problem, weshalb die Weitsprung-Weltmeisterin ihren geplanten Umzug vom beschaulichen Oftersheim in die US-Metropole und zu ihrem neuen Trainer Carl Lewis auf unbestimmte Zeit verschoben hat. Statt in Frankfurt zum Langstreckenflug hebt die 26-Jährige nun ersatzweise in Braunschweig zum Weitsprung ab.

DM ohne Zuschauer

Im Eintracht-Stadion werden am Samstag und Sonntag die um zwei Monate nach hinten verlegten Deutschen Meisterschaften 2020 ausgetragen - unter besonderen Hygienebedingungen, ohne Zuschauer, mit kleineren Feldern, aber mit Bahnrennen bis 5.000 Meter und streckenweise live im Fernsehen.

Von den ersten nationalen Titelkämpfen überhaupt außer den Geisterveranstaltungen im Fußball, Basketball und Tischtennis seit Corona überträgt die ARD am Samstag (17 bis 19.50 Uhr) und das ZDF am Sonntag (17.10 bis 18.50 Uhr). Kein Zufall, dass der Wettkampf von Mihambo fünf Minuten nach dem Start der ZDF-Sendung beginnt.

Die Weltmeisterin, die sich nach der überraschenden Trennung von ihrem langjährigen Coach Ralf Weber bei Bundestrainer Uli Knapp auf die späte Saison vorbereitete, ist die größte Attraktion der Titelkämpfe. „Dieses Jahr sind die deutschen Meisterschaften für mich der wichtigste Wettkampf und das ist einfach ein tolles Gefühl“, sagte Mihambo der dpa. Mit der Kurpfälzerin, die auch mit verkürztem Anlauf und ohne bisherigen Wettkampf nicht zu schlagen sein wird, lässt sich Quote machen. Und dank des Fernsehens Kohle. „Der Verlust wäre im hohen sechsstelligen Bereich gewesen“, gab DLV-Präsident Jürgen Kessing am Mittwoch in einer Videoschalte mit Journalisten zu, dass die Ausrichtung der Meisterschaften selbst ohne Zuschauer für den Verband von geradezu existenzieller Bedeutung ist.

DM als Saisonhöhepunkt

Für die Leichtathleten sind die Geisterwettkämpfe der Höhepunkt einer rudimentären Saison, in der eigentlich Olympische Spiele und Europameisterschaften hätten stattfinden sollen. „Wir können froh, sein, dass der DLV mit all den Hygienevorschriften die DM noch auf die Bahn gezaubert hat”, sagt Speerwerfer Andreas Hofmann.

Speerwerfer Hofmann peilt Hattrick an

Der für die MTG Mannheim startende Vizeeuropameister nimmt mit dem Ziel den Wettkampf am Sonntag auf, den DM-Hattrick zu schaffen. Geister-Meister zu werden, sei aber nicht vergleichbar mit den anderen Titeln, weil in diesem Jahr aufgrund von verschiedenen Landesverordnungen nicht alle Athleten die gleichen Trainingsmöglichkeiten gehabt hätten. Wieder andere, wie zum Beispiel auch Europameister Thomas Röhler, verzichten ganz auf die DM.

Es wird in Braunschweig also auf einen Zweikampf zwischen Hofmann und Ex-Weltmeister Johannes Vetter aus Offenburg hinauslaufen, nachdem sich die beiden 90-Meter-Werfer nach teils hartnäckigen Blessuren rechtzeitig vor der DM fit meldeten. Hofmann, der an einer Sprunggelenkverletzung laborierte, erteilte sich am Dienstag nach einem Mut machenden Training unter simulierter Wettkampfatmosphäre selbst grünes Licht. „Durch die geglückte Generalprobe habe ich Selbstvertrauen getankt. Aber es wird ein Kaltstart.”

Weitspringer Howard Favorit

Mehr als nur ein Warm-up in einem offiziellen Wettkampf hat dagegen Julian Howard von der LG Region Karlsruhe hinter sich. Am vergangenen Samstag landete der mehrfache deutsche Meister in Weinheim bei 8,06 Metern, womit er in der DLV-Jahresbestenliste 23 Zentimeter vor seinem Hauptkonkurrenten Maximilian Entholzner aus Passau und 24 Zentimeter vor Gianluca Puglisi aus Königstein liegt. „Das sieht nach einem komfortablen Polster aus, ist es aber nicht”, sagt Howard. Der 31-Jährige ist gewarnt: „Auch zur Hallen-DM bin ich als Bester angereist.” Am Ende sprang nur Bronze heraus. Platz drei ist auch das Minimalziel von LGR-Kollege Christoph Kessler, der als Jahresbester an den Start über 800 Meter geht.

Krafzik und Preis wollen Titel erfolgreich verteidigen

Mit starker Konkurrenz bekommen es auch die beiden für den VfL Sindelfingen startenden Langhürdler Carolina Krafzik und Constantin Preis aus Pforzheim zu tun. Die aus Niedern-Öschelbronn stammende Krafzik, die 2019 in einer sensationellen Zeit den DM-Titel gewann, muss im Duell mit der wiedererstarkten Jackie Baumann aus Tübingen um ihren Titel fürchten. Preis, der ebenfalls vor einem Jahr DM-Gold gewann, geht dagegen als Favorit ins Rennen über die 400 Meter Hürden.

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