Toilettenpapier
Weißes Gold? Seit Ausbruch des Coronavirus hat sich zumindest die Nachfrage nach Toilettenpapier massiv erhöht. | Foto: Christophe Gateau/dpa

Die Rückkehr der Rolle

Das Toilettenpapier und die harten Fakten: Gibt es tatsächlich einen Mangel?

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Selten wurde Toilettenpapier so wertgeschätzt wie seit Ausbruch des Coronavirus in Deutschland. In vielen Supermärkten setzte ein regelrechter Run ein auf Ausführungen aller Art. Egal ob zwei-, drei- oder vierlagig: Vielerorts ist Toilettenpapier derzeit ausverkauft. Doch herrscht in Deutschland tatsächlich ein Mangel an Toilettenpapier?

Durch Hamsterkäufe werden in Deutschland Hygieneartikel wie Toilettenpapier und auch Lebensmittel knapp – diesen Eindruck zumindest bekommt bisweilen, wer seinen Einkaufswagen durch leere Supermarktregale schiebt.

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Tatsächlich nimmt das Toilettenpapier beim Kaufverhalten der Deutschen eine Sonderstellung ein. Wegen der unbegründeten Angst, man dürfe irgendwann nicht mehr das Haus verlassen, werde gebunkert, erklärt Christian Böttcher, Sprecher des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH). Dadurch entstehe eine paradoxe Situation: «Einige wissen nicht, wohin damit. Andere haben zu wenig.»

Das Toilettenpapier überfordert etablierte Lieferketten

Bei Hygieneartikeln wie Klopapier funktioniert die Logistikkette laut Böttcher etwas anders als bei Lebensmitteln: «Sie werden in der Regel seltener nachbestellt, weil sie normalerweise weniger nachgefragt werden.» Das hat sich von Februar zu März 2020 aber deutlich geändert.

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Nützlicher Alltagshelfer: Wegen des Coronavirus sitzen zahlreiche Haushalte nun auf tonnenweise Toilettenpapier. Symboldbild | Foto: Felix Kästle

Beim Toilettenpapier habe es im Vormonatsvergleich eine Steigerung von rund 700 Prozent gegeben, sagt Böttcher: «Das überfordert jede Lieferkette.» Die Märkte würden sich nach und nach der hohen Nachfrage anpassen sowie Frequenz und Menge erhöhen.

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Das Statistische Bundesamt spricht beim Toilettenpapier für die Woche vom 16. bis 22. März von einer mehr als drei Mal so hohen Nachfrage im Vergleich zu den vorangegangenen sechs Monaten. Die unterschiedlichen Steigerungszahlen erklären sich nach Worten von BVLH-Sprecher Böttcher durch die verschiedenen Datenquellen und Erhebungszeiträume.

Die Kunden kommen jetzt früher

Eine «stark gestiegene Nachfrage» nach Hygieneprodukten wie Desinfektions- und Reinigungsmitteln sowie Toilettenpapier hat auch die Drogeriemarktkette dm verzeichnet. „So erklärt sich auch, dass diese Produkte temporär in vielen Märkten nicht verfügbar waren oder sind“, sagt Geschäftsführer Sebastian Bayer. Als Konsequenz seien Maßnahmen entlang der gesamten Lieferkette ergriffen worden.

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Während es bei Hygieneartikeln teilweise noch an Nachschub mangele, spricht Böttcher bei den haltbaren Lebensmitteln wie Nudeln, Reis, Mehl und Zucker von einer «langsamen Normalisierung der Lage». Die Nachfrage sei zwar immer noch hoch, aber nicht mehr ganz so stark, so der Sprecher.

Das hänge auch damit zusammen, dass sich die Kunden mit verschärften Regeln in den Supermärkten – wie bedarfsgerecht einzukaufen – arrangieren. Zudem hätten sich durch die Situation die Einkaufszeiten verschoben. Böttcher: „Viel mehr Kunden gehen derzeit früh einkaufen.“

Viele Märkte konnten auf hohe Nachfragen schnell reagieren: In Rewe- und Penny-Märkten etwa könne man dank des digitalen Systems «quasi in Echtzeit» sehen, was gekauft wird – und Bestellungen demententsprechend anpassen, sagt der zuständige Sprecher Andreas Krämer. Nachfrage und Kaufverhalten haben sich auch nach seinen Worten zuletzt „ein Stück weit normalisiert“.

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(dpa)