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Pforzheimer Pläne für VHS und JMS

Pforzheims Stadtverwaltung will Volkshochschule und Jugendmusikschule zusammenlegen

Mehr Platz und Kontakt zu neuen Zielgruppen sehen Befürworter einer Fusion von Volkshochschule und Jugendmusikschule in Pforzheim. Die Diskussion im Gemeinderat wird jetzt erst eröffnet.

Verantwortung für mehr Nachhaltigkeit wird bei der vhs groß geschrieben: Gabriele Schumacher, Jürgen Will und Heiko Weimer (von links). Foto: Roth Foto: Susanne Roth

Zwei dicke Minusbilanzen beflügeln Fusionsfantasien bei der Pforzheimer Stadtverwaltung. So sie eine Mehrheit finden, könnte die Jugendmusikschule (JMS) ab 1. Januar 2022 und damit ab Beginn des Jubiläums 75 Jahre Volkshochschule (VHS) von dieser mitverwaltet werden. Dies erfahren Gemeinderäte quasi en passant im nächsten Hauptausschuss.

Der wesentliche Satz zum möglichen Ende der Selbstständigkeit steht ganz am Ende der Vorlage „Stärkung der Bildungseinrichtung Volkshochschule Pforzheim-Enzkreis GmbH und strategische Ausrichtung“. Unter dem Zwischentitel „Corona-Pandemie“ legt die Stadtverwaltung ihre Zukunftsvorstellungen dar. Den Gemeinderäten wird dort überdies mitgeteilt, dass Enzkreis-Landrat Bastian Rosenau, derzeit Vorsitzender des VHS-Aufsichtsrats, „die Überlegungen eines Zusammenschlusses grundsätzlich befürwortet“.

Fusion bliebe innerstädtische Angelegenheit

Das ist aus Sicht des Landkreises auch gar nicht so schwierig, wie aus einer Stellungnahme des Enzkreischefs deutlich wird. Zum einen sehe er darin Synergie – sowohl für die VHS als auch für die Musikschule. Außerdem „hätte eine mögliche Fusion für den Enzkreis keine finanziellen Auswirkungen, sondern bliebe eine innerstädtische Angelegenheit“. Aber auch aus der Außenschau finde er den Plan gut und richtig, schreibt der Landrat weiter.

Ähnlich ist die Reaktion bei den meisten der angefragten Fraktionssprecher, auch wenn keiner von den Überlegungen zu einer Fusion weiß, die es laut Sitzungsvorlage seit geraumer Zeit geben soll. Dabei spielt eine Rolle, dass VHS und JMS gleichermaßen „strukturell unterfinanziert sind“, wie Christof Weisenbacher von der Gruppierung WiP/Die Linke ausführt.

„Gebühren erhöhen ist nicht sinnvoll“, lenkt Ralf Fuhrmann (SPD) den Blick auf eine mögliche Alternative zu den Fusionsideen. „Wenn Sparen, dann nur am Overhead.“ Außerdem stärke ein Zusammenschluss die VHS durch eine Erweiterung des musischen Bereichs.

Haus für Bildung: Sollte es zur Fusion mit der Jugendmusikschule kommen, würde die Volkshochschule der Stadtbibliothek neues Gewicht verleihen. Foto: Edith Kopf

Dass die Idee auch für die JMS Chancen eröffnen könnte, ist zumindest gegenüber den Pforzheimer Stadträten noch nicht kommuniziert. So lasse sich beispielsweise die seit Jahren angestrebte Erwachsenenbildung womöglich besser entwickeln, wenn sie per VHS-Programm in die Haushalte käme, erläutern Insider. Sie gehen nicht davon aus, dass der Vorstoß in Richtung Fusion zu empörte Reaktionen nach sich zieht.

Einsparpotenziale bei den Räumen

Einsparpotenzial sehen Kenner der Materie auch bei den Räumen. Während die VHS unter chronischem Platzmangel leide und etliches an Miete zahle, gebe es bei der Musikschule zeitweise Leerstand, weil die eben nur selten abends oder zu normalen Schulzeiten unterrichtet wird.

Ungeachtet zweifellos vorhandener Synergien, „darf eine Fusion nicht nur wirtschaftlich vorteilhaft sein“, steckt Marianne Engeser das Feld der CDU ab. Die positiven Aspekte müssten generell überwiegen. Ihre Fraktion werde das Vorhaben konstruktiv begleiten.

Gleich allen Fraktionen haben sich auch FDP, FW, LE und UB noch nicht mit dem binnen eines Jahres ins Auge gefassten Zusammenschluss auseinandergesetzt. Für den Vorsitzenden Hans-Ulrich Rülke gilt deshalb erst einmal „genau anschauen und Argumente abwägen“.

Möglichen Stoff dafür liefert auch Axel Baumbusch (Grüne Liste), der sich als einziger daran erinnert, dass da doch schon einmal was gewesen sein könnte in Sachen VHS-JMS-Fusion. Das sei aber in der Zeit von OB Gert Hager gewesen. Grundsätzlich könne er sich vorstellen, „einen der organisatorischen Wasserköpfe einzusparen“. Das dürfe aber nicht zu einer Verflachung der Qualität führen und auch nicht dazu, dass aus Festanstellungen zeitlich befristete Dozentenverträge werden.

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