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Für Frieden und Toleranz

Muslimische Radtour macht Station an der Pforzheimer Moschee

Als Zeichen für Frieden und Toleranz nach dem Angriff in Würzburg vom 25. Juni wollen Muslime mit einer Fahrradtour durch Deutschland „Kilometer gegen den Hass“ sammeln und am Rande in den Dialog mit Passanten kommen.

Start zur zweiten Etappe der Radtour „Kilometer gegen den Hass - Muslime für Frieden“ Foto: Jürgen Peche

Die ambitionierten Amateurradler haben sich eine Strecke von rund 1.000 Kilometern vorgenommen. Sie reicht von Waldshut-Tiengen, wo die Gruppe am 11. Juli startete, bis nach Kiel, wo man am 17. Juli eintreffen will.

Zweite Station der Tour „Muslime für Frieden“ war nun Pforzheim, wo die erschöpften Radler nach der Bergstrecke über den Schwarzwald an Sonntagabend eintrafen. Bevor es Montagmorgen weiterging, stärkten sich die Sportler beim Frühstück in der Bait Ul Baqi Moschee.

Auf der Strecke besucht die Radfahrergruppe zehn Moscheen der Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ), wo sie jeweils Gäste sind. Voriges Jahr fuhren die Sportler aus den eigenen Reihen schon einmal diese Strecke, verriet Wahab Ghumon, der für die Pforzheimer Gemeinde die Pressearbeit macht – aber in Nord-Süd-Richtung.

Wir wollen zeigen, dass Muslime ganz normale Menschen sind.
Abdullah Uwe Wagishauser, AMJ-Bundesvorsitzender

Dieses Jahr hofft man „mit dem Wind zu fahren“, aber angesichts der islamistisch motivierten Messerattacke eines Somaliers in Würzburg auch die eigne Friedensbotschaft dagegen zu setzen. Ein weiteres Anliegen der Radler: mit dem Sport eine Rückkehr zum normalen Leben zu finden – nach den Monaten des Lockdowns, wie Ansar Anwar sagt. Der 36-Jährige ist Iman einer Moschee in Dietzenbach. Ganz in der Nähe, in Darmstadt, ist auch die erste Ausbildungsstätte für Muslime des Ahmadiyya Muslim Jamaat, einer aus Pakistan stammenden Glaubensrichtung.

„Wir wollen zeigen, dass Muslime ganz normale Menschen sind“, sagt der Bundesvorsitzende der AMJ, der Deutsche Abdullah Uwe Wagishauser. Der 71-Jährige fährt selbst die 1.000 Kilometer lange Strecke mit und berichtet von den Erfahrungen der ersten Etappe.

Im Gespräch mit Menschen, die bislang keinen Kontakt zu Muslimen hatten

„In einem Dorf im Schwarzwald kamen wir mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch, die bislang keinen Kontakt zu Muslimen hatten“, so Wagishauser. Das Gespräch sei gelungen und beispielhaft für den Wunsch, bei der Tour, „Toleranz und Offenheit zu signalisieren“. Man habe es geschafft, den beiden Dorfbewohnern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und so das Eis zu brechen. Neue Kommunikationsmöglichkeiten erhoffe man sich auch beim Fußball. „Wir müssen raus kommen aus den Echokammern und mit Leuten zusammentreffen, die sonst nicht zusammenkommen“, so Wagishauser.

„Uns geht es gut in diesem Land“, erklärt der AMJ-Chef, schon wegen der Religionsfreiheit sei dem so. Allerdings gebe es auch in Deutschland Ausgrenzungserfahrungen von Muslimen. „Beleidigungen, Gewaltakte, Diskriminierung.“

In den dreieinhalb Jahren, seit Aftab Aslam Imam in Pforzheim ist, habe er das selbst nicht erlebt. Er habe aber von Jugendlichen gehört, die in der Schule schon mal eine Muslima mit Kopftuch „anmachten“. In den eigenen Reihen tue man viel für Toleranz, so Aslam. So hätten Türken und Kurden sich lange Zeit getrennt gesetzt, „obwohl bei uns alle gleich sind“. Die AMJ pflege gute Kontakt zu anderen Kirchen in Pforzheim, etwa über den „Rat der Religionen“.

Um 9.30 Uhr drängt Wagishauser zum Aufbruch. 24 Leute machen ihre Rennräder startbereit. Ein Begleitfahrzeug ist dabei, sogar ein Koch für die Stärkung mit unterwegs. Der AMF-eigne TV-Sender lässt eine Kameradrohne über der Szenerie schweben. Die Stimmung war gut, alle strotzten nur so vor Energie.

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