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Auto-Boom statt Krise

Neuzulassungen steigen im Ortenaukreis rasant

So viele Neuzulassungen wie nie zuvor hat der Ortenaukreis im Juni und Juli verzeichnet. Der Boom wird vor allem von einem Fahrzteugtyp getragen.

Im Ortenaukreis gab es im Juli 360 Neuzulassungen mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Auch in anderen Kreisen kommen die Zulassungsstellen kaum mit der Arbeit hinterher. Foto: Peter Schreiber/Adobe Stock pa/obs Tönjes Holding AG

Leidet die deutsche Automobilindustrie noch unter der Corona-Krise? Es mehren sich die Zeichen, dass es in wichtigen Marktsegmenten seit Ende des Lockdowns steil aufwärts geht. So wurden im Juni und Juli im Ortenaukreis so viele Fahrzeuge neu zugelassen wie noch nie seit Beginn der Statistik. Der Boom werde getragen von Autos mit Elektro- und Hybridmotoren, aber vor allem von Wohnmobilen, sagt Behördenleiter Franz Benz. Die verkaufen sich gerade wie geschnitten Brot.

Nicht nur die: Auch bei Fahrzeugen mit herkömmlichem Antrieb ist teilweise Geduld gefragt. „Wir haben derzeit Lieferzeiten von fast vier Monaten, bei Elektrofahrzeugen bis zu einem halben Jahr“, sagt beispielsweise Christine Hepe, Sprecherin des Vertriebs bei der BMW AG in München. Bedingt durch das Konjunkturpaket sei die Nachfrage „extrem in die Höhe gegangen“.

Der Ortenaukreis mit 430.000 Einwohnern ist fast 2.000 Quadratkilometer groß und in weiten Teilen dünn besiedelt. Entsprechen wichtig ist das Auto für die Menschen, rein statistisch kommt inzwischen fast ein Kraftfahrzeug auf einen Einwohner. Außerdem sitzen im Kreis wichtige Zulieferer, die unter dem Lockdown in der Automobilindustrie gelitten haben – LuK, INA oder das Oberkircher Progresswerk (PWO) sind nur einige Beispiele für die wirtschaftliche Abhängigkeit des Kreises vom Kraftfahrzeug.

Autobranche mit Licht und Schatten

Dabei gab es zunächst Besorgnis erregende Entwicklungen. So hat PWO im zweiten Quartal 2020 eine Halbierung seines Umsatzes hinnehmen müssen. „Das erholt sich wieder, die Frage ist nur, auf welchen Stand“, sagt Bernd Bartmann, im Vorstand des Zulieferers verantwortlich für den kaufmännischen Bereich.

Es gebe gerade „gute und schlechte Nachrichten aus der Automobilindustrie“, sagt er. Man sei in Gesprächen, wie man insbesondere am Standort Oberkirch-Stadelhofen auf die Entwicklung reagieren könne, kommentiert er Gerüchte im Werk über einen merklichen Personalabbau.

Zulassungsstellen kommen kaum hinterher

Doch es mehren sich die Anzeichen für eine rasante Belebung des Geschäfts. Im Ortenaukreis gab es im Juli 360 Neuzulassungen mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Das sind fast 20 Prozent. Auch in anderen Kreisen, so Behördenleiter Franz Benz, komme die Zulassungsstellen kaum mit der Arbeit hinterher. Entsprechend auch die Rückmeldungen aus den Autohäusern: „Wenn sie im April gefragt hätten, hätten man ihnen gesagt, dass es nicht gut läuft. Aber seit Juni gibt es richtig gute Zahlen im Neuwagen- wie im Gebrauchtgeschäft“.

Markus Metzger, Verwaltungsleiter beim Acherner VW-Autohaus Roth, weiß von Lieferzeiten von bis zu einem Jahr für Fahrzeuge mit Elektroantrieb, gerade der Markt für Tageszulassungen und Gebrauchtfahrzeuge sei sehr gut. Er wisse von Händlern, „die derzeit keine Fahrzeuge mehr auf dem Hof stehen haben“.

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