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Kolumne "Zusammen zuhause"

Bloß nicht husten: In Coronazeiten zum Zahnarzt

Das Leben vor der Haustür mag durch Corona zum Stillstand gekommen sein, meine Zähne interessiert das wenig. Deshalb musste ich mitten in der Pandemie-Panik in die Zahnarztpraxis. Gebohrt hat die Ärztin nicht – aber irgendwie seltsam war’s trotzdem.

In der Kolumne "Zusammen zuhause" berichten die BNN-Redakteure über ihren Alltag in Zeiten des Coronavirus. Foto: peterschreiber.media/Adobe Stock, imago (Montage)

Das Leben vor der Haustür mag durch Corona zum Stillstand gekommen sein, meine Zähne interessiert das wenig. Deshalb musste ich mitten in der Pandemie-Panik dahin, wo ich selbst in normalen Zeiten gerne Abstand von meinen Mitmenschen halte: in die Zahnarztpraxis. Gebohrt hat die Ärztin nicht – aber irgendwie seltsam war’s trotzdem.

Diese Woche, ich glaube es war der Dienstag, hatte ich einen Zahnarzttermin. Das klingt jetzt ziemlich unaufregend und langweilig, war es aber nicht. Es ist Corona-Zeit. Da ist alles anders als sonst. Da sehnt man sich nach jedem Stückchen Normalität und Langeweile. Weil sie so verdammt selten geworden ist. Das gilt auch für den Zahnarztbesuch.

Das fing schon damit an, dass ich gar nicht wusste, ob ich überhaupt in die Praxis gelassen werde. Eine satte halbe Stunde zu früh stand ich vor der Tür, wegen des kalten Winds am Morgen ordentlich durchgefroren und mit laufender Nase –"Was ist, wenn sie jetzt denken, dass ich Corona habe?“, schwirrte es mir durch den Kopf – „Oder was ist, wenn sie in der Zeit seit meinem Anruf die Praxis dicht gemacht haben?“ Egal, meine Sorgen waren unnötig: Eine Zahnarzthelferin öffnete mir irgendwann die Tür. „Wollen Sie nicht reinkommen, es ist doch kalt draußen“, sagte sie. Und hatte natürlich recht.

Familien im Ausnahmezustand: Schulen und Kitas sind geschlossen. Die Eltern arbeiten im Homeoffice. Der Alltag folgt in Zeiten der Corona-Pandemie neuen Regeln. Wie verändert sich dadurch das Zusammenleben? Darüber berichten in dieser Kolumne BNN-Redakteure mit unterschiedlichen Familienkonstellationen.

Keine Plexiglasabsperrung zwischen Ärztin und Patient trotz Coronavirus

Ich hatte mir schon Tage vorher Gedanken gemacht, was für Hygienemaßnahmen in der Zahnarztpraxis wohl aufgefahren werden. Der Mundspiegel an der Teleskopstange bewahrheitete sich nicht, die Plexiglasabsperrung zwischen Ärztin und Patient auch nicht.

Allerdings wurde mein Krankenkassenkärtchen bei der Übergabe sehr gründlich mit einem Desinfektionstuch gereinigt. Und im Wartezimmer saß ich ganz alleine. Man versuche, die Patienten möglichst so über den Tag zu verteilen, dass nie zu viele gleichzeitig im Wartezimmer sitzen, wurde mir erklärt.

Davon abgesehen war ich überrascht von der Normalität der ganzen Prozedur. Klar, die Zahnarzthelferinnen ließen ein bisschen mehr Abstand als gewohnt, aber vielleicht bin ich da inzwischen auch nur sehr aufmerksam geworden. Ein Meter fünfzig Abstand oder zwei – früher wäre mir sowas nie aufgefallen.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Einfach ein bisschen Geduld haben

Die Untersuchung selbst war dann trotz aller Sorgen und Gedanken ganz normal. Ich kam mir fast blöd vor, als ich nachfragte, ob ich irgendwelche bestimmten Hygienebestimmungen beachten müsse. Natürlich nicht, beim Zahnarzt. Da ist sowieso immer alles hygienisch. Hoffentlich zumindest.

Das befürchtete Loch stellte sich übrigens als eine abgebrochene Füllung heraus. Halb so wild. Wenn nur alles so einfach zu heilen wäre, dachte ich mir noch. Aber naja. Gut so.

„Bleiben Sie gesund“, sagte die Ärztin zum Abschied, und irgendwie ist das in diesen Zeiten zu einer Art universellem Gruß geworden. Früher hieß es „Machen Sie’s gut“, heute sagt man: „Bleiben Sie gesund“. Sogar in Mails ist das inzwischen zu meiner Grußformel geworden. Keine „freundlichen Grüße“. „Bleiben Sie gesund“. Es passt irgendwie besser.

Einfach ein bisschen Geduld haben, dann ist alles bald wieder gut, das raten einem die Zahnärzte ja immer nach dem Bohren, wenn die Betäubung langsam nachlässt und der Schmerz im Zahn pocht. Als ich mich an diesem kalten, windigen Morgen auf den Heimweg machte durch die leeren Straßen, da ging mir dieser Satz durch den Kopf. Einfach ein bisschen Geduld haben. Dann ist bald alles wieder gut.

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