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Ortschaftsrat will Seniorenwohnungen

Anwohner gegen Heim für psychisch Kranke in Schöllbronn

Hoch schlagen die Wellen in Schöllbronn, seit bekannt ist, dass aus einem Altenheim ein Heim für psychisch Kranke werden könnte. Der Standort sei dafür nicht geeignet, sagen Bürger und Ortschaftsrat.

Wird aufgegeben: Das Alten- und Pflegeheim „Landhaus Schöllbronn“. Dass dort ein Heim für psychisch Kranke geschaffen wird, will der Ortschaftsrat nicht. Foto: Werner Bentz

Unruhe im Höhenstadtteil Schöllbronn rund um das Alten- und Pflegeheim „Landhaus Schöllbronn“: Als Anwohner in der Konradin-Kreutzer-Straße vor ein paar Wochen Post erhielten, wonach eine Bauvoranfrage bei der Stadt Ettlingen vorliege, das Heim in eine Einrichtung für psychisch Kranke umzuwandeln, schrillten bei so manchem die Alarmglocken. Bei der Ortsverwaltung gingen Nachfragen ein, was es mit dem Projekt denn auf sich habe. Bedenken, es passe nicht ins Wohngebiet wurden laut.

Daraufhin entschloss sich Ortsvorsteher Steffen Neumeister, das Thema auf die öffentliche Sitzung des Ortschaftsrates zu setzen, was bei einer Bauvoranfrage eher unüblich ist. „Wir wissen um den Wirbel, deshalb gehen wir an die Öffentlichkeit“, so Neumeister im mit 30 Zuhörerinnen und Zuhörern unter Corona-Abstandsbedingungen voll besetzten Schöllbronner Pfarrsaal.

Wir wissen um den Wirbel, deshalb gehen wir an die Öffentlichkeit.
Steffen Neumeister, Ortsvorsteher in Schöllbronn

Das in die Jahre gekommene „Landhaus Schöllbronn“ wird als Alten- und Pflegeheim noch 2020 aufgegeben, weil ein Neubau bei der Schule in einigen Wochen fertig gestellt ist mit 45 stationären Plätzen für alte Menschen und 15 Plätzen in der Tagespflege. Im Frühsommer ging eine Anfrage der Lebenswerke GmbH Stuttgart für „therapeutisch betreutes Wohnen im Mehrgenerationenhaus“ an die Stadtverwaltung Ettlingen. Der Bebauungsplan am Standort „Landhaus“ sieht ein Wohnheim vor. Eine solche Einrichtung wäre demnach also möglich bei entsprechender Nutzungsänderung.

Wenig aussagekräftiges Konzept

Sowohl Oberbürgermeister Johannes Arnold als auch die Leiterin des Amtes für Jugend, Bildung Familie und Senioren, Barbara Baron-Cipold, hegen Zweifel an dem Projekt. Zum einen, so Baron-Cipold im Ortschaftsrat, wegen des sehr begrenzten Außenbereiches. Zum anderen, weil das Konzept wenig aussagekräftig sei. Weitere Infos seien aber bislang vom Investor nicht geliefert worden.

Auch Fragen zu Finanzierung und Trägerschaft seien offen geblieben. Der Landkreis Karlsruhe, ließ Neumeister wissen, „ erkennt grundsätzlich Bedarf für ein solches Wohnheim, wir meinen aber, an diesem Standort macht das keinen Sinn“. Wenn, dann in Ettlingen-Stadt, denn in Schöllbronn fehle Infrastruktur für die betroffenen Menschen. Die Anbindung an den ÖPNV sei schlecht, hinzu komme die Verkehrs- und Parkplatzproblematik.

Wie sollen seelisch Kranke hier integriert werden?
Ein Bürger aus Schöllbronn

„Ist das eine geschlossene Anstalt?“, warf ein Bürger in die Runde. Darauf Neumeister: „Wir haben grob zwei DIN-A4-Seiten Informationen erhalten, mehr nicht.“ Darin sei zu lesen, es sei eine „Öffnung nach außen“ geplant, unter anderem mit einem auch für die Bevölkerung zugänglichen Café. In den Obergeschossen würden aus den bisherigen „Landhaus“-Doppelzimmern Einzelzimmer mit Bad/WC. „Wie sollen seelisch Kranke hier integriert werden?“, fragte ein anderer Schöllbronner. Er könne sich nicht vorstellen, dass junge Mütter, die mit ihren Kindern auf den beiden Spielplätze in der Nähe unterwegs seien, über eine solches Heim „begeistert sind“.

Ortschaftsrat bevorzugt seniorengerechte Wohnungen

Die Ortschaftsräte Gabriele Wurster, Marco Maisch sowie Ralf Stückler betonten genau wie Neumeister den mehrfach öffentlich geäußerten Wunsch des Ortschaftsrates, am Standort „Landhaus“ seniorengerechte Mietwohnungen zu schaffen, für die es Bedarf im Höhenstadtteil gebe. Bei dieser Position wolle man bleiben. Entsprechend lehnte das Gremium das Projekt Wohnheim einstimmig ab. Der Beschluss geht jetzt ans Bauordnungsamt Ettlingen, das über die Bauvoranfrage zu entscheiden hat.

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