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Seltsamer Gefühlsmix

Coronavirus und die "Ferien": Hausaufgaben sind besser als Langeweile

Die Schulen im Land haben wegen des Coronavirus' geschlossen. Die Schulleitungen haben ein arbeitsreiches Wochenende hinter sich. Die Notbetreuung musste gewährleistet werden und die Aufgaben für die Schüler verteilt werden. Viel ist organisiert, doch viele Fragen bleiben auch noch offen.

Corona-Ferien: Stühle stehen in einer Schule auf den Tischen. Im Kampf gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus ist von diesem Montag an die Schulpflicht aufgehoben. Foto: dpa

Am Morgen des letzten Schultags liegt eine heitere Stille über dem Schulhof der Weiherwald-Grundschule in Karlsruhe. Ganz allmählich trudeln die ersten Schüler ein. Die meisten kommen mit ihren Rollern aus der Nachbarschaft, ein paar werden von den Eltern gebracht.

„Ferien!“, schreit ein Steppke auf einem blauen Tretroller begeistert, als er vor dem Schultor ein paar Klassenkameraden entdeckt. Dann gibt er noch mal richtig Gas. Bei der Gruppe angekommen, wird der Zweitklässler in seinem Elan jäh gebremst. „Das sind keine Ferien“, belehrt ihn ein Mädchen mit Zöpfen und Brille. Der Rollerbub lässt sich die Laune nicht vermiesen: „Doch“, sagt er bestimmt, „Corona-Ferien!“

Coronavirus ist Thema auf allen Schulhöfen

Corona-Ferien. Auf den Schulhöfen und in den Klassenzimmern im Land gibt es an diesem Morgen kein anderes Thema. In der Wortschöpfung, die keiner benutzen soll und die doch in aller Munde ist, schwingt ein seltsamer Gefühlsmix mit. Bedrohlich einerseits, heiter, unbeschwert andererseits.

„Ich finde das toll, aber auch blöd“, fasst es ein siebenjähriges Mädchen zusammen. „Schulfrei ist schon gut, aber jetzt kann ich fünf Wochen meine Freunde nicht mehr treffen. Das ist blöd“, sagt sie.

Ihre Mama Nicole Lasogga unterhält sich derweil mit dem Vater einer Klassenkameradin. „Hast Du schon eine Betreuung gefunden“, fragt sie den jungen Vater in der blauen Handwerkerkluft. „Nein“, entgegnet Benjamin Hauser. „Ich muss mal schauen, wie ich das auf die Reihe bringe.“ Die von der Schule organisierte Notbetreuung springt für den Inhaber eines Sanitärbetriebs nicht ein.

Viele Fragen sind noch offen

Nicht nur bei dem jungen Vater bleiben an diesem letzten Schultag viele Fragen offen. Auf dem Schulhof der Anne-Frank-Schule in Oberreut steht in der Zehnerpause eine Gruppe von Zehntklässlern ein wenig betrübt beieinander. „Schulfrei ist natürlich schon gut, aber diese Situation ist für uns sehr ungünstig“, sagt die 16-jährige Shari und drückt besorgt ihre Mappe mit Arbeitsblättern ein bisschen fester an sich.

Für sie und die anderen in ihrer Gruppe stehen ab dem 22. April die Realschulprüfungen an. „Wie sollen wir uns ohne Lehrer darauf vorbereiten“, fragt sie in die Gruppe. Betretene Gesichter. Auch ihre Freundin Jacqueline war schnell ernüchtert: „Mein erster Gedanke war ’yeah – ausschlafen’ und dann sofort ’mist – Prüfungen ’.“

Die Frage nach den Prüfungen

Die Konrektorin der Gesamtschule hat die Gefühle ihrer großen und kleinen Schüler im Blick. Auch für sie bleiben viele Fragen ungeklärt. „Vor allem was die Prüfungen angeht.“ Doch die erfahrene Schulleiterin kann das nicht aus der Bahn werfen.

Sofort nach Bekanntwerden der Schulschließungen haben die Konrektorin und Rektor Johann Schwarz-Hemmerling die Kollegen am Wochenende zu zwei Sitzungen zusammengetrommelt. Für die kommenden Wochen sehen sie sich gerüstet. „Die Notbetreuung steht und die Kommunikationswege zwischen Lehrern und Schülern sind geklärt“, sagt Corinna Blume. Immerhin das.

Ständiger Kontakt zwischen Schülern und Lehrern

Über die E-Mail-Adressen der Eltern werden die Schüler nun in den nächsten Tagen und Wochen mit neuen Aufgabenblättern und Instruktionen versorgt. Außerdem sind auf der Homepage der Schule auch Empfehlungen für Lern- und Übungsplattformen im Internet zu finden. Entschlossen betont die Schulleiterin: „Wir gehen mit der Situation um und machen das beste daraus.“

Lehrer verteilen Aufgaben

Ulrike Seitz, die Direktorin vom Karlsruher Lessing-Gymnasium, ist nicht weniger gelassen. Etwas über 700 Schüler und 75 Lehrkräfte mussten am heutigen letzten Schultag informiert und instruiert werden. Die Lehrer handhaben das ganz unterschiedlich.

Deutschlehrer Michael Schneider etwa hat seinen Schülern im Fach Deutsch sehr genaue Arbeitsanweisungen hinterlassen. Jede Woche gibt es per E-Mail neue Aufgaben. „Ich setze dann auch Fristen und kontrolliere“, sagt er. Sein Kollege Frank Balzer will auch digitale Möglichkeiten nutzen.

„Gerade für die Schüler in der Oberstufe ist es wichtig, dass sie mit den Lehrern auch kommunizieren können.“ Plattformen wie Microsoft Teams böten eine gute Möglichkeit, sich auch per Video zu mehreren auszutauschen.

Unterrichtsfreie Zeit sind keine Ferien

Dass die Schüler die unterrichtsfreie Zeit als Ferien missverstehen könnten, – diese Gefahr sehen weder Lehrer noch Schulleiterin. „Wahrscheinlich werde ich schon aus Langeweile Hausaufgaben machen“, sagt Olesja.

Genau wie ihre Freundin Paula, die ebenfalls die 11. Klasse besucht, wollen sich die Schülerinnen für die unterrichtsfreie Zeit einen Plan machen. „Unsere Klassenlehrerin hat erklärt, dass es wichtig ist, eine Routine behalten.“ Deshalb will sich Olesja auch in den „Ferien“ jeden morgen den Wecker stellen. Schließlich sind Corona-Ferien ja auch keine Ferien.

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