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Gratis Obst ernten

Damit Streuobst nicht verrottet, bekommen Bäume in Niefern-Öschelbronn gelbe Bänder

Damit Fallobst, an dem der Besitzer kein Interesse hat, nicht vor sich hin fault, beteiligt sich die Gemeinde nun an einer besonderen Aktion.

Silke Engelsberger bringt ein Gelbes Band an einem Apfelbaum im Gewann Hallhasen an, der auf einem von der Gemeinde verpachteten Grundstück steht und nun von jedermann abgeerntet werden kann. Foto: Jürgen Peche

Von Jürgen Pesche

Welcher Spaziergänger durch die Streuobstwiesen kennt das nicht: Prachtvolle Apfel- und Birnbäume, unter vielen schon Fallobst und noch rotbäckige Früchte am Ast, an denen der Besitzer aber kein Interesse hat. Ihr Schicksal: Ende Oktober liegen alle am Boden, faulen dahin, oder dienen bestenfalls als Nahrung für Vögel und Wespen.

Doch es kann auch anders enden: Wer mit dem leckeren heimischen Obst etwas anfangen kann, liest vielleicht heimlich ein paar Äpfel und Birnen auf – doch mit schlechtem Gewissen. Da setzt die Idee an, mit der die Gemeinde Niefern-Öschelbronn Abhilfe schaffen will, die Aktion „Gelbes Band“.

Sie stammt aus dem Landkreis Esslingen und besteht darin, dass jeder Obstwiesenbesitzer Bäume, die nicht selbst abgeerntet werden, mit einem gelben Band kennzeichnet. Diese Bäume sind dann für die Allgemeinheit freigegeben und dürfen von Spaziergängern kostenlos abgeerntet werden. Dann hat jeder was davon: Mitbürger leckeres, regionales Obst und die Eigentümer saubere Wiesen und ein gutes Gefühl dabei, Lebensmittel vor der Verschwendung zu bewahren.

„Mich haben schon voriges Jahr zahlreiche Bürger darauf angesprochen, dass es doch schade sei, dass so viel Obst unter den Bäumen verfault“, berichtet Bürgermeisterin Birgit Förster. Und gerade auch dieses Jahr verspricht ein gutes Apfeljahr zu werden. Sie griff zusammen mit Silke Engelsberger die Idee aus Esslingen auf und bestellte die gelben Bänder, an die aber besondere Ansprüche gestellt wurden: „Damit nicht irgendwelche Spaßvögel beim Nachbarn gelbe Bänder am Baum anbringen, haben wir sie mit dem blauen Wappen von Niefern-Öschelbronn fälschungssicher bedrucken lassen“, sagt die Bürgermeisterin. Dazu steht der vielversprechende Hinweis darauf: „Mich darfst du ernten“.

Bislang verhaltene Resonanz

Die Werbung im Ortsblatt und auf Facebook dafür, sich kostenlos die gelben Bänder bei der Gemeindeverwaltung abzuholen, ist bislang aber bei den potenziellen Anbietern noch nicht so recht angekommen. „Das Echo ist verhalten“, sagt Förster.

Bei den potenziellen „Erntehelfern“ allerdings gab es in den sozialen Medien nur positive Kommentare. Angesichts der jetzt bevorstehenden Erntezeit soll die Werbung für die Aktion laut Förster nochmals intensiviert werden. Dazu macht die Gemeinde das Angebot selbst oder über die beiden Obst- und Gartenbauvereine älteren Eigentümern, die Mobilitätsprobleme haben, beim Besorgen und Anbringen der gelben Bänder behilflich zu sein.

Ein unerlaubtes Ernten ist Diebstahl und kann vom Bewirtschafter zur Anzeige gebracht werden.
Bürgermeisterin Birgit Förster

Beim Abernten von Bäumen, die mit gelbem Band gekennzeichnet wurden, sind laut Gemeinde drei Regeln zu beachten: Erstens: Es sollte mit geeigneten Gerätschaften geerntet werden. Die Bäume dürfen nicht beschädigt, Äste nicht abgebrochen werden. Zweitens: Die Grundstücke sind so zu verlassen, wie sie angetroffen wurden. Das Abernten auf den fremden Grundstücken geschieht auf eigene Gefahr. Drittens: Auch zum Abernten gilt die Straßen-Verkehrsordnung, das heißt das Befahren von Feldwegen ist nicht gestattet.

Nur von gekennzeichneten Bäumen ernten

„Wichtig ist noch der Hinweis, dass nur an gekennzeichneten Bäumen geerntet werden darf. Ein unerlaubtes Ernten ist Diebstahl und kann vom Bewirtschafter zur Anzeige gebracht werden“, so Förster.

Damit Anbieter und Nachfrager aus dem Enzkreis zusammenfinden, gibt es darüber hinaus die Internetplattform www.enzkreis.streuobstwiesen-boerse.de . Wer Äpfel, Birnen oder andere Obstarten zur Ernte sucht oder anbieten möchte, kann dies einfach und kostenlos einstellen.

Der Kontakt wird dann per Telefon oder E-Mail aufgenommen und die Nutzungsbedingungen vereinbart. Für Obstwiesenbesitzer ohne Internetzugang gibt es bei den Gemeindeverwaltungen Anzeigenvordrucke in Postkartenform, die ausgefüllt und an das Landratsamt geschickt werden können.

Info

Gelbe Bänder für Niefern-Öschelbronner Obstbaumbesitzer können unter Angabe des Namens und der vorgesehenen Flurstücknummern im Rathaus Niefern, Friedenstraße 11, in Zimmer 109 bei Silke Engelsberger oder im Bürgerbüro in Öschelbronn abgeholt werden. Bei Rückfragen wenden Sie sich an Telefon (07233) 96 22-16.

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