Der Karlsruher Trainer Christian Eichner (l) jubelt mit dem Geschäftsführer Sport, Oliver Kreuzer, über den Klassenerhalt der Mannschaft. | Foto: DPA

Fink zum SSV Ulm

Eichner will jüngeren, schnelleren und variableren KSC-Kader

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Nach dem Erreichen des Klassenziels geht der Blick von KSC-Trainer Christian Eichner nach vorne. Seine Vertragslage und die seines Assistenten Zlatan Bajramovic stehen vor ihrer Klärung. Vor allem aber hat der 37-Jährige seine Ideen, wie der künftige Kader des Karlsruher SC aussehen muss. Anton Fink wechselte derweil in die Regionalliga.

Christian Eichner hat Mathe studiert, das Fach an der Schule unterrichtet und in der Kaderplanung beim Karlsruher SC einen Vorsatz: „Schnell fleißig“ zu werden, lautet der. Da er sich bald auch Fußballlehrer nennen wird, wählt er einen Wahrscheinlichkeitsansatz: „Erfolg ist kein Zufall. Wir müssen in allen Bereichen daran arbeiten, um die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg in die richtigen Bahnen zu lenken.“

Die Planungen für die im September anlaufende Saison 2020/21 beschäftigen ihn schon drei Tage nach der Erleichterung über die mit dem KSC vermiedene Relegation.

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Kreuzer fühlt sich bestätigt

Als Aufsteiger in der Zweiten Bundesliga überlebt zu haben, ist aus Sicht von Oliver Kreuzer alles andere als ein Misserfolg, sondern bestätigt ihn in seinen Planungen, die er schlechter bewertet sieht als verdient. „Wir hatten den zweit- oder drittkleinsten Etat der Liga“, betont der Sport-Geschäftsführer und verweist auf Clubs wie den 1. FC Nürnberg, der keinen Punkt mehr holte und nun wegen des schlechteren Toreverhältnisses statt des KSC zittern muss – trotz vierthöchsten Liga-Etats.

Soweit von außen ersichtlich, fiel das Ergebnis der Analysen im Beirat ähnlich aus. Kreuzer erhielt Rückendeckung und daneben den Auftrag, recht bald ein präsentables Konzept für die Verzahnung zwischen Profis und NLZ vorzulegen.

16 Spielerverträge laufen weiter

Eichner hat sich als Trainer profiliert und als Mann der Zukunft positioniert. In den Verhandlungen, die der KSC mit dessen Berater Ronny Zeller führt, ging es zuletzt vor allem noch um die Laufdauer seines vorzubereitenden Cheftrainervertrags.

Ob nun zwei oder drei Jahre – sicher ist, dass die Zusammenarbeit mit dem 37-Jährigen und mit dessen Assistenten Zlatan Bajramovic danach länger angelegt sein wird als das nur noch zwölf Monate gültige Papier Kreuzers. Somit ist Eichner auch wesentlicher Faktor beim Spagat, möglichen Zugängen den KSC auch für weniger Gage schmackhaft zu machen. 16 Spielerverträge laufen weiter, elf liefen aus.

Publikumsliebling Anton Fink, der in der abgelaufenen Saison kaum noch eine Rolle spielte, wechselte unterdessen in die Regionalliga Südwest. Beim SSV Ulm 1846 unterschrieb der 32-Jährige einen Zweijahresvertrag.

 

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Älteste Mannschaft der Liga

Eichner zum internen Stand der Vorplanungen: „Wir hatten mehrere Gespräche, und schon in einem der ersten hatte ich ganz klar dargestellt, wie ich mir meinen Kader 2020/21 vorstelle. Es ging darum, welche Typen, Positionsprofile und was für eine Altersstruktur ich möchte“. Die KSC-Startelf wies in der abgelaufenen Saison mit 27,6 Jahren den ältesten Altersdurchschnitt aller Zweitligisten auf.

4-3-3 bleibt das Grundsystem

Mehr Tempo über die Außenpositionen ist dabei nur eine Anforderung. Der Wunsch des Trainers ist gleichzeitig Auftrag an den Kaderplaner Necat Aygün, der seit Anfang des Jahres die neu geschaffene Stelle des Technischen Leiters bekleidet, gewissermaßen als die rechte Hand Kreuzers fungiert und das Scouting mitverantwortet. Eichner möchte am 4-3-3 als taktisches Grundprinzip festhalten.

„Ich will eine große Flexibilität und Variabilität haben auf Basis dieser Systematik“, legt er fest. Was machbar sein wird, wird vielleicht noch stärker als sonst von der wirtschaftlichen Seite definiert. So wird auf zentralen Mittelfeldspielern, von denen mit Lukas Fröde, Marvin Wanitzek, Jérôme Gondorf, Alexander Groiß und Kyoung-Rok Choi in ausreichender Zahl vorhanden sind, nicht das Hauptaugenmerk gelten.

Für den Sturm wird prägend sein, ob Philipp Hofmann bleibt und Marvin Pourié nach halbjähriger Leihzeit aus Braunschweig zurückkehrt.

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Muslija eine Überlegung wert

Was der KSC sucht, lässt sich eingrenzen: Nach dem Weggang von Benjamin Uphoff braucht er einen Torwart, gegen den sich Marius Gersbeck im internen Wettbewerb behaupten muss. Für die Linksverteidigerposition wie für das Abwehrzentrum werden Lösungen gefragt sein, die ein Upgrade zu Damian Roßbach beziehungsweise Daniel Gordon darstellen.

Da daneben auch die Verträge von Lukas Grozurek, Änis Ben-Hatira, Martin Röser und Manuel Stiefler auslaufen, dürften für die Außen zwei, drei Neue kommen. Namen geistern spärlich durch die Gerüchteküche. Maximilian Dittgen vom Absteiger SV Wehen Wiesbaden wäre einer für die linke Außenbahn, besitzt aber andere Optionen.

Der an Hannover 96 verlorene Florent Muslija, dessen Entwicklung bei den Niedersachsen zuletzt stagnierte, ist auf Leihbasis nur eine von mehreren Überlegungen.