Skip to main content

Enzkreis und Stadt unterstützen

Finanzielle Lage beim Frauenhaus Pforzheim normalisiert sich

Der Enzkreis und die Stadt Pforzheim wollen das Frauenhaus finanziell unterstützen. Angedacht ist dabei auch eine Trennung von Fachberatung und Frauenhaus. Weiterhin angewiesen ist man auf Spenden

Brigitte Ulrich, Heike Hess-Jaudes und Elke-Sylvia Bös (von links) haben sich bei Tanja Göldner (2.v.r.) am Donnerstag über Arbeit und Finanzierung des Frauenhaus informiert und dabei eine Spende von 1.000 Euro übergeben Foto: Stefan Friedrich

Ein Defizit von rund 150.000 Euro im Jahr 2020: Haben Sabine Jost, Geschäftsführerin des Ökumenischen Frauenhauses und der Fachstelle gegen Häusliche Gewalt Pforzheim/Enzkreis, und Tanja Göldner, die Leiterin der Einrichtungen, vor diesem Hintergrund Ende Januar noch um Hilfe gerufen, sieht die Lage inzwischen schon deutlich entspannter aus.

„Es hat sich wieder ein bisschen normalisiert“, versichert Göldner auf Nachfrage dieser Redaktion. Zum einen habe man zuletzt wieder mehr Frauen aufnehmen können, was sich über den jeweiligen Tagessatz automatisch in den Einnahmen widerspiegelt, zum anderen habe es aber auch fruchtbare Gespräche mit der Stadt und dem Enzkreis gegeben.

„Die haben uns beide zugesichert, dass sie uns unterstützen werden, weil sie auf das Frauenhaus und die Fachstelle nicht verzichten wollen“, so Göldner. Konkrete Zusagen liegen aktuell aber noch nicht vor.

Die Gespräche werden demnächst fortgesetzt. Klar ist allerdings schon jetzt, dass für dieses Jahr nur bedingt noch etwas getan werden kann. Die Budgets sind bereits verplant, erklärt Göldner. Für das kommende Jahr sieht das dann wieder anders aus.

Eine Überlegung ist bei den Gesprächen auch, die Fachstelle zukünftig separat zu finanzieren und sie damit gewissermaßen aus der Abhängigkeit vom Frauenhaus zu lösen. „Damit wäre uns schon viel geholfen“, bestätigt Göldner und verweist darauf, dass nicht zuletzt auch dieser Umstand im vergangenen Jahr zum Defizit beigetragen hat.

Wir sind immer ansprechbar.
Tanja Göldner, Frauenhaus-Leiterin

Die Belegung sei 2020 einfach geringer gewesen, „weil viele Frauen gar nicht die Möglichkeit hatten, zu fliehen“. Eine geringere Belegung wiederum bedeutet automatisch weniger Einnahmen. „Damit war die Fachstelle nicht mehr finanziert.“

Ungewöhnlich wäre eine solche Trennung ohnehin nicht: Göldner hat sich umgehört, wie andere Frauenhäuser das handhaben. Die Fachberatung ist dort meistens ausgelagert. Letztlich mache das auch Sinn. Beratungen sind dadurch immer gewährleistet, auch wenn die Belegungsquote niedrig sein sollte. Und genau das solle ja auch so sein. „Wir sind immer ansprechbar“, betont Göldner, „rund um die Uhr.“

Momentan braucht es in Pforzheim eine durchschnittliche Belegung von 85 Prozent pro Jahr, damit die Kosten über den Tagesbeitrag – dieser liegt bei 56,59 Euro für Unterkunft und psycho-soziale Betreuung – finanziert werden können. Besondere Ausflüge und Aktionen sind dadurch allerdings nicht abgedeckt und müssen über Spenden bezahlt werden.

Und ohne Spenden, weiß Göldner, „hätten wir oft auch nicht die Möglichkeit, Frauen in Wohnungen ziehen zu lassen“, weil beispielsweise das Job Center nur noch Zuschüsse auf Darlehensbasis gewährt, wenn die Frauen schon einmal einen Zuschuss zur Wohnung und zur Wohnungsausstattung erhalten haben.

„Das können sich viele nicht mehr leisten.“ Deshalb ist man hier immer dankbar, wenn private Spender sie unterstützen, wie es zuletzt der Soroptimist International Club Pforzheim-Enzkreis getan hat: Präsidentin Heike Hess-Jaudes, Elke-Sylvia Bös und Brigitte Ulrich haben am Donnerstag einen Scheck über 1.000 Euro überreicht.

nach oben Zurück zum Seitenanfang