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Fünf Jahre „Designer in Residence“

Wichtiger Impuls für die Stadt: Pforzheimer Designer-Stipendium immer begehrter

Das Programm „Designer in Residence“ ist ein wichtiger Impuls für Pforzheim und entspricht der Standortförderung, die es bringen soll. Diese Bilanz ziehen die Chefin des EMMA Kreativzentrums und der Hauptsponsor nach fünf Jahren.

Neue Botschafter für Pforzheim: Die Designer Maria Appleton, Mira Kim und Jaspar Rogers (vorne) wurden jetzt von Ulrich Haag, Alexandra Vogt, Almut Benkert und Stephan Scholl (von links) als neue Stipendiate vorgestellt. Foto: Edith Kopf

Gesellschaftliche Fragen stehen im Vordergrund bei der fünften Auflage des Pforzheimer Stipendiums „Designer in Residence“. Dafür sorgen Maria Appleton aus Portugal, die Südkoreanerin Mira Kim und der Brite Jaspar Rogers. Sie sind jetzt mit einigen Monaten Verspätung im EMMA Kreativzentrum angekommen. Diese der Corona-Situation anzulastende Veränderung hat Folgen.

Zum einen werden die Ergebnisse des dreimonatigen Studienaufenthalts in Pforzheim nicht mehr einfach ausgestellt. Zum Zweiten fällt der erste Auftritt der neuen Stipendiaten mit der Ausschreibung von „Designer in Residence“ 2021 zusammen. Und dann gibt es noch einen Grund inne zu halten: Bei der Designförderung mit Fokus auf Pforzheims Reputation auf diesem Gebiet kann auf fünf Jahre zurück geblickt werden.

Impulse aus der Umgebung

EMMA-Chefin Almut Benkert beschreibt dieses Zusammentreffen denn auch am Anfang ihrer Ausführungen. Tatsächlich sei es den drei Gästen zu verdanken, dass Corona den Studienaufenthalt nicht zu einem virtuellen machte. „Nur digital wollte keiner.“ Neben den Wert des Ortsbezugs stellt Benkert die generelle Bedeutung der Designerförderung und zieht eine „sehr positive Bilanz“ – nicht zuletzt für Pforzheim selbst.

Die Qualität der Bewerber habe sich verbessert, die Bewerberzahl seit 2016 nahezu verfünffacht auf zuletzt 270 Einreichungen aus 54 Ländern. Hinzu komme die internationale Berichterstattung mit mehr als 150 Artikeln national und international. Dies trage nicht nur Pforzheim als Designstandort in alle Welt, wesentlich sei auch, dass davon ein wichtiger Impuls für die Stadt selbst ausgehe: „Die internationale Vernetzung tut dem Standort Pforzheim gut.“

Das Satz klingt wie eine Vorlage für das, was Maria Appleton schon hingelegt hat, seitdem sie im EMMA eingezogen ist. „Es geht darum, neue Leute kennenzulernen, Verbindungen zu knüpfen und aus der Umgebung Impulse zu bekommen“, erläutert die Textildesignerin.

Beeinflussen textile Strukturen die Architektur?

Sie fokussiert sich bei ihrer Arbeit auf neue Lebensweisen und Wohnformen und will hinterfragen, „wie textile Strukturen die heutige Architektur beeinflussen können und wie sich dies verändern könnte“. Entsprechend wichtig ist ihr bei ihrer Arbeit eine gesellschaftliche Einbindung. Sie interessiere sich für die Zerstörung Pforzheims und dafür, wie der Wiederaufbau gefeiert werden kann.

Mit einer Vertikalen verbindet Schmuckdesignerin Mira Kim ihren gesellschaftliche Ansatz. Sie habe endlich die Stadt kennenlernen wollen, in der all ihre Lehrer studiert haben. Dabei gehe es ihr auch um die Verbindung zur langen Tradition des Schmuckmachens. Die Südkoreanerin versteht Schmuck als Teil des Körpers und beides zusammen als ein Medium, das gesellschaftliche Aspekte ausdrückt. Dabei gehe es ihr um die Frage, wie Wahrnehmung und Urteile durch Einstellungen und – auch historische – Erfahrungen beeinflusst werden.

Am griffigsten für den Design-Laien ist, was Jaspar Rogers während seines Stipendiums verwirklichen will. Er fragt sich, wie es möglich wird, dass Menschen vor einer Wahl sich erst mit dem politischen Programm beschäftigen und dann mit den Menschen, die zur Wahl stehen. Den Weg zu einem neuen Verständnis des demokratischen Systems und den damit verbundenen Strategien will er über ein Spiel öffnen. Das Stipendium ermögliche ihm, der London nie habe verlassen wollen, sich zu öffnen und nicht nur in der gesellschaftlichen Blase zu verharren, in der er lebt und arbeitet.

Bewerbungsschluss für 2021 im November

Grenzüberschreitend, allerdings in einem anderen Sinne, werden Rogers Spiel, die Rauminstallation von Appleton und die Arbeit von Kim am Schluss des dreimonatigen Aufenthalts dann doch zur einem virtuellen Erlebnis mit Virtual-Reality-Brille. Der konkrete Ort dafür ist das „Stattbad“, das nicht mehr zugängliche ehemalige Männerbad des EMMA. Dabei soll laut Benkert auch erkundet werden, was funktionieren könnte für Designer, wenn wie jetzt durch Corona kaum noch was geht.

Die finanziellen Grundlagen für all diese Auseinandersetzungen kommen zur Hälfte von Sponsoren, allen voran mit 10.000 Euro von der Sparkasse sowie 5.000 von C. Hafner. Sie sichern dem Programm „Designer in Residence“ auch für die Zukunft ihre Unterstützung zu, wie Sparkassenchef Stephan Scholl deutlich macht. Das sei gelebte Standortförderung. Dabei sei von Anfang an klar gewesen, dass sie sich etablieren muss und kein Schnellschuss sein kann.

Wer das sechste Trio bei „Designer in Residence“ sein wird, entscheidet sich Mitte Dezember. Bewerbungsschluss ist der 15. November. Danach haben die Juroren, der Schmuckdesigner Sam Tho Duong, die Modedesignerin Amelie Marie Gaydoul und der Produktdesigner Stefan Lippert das Wort.

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