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Team könnte doppelt so viel testen

Weniger Besucher als erwartet an Corona-Teststation in Dobel

26 Abstriche werden im Corona-Testzentrum in Dobel durchschnittlich pro Tag gemacht, 50 wären theoretisch möglich. Selbst vor Weihnachten blieb der große Ansturm, anders als vermutet, aus.

Drive-in-Station im Pavillon: Arzt Hendrik Niehoff nimmt durch das geöffnete Autofenster einen Rachenabstrich bei einem Besucher des Corona-Testzentrums in Dobel. Foto: Julia Trauden

Schilder mit der Aufschrift „Diagnosezentrum“ weisen den Weg zur Drive-in-Teststation in Dobel. Vorbei an Ausflüglern, die Schlitten hinter sich herziehen, und gut gefüllten Parkplätze direkt zum Sportplatz und dem Clubhaus der Sportfreunde Dobel.

Auf dem Parkplatz ist ein Pavillon aufgebaut, im angrenzenden Container befindet sich das „Büro“ von Arzt Hendrik Niehoff und seinem Team, das aus Ehefrau Christine und der 22-jährigen Tochter Sylvia Kreutzer besteht. Eine knappe Stunde vor Öffnung der Drive-in-Station sind die Drei dabei, alles vorzubereiten.

Zwölf Anmeldungen haben sie nur an diesem Donnerstag, das ist unterdurchschnittlich wenig. Theoretisch möglich wären 50 PCR-Tests pro Tag, erklärt Niehoff. Doch die jüngste von drei öffentlichen Abstrichstellen im Landkreis Calw werde allgemein nur zurückhaltend genutzt.

Im Schnitt 26 Tests pro Tag

Seit dem Start am 26. November haben sich laut Niehoff pro Tag im Schnitt 26 Personen testen lassen. Die Drive-in-Station ist an zwei Tagen die Woche jeweils für zwei Stunden geöffnet. Damit sich der Aufwand für Niehoff lohnt, könnten es mehr Besucher sein.

Bestens geschützt: Hendrik Niehoff im Schutzanzug, mit Haube, Handschuhen, FFP2-Maske und Gesichtsschild. Foto: Julia Trauden

Der Neurochirurg und Allgemeinmediziner, der sich mit einer Praxis in Dobel selbständig machen will, kommt aus Bühlertal. Mit dem Schlenker über Kappelrodeck, wo er und seine Frau die Tochter abholen, dauert allein die Anfahrt anderthalb Stunden.

Großteil der Besucher kommt aus Dobel oder dem näheren Umkreis

Ausreißer nach oben bei der Nutzung des Testzentrums gab es nach einem Corona-Ausbruch in einem Dobler Pflegeheim Mitte Dezember, berichtet der freiberufliche Arzt. Viele Pflegekräfte hätten sich testen lassen. Allgemein seien die Besucher im Testzentrum überwiegend weiblich und jünger, die meisten kämen, weil sie als Kontaktpersonen von Infizierten eingestuft werden.

Der Großteil stammt aus Dobel, Bad Herrenalb oder dem Umkreis, Besucher aus dem weiter entfernten Bad Liebenzell oder Schömberg stellen die Ausnahme dar.

Reiserückkehrer braucht Test als Nachweis für Arbeitgeber

Eine dieser Ausnahmen wartet am Donnerstag vor dem Pavillon, in dem die Abstriche genommen werden. Ein Mann aus dem 40 Kilometer entfernten Wildberg, der aus einem Türkei-Urlaub zurückkommt. Damit er am Montag wieder arbeiten darf, muss er einen negativen Test vorweisen. Und weil er im Testzentrum im nur halb so weit entfernten Calw erst ab 19 Uhr einen Termin bekommen hätte, hat er die 45-minütige Anfahrt in Kauf genommen.

Empfehlung von der Hausärztin

Hinter ihm halten Autofahrer mit ganz anderen Gründen für die Testung. Siegbert Kraft (60) und seine Frau Ewa (55) etwa haben grippeähnliche Symptome. „Zur Sicherheit“ habe ihre Hausärztin ihnen empfohlen, sich testen zu lassen, erzählt Siegbert Kraft. Und Alessandro Pietroluongo aus Bad Wildbad will aus der Quarantäne kommen, in der er steckt, seit bei seiner Frau eine Corona-Infektion nachgewiesen wurde. Er habe keine Symptome, sagt der 54-Jährige, daher hoffe er auf einen negativen Test.

Rachenabstrich genügt für zuverlässigen Test

Nach und nach fahren die Testwilligen mit ihren Autos vor in den Pavillon, wo Arzt Niehoff, im Schutzanzug, mit Kopfhaube, Handschuhen, FFP2-Maske und einem zusätzlichen Gesichtsschild bestens geschützt, einen Abstrich aus dem Rachenraum entnimmt. „Einer genügt“, muss er den Besuchern oft versichern, denn viele gehen davon aus, dass für einen zuverlässigen Test zusätzlich auch ein Nasenabstrich nötig ist.

Wir merken, dass die Testlabore an ihre Grenzen geraten.
Carolin Gutsch, Mitarbeiterin Landratsamt Calw

Den Abstrich verpackt Niehoff in Röhrchen, die am Abend von einem Fahrer des Testlabors abgeholt werden. Bis das Testergebnis feststeht, kann es laut Carolin Gutsch vom Landratsamt Calw schon mal zwei oder drei Tage dauern. „Wir merken, dass die Labore an ihre Grenzen geraten“, erklärt sie.

Sicherheit geht vor: Zwei Security-Mitarbeiterinnen verteilen Merkblätter zum Coronavirus an die Testwilligen in Dobel. Foto: Julia Trauden

Nicht überall ist die Auslastung so gering wie in Dobel: In Calw beispielsweise herrscht mitunter großer Andrang, und auch Hausärzte nehmen Corona-Tests vor. Ihr Ergebnis erfahren die Testwilligen in Dobel entweder über einen QR-Code, den sie an der Teststation bekommen, oder telefonisch. Im Gesundheitsamt Calw kümmert sich ein Team mit mehr als 100 Mitarbeitern um die Nachverfolgung von Corona-Infektionen. „Wir sind sieben Tage die Woche im Einsatz“, sagt Gutsch.

Öffnungszeiten und weitere Informationen

Das Dobler Drive-In-Testzentrum in der Höhenstraße 92 ist Montag und Donnerstag jeweils von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Es kann ausschließlich nach Terminvereinbarung per E-Mail an corona-test@kreis-calw.de genutzt werden. Wer sich anmeldet, sollte neben Name, Anschrift, Geburtsdatum und Testgrund unbedingt auch eine Telefonnummer angeben, unter der er erreichbar ist.

Beim Test müssen Versichertenkarte oder Personalausweis vorgehalten werden. Außer in Dobel gibt es im Landkreis Calw öffentliche Testzentren in Calw und Nagold. Weitere Infos, auch zu Hausarztpraxen, die Corona-Tests anbieten, unter www.kreis-calw.de.

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