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Insgesamt neun Erkrankte

Pforzheim/Enzkreis: Vier weitere Menschen positiv auf Coronavirus getestet - Kontroverse an Schule in Birkenfeld

Vier weitere Menschen aus Pforzheim und dem Enzkreis sind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Darüber informierte das zuständige Gesundheitsamt am Donnerstag. Alle Erkrankten befinden sich demnach in Quarantäne, drei zu Hause, einer in einer Klinik. Eine der Personen lebt in Pforzheim, die anderen in unterschiedlichen Gemeinden im Enzkreis.

Das Gesundheitsamt hat weitere Coronavirus-Fälle für Pforzheim und den Enzkreis bestätigt. Foto: Ronge

Das Gesundheitsamt ermittelt nun Kontaktpersonen. Wie das Gesundheitsamt weiter mitteilt, geht es allen Erkrankten gut – auch den fünf Menschen, die am Wochenende und Anfang der Woche positiv getestet worden waren.

Kinder eines Infizierten aus Birkenfeld gingen noch zur Schule

Die Gemeinde Birkenfeld hat bestätigt, dass einer der Infizierten aus der Gemeinde ist. Er war der dritte Fall im Enzkreis. Die Kinder des Mannes wurden von der Ludwig-Uhland-Schule (LUS) genommen. Der Vater eines Mitschülers beklagte sich nun gegenüber dieser Redaktion über die Schulleitung und das Gesundheitsamt.

Beim Elternabend am Mittwoch habe schon festgestanden, dass der Mann mit dem Virus infiziert sei. Seine Kinder seien aber bis einschließlich Montag in die Schule gekommen. Er habe die Schulleitung und das Gesundheitsamt auf den Fall hingewiesen, da habe man aber nichts davon wissen wollen und ihn „abgebügelt“, sagte der Vater. Das Gesundheitsamt habe ihm auf Nachfrage gesagt, er und seine Frau, die im Altenheim arbeite, sollen weiter arbeiten gehen.

Der Schulbetrieb soll trotzdem weitergehen

Der Schulbetrieb an der LUS geht vorerst weiter, geben Bürgermeister Martin Steiner und Rektor Wolfgang Wiegand auf den Internetseiten der Gemeinde und der Schule bekannt. Über die Entwicklungen werde auf den Seiten weiter informiert.

Die Schulleitung hatte die Gemeindeverwaltung am Donnerstagvormittag über den Fall informiert. Darauf rief die Gemeinde ihren Verwaltungsstab ein und nahm Kontakt zum staatlichen Gesundheitsamt auf. Die Eltern der LUS-Schüler wurden ebenfalls informiert.

Niefern-Öschelbronn: Bürgermeisterin krank zuhause

In Niefern-Öschelbronn, wo am Samstag der erste bestätigte Fall für Stadt und Landkreis registriert wurde, ist Bürgermeisterin Birgit Förster diese Woche nicht im Rathaus. Online brodelte schnell die Gerüchteküche. Auf Nachfrage dieser Redaktion bestätigt sie, dass sie von zuhause aus arbeitet. „Zu meiner meiner Freude wurde ich positiv auf Influenza B gestestet. In diesen Tagen freut man sich ja schon darüber.“ Auf das Coronavirus wurde sie nicht getestet. „Dazu gab es keinen Anlass. Das wurde ausgeschlossen anhand meiner Termine der letzten 14 Tage.“

Diese Woche sei sie laut Arzt ansteckend, daher sei sie diese Woche im Home office. „Stets erreichbar und in Kontakt mit den nötigen Stellen“, wie Förster betont. An alle Mitarbeiter des Rathauses sei die Weisung ergangen, mit Erkältungssymptomen zuhause zu bleiben. Daran hält sie sich also selbst.

Sorgen in der Wirtschaft

Das von US-Präsident Trump überraschend verhängte Einreiseverbot für europäische Bürger trifft auch die Region Nordschwarzwald. Laut Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald rund 40 Unternehmen mit einer eigenen Niederlassung in den USA präsent, rund 300 Unternehmen unterhalten Export- und Importbeziehungen dorthin. „Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus dürfen nicht dazu führen, dass Märkte weiter abgeschottet werden und der freie Handel eingeschränkt wird“, warnt IHK-Präsidentin Claudia Gläser.

Siloah St. Trudpert verschärft Besucherregelung

Nachdem am Mittwoch bereits die RKH-Kliniken und das Helios-Klinikum Pforzheim ihre Besucherregeln erheblich verschärft hatten, zog am Donnerstag das Siloah St. Trudpert mit verschärften Regelungen nach. Auf der Intensivstation sind keine Besuche mehr erlaubt. Auf allen weiteren Stationen gilt ein eingeschränktes Besuchsrecht: Besuche sind täglich bis auf weiteres nur noch von 14 bis 16 Uhr möglich und sollen auf ein Minimum reduziert werden, wo wird informiert.

Pro Patient ist der Besuch von einem beziehungsweise maximal zwei direkten Angehörigen am Tag erlaubt. Generell auf Besuche verzichten sollten Personen, die Fieber oder einen Atemwegsinfekt haben. In begründeten Fällen sind Ausnahmen möglich. Personen, deren Angehörige schwer erkrankt sind, werde man den Besuch nicht verwehren. Grundsätzlich gehe es darum, die Besucherströme zu begrenzen und unnötige Risiken zu vermeiden.

Aktuell geht es darum, unser Personal und unsere Patienten so gut wie möglich vor Ansteckungen zu schützen.
Krankenhausdirektor Ulrich Schulze

Die Besuchsregelungen gelten auch für die vier Heime, die vom evangelischen Diakonissenverein Siloah betrieben werden: das Heim am Hachel, Haus Maihälden, sowie die Seniorenzentren Keltern und Sonnhalde in Neuenbürg. „Personell und strukturell sind wir für den Ernstfall gerüstet, das möchten wir auch in den kommenden Wochen bleiben. Das können wir aber nur, wenn wir zum jetzigen Zeitpunkt Maßnahmen ergreifen, die unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege und der Ärzteschaft schützen“, so Schulze.

Stadt Pforzheim appelliert an Selbstverantwortung

In Pforzheim fordert die Stadtverwaltung von Bürgern und Mitarbeitern ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Stark hustende oder niesende Kunden werden im Rathaus gebeten, ihre Anliegen zu einem späteren Zeitpunkt und bei besserer Gesundheit zu wiederholen und zunächst zuhause zu bleiben. Unaufschiebbare oder fristgebundene Anliegen würden so bearbeitet, dass möglicherweise abgewiesenen Bürgern beziehungsweise Kunden keine Nachteile entstehen.

Im Landratsamt Enzkreis wird das Verfahren ebenso angewendet. „Zum Schutz der anderen Kunden und unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es wichtig, dass sich jeder mit starken Krankheitssymptomen fragt, ob sich ein Dienstgang im Interesse aller nicht verschieben lässt“, so der Leiter des städtischen Personalamtes, Bernhard Enderes Schulze.

Auch die Arbeitsagentur betont, dass persönliche Vorsprache nicht in jedem Fall notwendig ist. Bei Fragen oder kurzen Anliegen könne man sich online informieren, sich arbeitsuchend melden, Leistungen beantragen oder Kontakt zu seiner Beratungsfachkraft aufnehmen. Das Servicecenter sei von 8 bis 18 Uhr unter der kostenfreien Telefonnummer 08 00 4 55 55 00 zu erreichen.

Bei der Absage von Terminen entstünden für die Betroffenen keine Nachteile. Die Gesundheit der Kunden sowie der Mitarbeiter stehe im Vordergrund. Termine können jederzeit nachgeholt werden. Es reicht aus, wenn man die Agentur für Arbeit kurz über die gesundheitliche Beeinträchtigung informiert und bei Terminabsagen eine Krankmeldung per Post nachreicht.

Jürgen von der Lippe im CCP wird verschoben

Das Coronavirus zieht auch weitere Veranstaltungsabsagen nach sich. Nachdem am Mittwoch das Goldstadtfieber mit verkaufsoffenem Sonntag abgesagt wurde, ist der prominenteste Fall am Donnerstag der geplante Auftritt von Jürgen von der Lippe im Congresscentrum Pforzheim kommende Woche. Der Termin wird vom 17. März auf den 7. Dezember verlegt. Eintrittskarten bleiben gültig.

Wie wir über die Auswirkungen des Coronavirus berichten

Auf bnn.de berichten wir zurzeit verstärkt über die wichtigsten Entwicklungen rund um Corona in der Region rund um Karlsruhe, Bretten, Pforzheim, Rastatt und Bühl. Jeden Tag schränken Kliniken die Besuchszeiten ein, Schulen schließen, Firmen schicken Mitarbeiter nach Hause. Es ist selbst für unsere Redaktion zeitweise schwierig, den Überblick zu behalten. Deshalb filtern wir für unsere Leser aus der Flut an Informationen, welche der vielen Corona-Meldungen wichtig sind – unter anderem in dieser Übersicht .

Alle Informationen prüfen wir, um keine Falschinformationen zu verbreiten. Viele Menschen, auch in unserer Redaktion, machen sich ohnehin Sorgen. Wir möchten sie informieren und nicht verunsichern.

Zwei unserer Kollegen befassen sich ausschließlich mit dem Thema Corona – als unsere internen Experten. Viele weitere BNN-Redakteure recherchieren täglich zu den Auswirkungen von Covid-19 in den Städten und Gemeinden der Region. Unsere Autoren sprechen mit Entscheidern in den Landratsämtern, Krankenhäusern und in Firmen. Gleichzeitig telefonieren sie (Betroffene treffen wir derzeit nicht persönlich) mit Menschen, die Cafés schließen, Veranstaltungen absagen oder zu Hause bleiben müssen.

So möchten wir dazu beitragen, dass Menschen in der Region sich auf dem aktuellsten Stand halten können, um die richtigen Entscheidungen für ihren Alltag und ihre Gesundheit zu treffen.

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