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Individualbesucher erkunden auch Nordbaden

Gruppenreisende fehlen in Pforzheim und Maulbronn - der Schwarzwald profitiert

Die Pandemie verändert das Urlauberbild im Nordschwarzwald und im Enzkreis. Immer mehr Touristen ziehen die Nähe der Ferne vor. In Pforzheim und dem Gros des Enzkreises gibt es aber auch gegenläufige Trends.

Erstmals im Nordschwarzwald: Weil Corona einen Strich durch ihre Urlaubspläne gemacht hat, sind Johnny IJlander und Madelon van Kempen diesmal nach Bad Wildbad gefahren. Wie sie machen es viele. Foto: Sebastian Kapp

Bei der Wahl seines Schuhwerks hat Johnny IJlander weniger Glück gehabt als mit der Wahl seiner Urlaubsreise. „Normalerweise fahren wir in Länder, wo sie sagen, dass dort besseres Wetter ist”, sagt er mit einem Blick in den wolkenlosen Himmel bei einer Temperatur von über 30 Grad. Nur, dass Johnny IJlander aus Leeuwarden in den friesischen Niederlanden nicht an der Adria oder der Côte d’Azûr ist. Er steht am Eingang zum Baumwipfelpfad in Bad Wildbad, zusammen mit seiner Begleitung Madelon van Kempen. Die war schon einmal am Titisee, berichtet sie.

Es ist hier schön, nicht so touristisch.
Madelon van Kempen, Niederländische Besucherin

Den Nordschwarzwald allerdings kennen beide noch nicht. „Es ist hier schön, nicht so touristisch”, schwärmt van Kempen, während IJlander sich in seinen Flipflops durch den Kieselweg kämpft. „Tja, wir haben keine Holzschuhe dabei”, sagt van Kempen augenzwinkernd.

„Kein Unterschied” zum Vorjahr im Schwarzwald-Tourismus

Die beiden Niederländer stehen exemplarisch für den gegenläufigen Trend im Nordschwarzwald. Tino Klein, Marketingverantwortlicher für den Baumwipfelpfad, berichtet von gleichbleibenden Zahlen trotz Corona. In einer Umfrage der Nordschwarzwald-Tourismus GmbH gaben 30,6 Prozent der Betriebe an, dass sie von Juli bis September steigende Anfragen und auch steigende Buchungen erleben, nur 17,8 Prozent sahen „keinen Unterschied” zum Vorjahr. Einen „Silberstreif am Horizont” nennt das Siegfried Weiß, beim Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Enzkreis zuständig für Hotelfragen. „Generell wirkt sich die Situation schon positiv aus”, sagt er, verweist auf die Zahlen aus dem Schwarzwald.

IJlander und van Kempen etwa sagen, dass Corona sie in die Region geführt habe. „Wir haben auf der Seite der niederländischen Gesundheitsbehörden geschaut, wo es sicher ist, Urlaub zu machen”, sagt IJlander. „Deutschland und die Schweiz stehen da ganz oben.” Also hieß es: Ab zum Nachbarn. Das habe auch den Vorteil, „dass es nicht so weit weg ist von der Grenze”.

Eigentlich habe man ja in den Südschwarzwald fahren wollen. „Aber da war nichts mehr frei. Also sind wir hierhin gefahren.” Knapp eine Woche wollen sie bleiben, fragen, was man denn so alles in der Nähe besuchen könne.

Hoffnung auf Marketingkampagne in Pforzheim

Das Kloster in Maulbronn zum Beispiel. Dort ist man nicht ganz so euphorisch, wie Petra Mohr, Stellvertretende Leiterin der Klosterverwaltung, bemerkt. „Wir haben viele Einzelbesuche”, berichtet sie. Das seien deutlich mehr als im Vorjahr und eben Touristen der Rucksack-Kategorie. „Für die sind wir hier ein Durchgangsort.”

Das sind vor allem Ältere, die kommen jetzt weniger wegen Corona. In einem Bus sind 50 Leute drin, das sind vielleicht 30 Autos die ich da als Ersatz brauche.
Petra Mohr, Stellvertretende Leiterin der Klosterverwaltung Maulbronn

Allerdings könne das das Loch nicht stopfen, das die fehlenden Gruppenreisen hinterlassen. „Das sind vor allem Ältere, die kommen jetzt weniger wegen Corona. In einem Bus sind 50 Leute drin, das sind vielleicht 30 Autos die ich da als Ersatz brauche.” Und so viel Kompensation bringen die Einzeltouristen dann auch wieder nicht. Außerdem sind viele wichtige Events wie das Weinfest und der Weinmarkt weggebrochen. Trotzdem sei man alles in allem „nicht unzufrieden” – unter Corona-Bedingungen.

In diesem Kontext interpretiert man in Pforzheim auch die Zahlen des Schmuck- und Uhrenmuseums. Im Juni (600) und Juli (900) ist man deutlich unter den Besucherzahlen von 2019 (je 2.500) geblieben. Trotzdem sieht Oliver Reitz, Geschäftsführer der Pforzheimer Wirtschaft und Stadtmarketing (WSP), das Museum wie auch das Gasometer weiterhin als erfolgreiche Flaggschiffe. „Solange Reisebusse nicht wieder annähernd das Fahrtaufkommen der Vorjahre erreichen, wird sich dies in unseren Besucherstatistiken in erheblichem Maße niederschlagen“, prognostiziert Reitz.

Zudem fehlen viele Geschäftsreisende durch ausfallende Messen und Seminare. Trotzdem erkenne man einen positiven Trend. Die Zahl der Besuche bei der Touristinformation am Schlossberg stieg von 1.100 im Juni auf 1.500 im Juli. Entsprechend setze er auf die neue Marketingkampagne der Schwarzwald Tourismus GmbH, von der man sich mehr Gäste erhofft - solche wie IJlander und van Kempen.

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