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16-Millionen-Neubau

Remchinger Rathaus für europaweiten Architekturpreis nominiert

Die Chance, als einer von 449 Nominierten einen Preis zu gewinnen, ist aus mathematischer Sicht eher unwahrscheinlich. Dennoch ist die Freude in Remchingen groß. Das Rathaus könnte einen bedeutenden Preis gewinnen.

Der Remchinger Rathausneubau ist für den europaweiten Architekturpreis Mies van der Rohe Award 2022 nominiert. Foto: Zachmann

Es ist nicht die erste Schlagzeile, für die der von Anfang an heiß diskutierte Remchinger Rathausneubau sorgt – für dessen Außenwirkung wohl aber eine der bedeutendsten: Das Anfang 2020 von der Gemeindeverwaltung bezogene zentrale Remchinger Rathaus ist für den europaweit bedeutenden Architekturpreis Mies van der Rohe Award nominiert.

Damit steht das von den Stuttgarter Architekten Steimle entworfene Bauwerk an der Neuen Ortsmitte im Rennen mit 448 weiteren aus ganz Europa.

Der von der Europäischen Union verliehene Preis für herausragende zeitgenössische Architektur, für den deutschlandweit 25 Gebäude, darunter fünf aus Baden-Württemberg, nominiert wurden, ist mit 60.000 Euro dotiert – weit größer ist jedoch der ideelle Wert des nach dem 1969 verstorbenen Deutsch-Amerikaners Ludwig Mies van der Rohe, einem der bedeutendsten Architekten der Moderne, benannten Preises.

„Das ist eine echte Sensation, die ich zunächst gar nicht glauben konnte“, freute sich Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon, als er von der Nominierung durch eine Jury aus unabhängigen europäischen Experten, den nationalen Architekturverbänden und dem Preisbeirat erfahren hatte.

Liste der Nominierten ist lang

Natürlich müsse man relativieren, dass es sich um eine lange Liste handle, so Prayon. „Aber wenn man sieht, dass der Preis für ganz Europa steht und nur alle zwei Jahre verliehen wird, ist schon das für eine doch sehr überschaubare Kommune wirklich sensationell und eine Ehre.“

Das zeige, dass die Gemeinde von Anfang der Planungen an gut beraten gewesen sei und sich der intensive Wettbewerb mit letztlich einstimmiger Entscheidung des Rats für den Siegerentwurf gelohnt hätten: „Damit haben wir ein architektonisches Juwel für Remchingen bekommen.“

Auch andernorts in der Gemeinde sei der Architektur schon immer eine große Bedeutung zugekommen, verwies Prayon beispielsweise auf die Kulturhalle oder das Gymnasium. Das nach aktuellem Stand 16 Millionen Euro teure Rathaus hatten die Architekten als geschliffenen, fünfeckigen Stadtbaustein entworfen, der keine Rückseiten besitzt und seine bauliche Präsenz sowohl zum neu gestalteten Marktplatz wie auch zu den Straßenfluchten hin zeigt.

Seine strukturierten Fassaden aus Dämmbeton sollten den Eindruck der Solidität und Verankerung mit dem Ort vermitteln. Neben der Zugänglichkeit und Transparenz von allen Seiten schätzt Prayon die „Luftigkeit“ im Innern, verstärkt durch die Lichtfenster an der Decke – aber auch die vielfältigen, lebendigen Nutzungen samt eigenem Brauhaus, Polizeiposten, Pflegestützpunkt und Ortsbücherei der Fremdvermietungsbereiche, die ein Drittel der Fläche einnehmen.

Rathaus soll Ort der Begegnungen sein

„Unser Rathaus sollte zusammen mit der Ortsmitte und den Akteuren drum herum von Anfang an ein Ort der Begegnungen für alle sein“, unterstreicht das Gemeindeoberhaupt und freut sich umso mehr auf die Zeit nach Corona, in der eine gebührende Feier für die Bürger nachgeholt werden soll, die im vergangenen Frühjahr ausfallen musste. „Dass es dazwischen kritische Zwischenrufe gab, gehört zum demokratischen Prozess dazu“, meint Prayon.

Groß ist derweil auch die Freude beim Architekturbüro Steimle, das für den Remchinger Rathausneubau bereits mit dem baden-württembergischen Hugo-Häring-Preis ausgezeichnet wurde, wie Architektin Michaela Afife bestätigte. Zwar habe das Büro schon einige nationale Preise gewonnen – die Nominierung für einen europäischen Preis sei für das Stuttgarter Büro aber auch eine absolute Seltenheit.

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