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Interview mit Pforzheimer Chefveterinärin

Barf: „Man kann viel falsch machen“

Bei dem Tierernährungskonzept Barf gehen die Meinungen weit auseinander. Manche Tierärzte warnen sogar davor, den Hund mit rohem Fleisch und Innereien zu füttern. Sie befürchten Mangelernährung oder sogar Vergiftungen und raten zu Trockenfutter. Wir befragen eine Expertin.

Expertin für Tierernährung: Linda Koiou, Leiterin des Verbraucherschutz- und Veterinäramtes Enzkreis. Foto: privat

Die Fütterung von rohem Fleisch und Innereien ist nicht jedermanns Sache. Während Hunde von Natur aus Barf-Fans sind, stellt diese Art der Fütterung Hundehalter vor diverse Herausforderungen.

Linda Koiou, Chefveterinärin in Pforzheim, hat zum Thema Tierernährung promoviert und hat ihre Vorbehalte.

Frau Dr. Koiou, was halten Sie vom Barfen?
Linda Koiou

Ich persönlich halte nicht so viel vom Barfen, weil man sehr viel falsch machen kann. Man muss wirklich sehr belesen sein, um zu wissen, wie man eine Ration bedarfsdeckend gestaltet. Andererseits ist Barfen manchmal hilfreich, wenn man beispielsweise einen Hund mit Allergien hat. So kann man Probleme durch Industriefutter ausschließen und erreicht häufig eine Besserung der Beschwerden.

Was kann man denn falsch machen?
Linda Koiou

Es kommt wirklich sehr darauf an, dass die Ration ausgewogen ist. Sie muss auf Rasse, Gewicht und Größe abgestimmt sein, und dann muss auch alles im richtigen Verhältnis drin sein: Proteine, Kohlenhydrate, Vitamine, Fette, Mineralstoffe, Spurenelemente und Ballaststoffe. Um langfristig zu barfen, muss das alles ausgewogen sein, sonst ist der Hund mangelernährt.

Wie kann ich sicherstellen, dass mein Hund gutes Fleisch bekommt? Vielleicht sogar aus der Region?
Linda Koiou

Da ist die Grundsatzfrage: Wieviel Geld möchte ich dafür ausgeben? Grundsätzlich muss jedes Fleisch Lebensmittel-Qualität haben, sonst dürfte es nicht auf den Markt kommen. Wenn es mir aber auch noch wichtig ist, dass es aus der Nähe kommt, dann muss ich zum lokalen Metzger meines Vertrauens gehen. Dafür muss ich dann natürlich auch mehr Geld auf den Tisch legen. Und bestimmte Innereien gibt es dort nicht, beispielsweise Pansen grün (ungewaschener Tiermagen mit teilverdautem Inhalt). Allerdings ist der auch nicht lebensnotwendig. Stattdessen kann man beispielsweise Obst und Gemüse zufüttern.

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