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Forderung nach mehr Respekt

Gleichstellungsbeauftragte im Kreistag in Karlsbad: Frauen sind Verliererinnen der Corona-Pandemie

Im Kreistag in Karlsbad präsentierte die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises ihren alljährlichen Tätigkeitsbericht. Darin zieht sie ein klares Fazit: Missstände haben sich durch die Corona-Pandemie verschärft.

Mit Kindern verschiedener Altersklassen durch den Lockdown: In Zeiten geschlossener Schulen und Kitas wird der Alltag für manche Mutter zum „Wahnsinn“. (Symbolfoto) Foto: Christin Klose/dpa

Zu den Verliererinnen der Corona-Pandemie gehören Frauen. Zu diesem Ergebnis kam die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Astrid Stolz. In ihrem alljährlichen Tätigkeitsbericht sprach sie davon, „dass sich die Situation der Frauen weiter verschärft hat“. Den Bericht brachte sie bei der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses (Kreistag) in Karlsbad zu Gehör.

Im Verlauf der Corona-Krise, so die Erkenntnis von Stolz, müssten und müssen Mütter neben dem Beruf und/oder Homeoffice „deutlich mehr Aufgaben rund um Haushalt und Kinder stemmen“. Gerade Alleinerziehende seien vom Wegfall der Betreuungsmöglichkeiten – Kitas waren über Wochen geschlossen – besonders betroffen gewesen.

Die Hauptlast haben doch immer die Frauen getragen.
Eberhard Roth (Freie Wähler)

Auf den Punkt brachte es Eberhard Roth (Freie Wähler): „Die Hauptlast haben doch immer die Frauen getragen.“ Insgesamt gesehen, so Roths Bewertung über die Frauen in der Gesellschaft, müsste stärker das Bewusstsein in der Öffentlichkeit geschärft werden, dass Frauen mehr Respekt verdienten als ihnen gegenwärtig zuteil werde.

Was bei den Redebeiträgen zum Bericht von Astrid Stolz allerdings auffiel: Bis auf eine Frau waren es Männer, die sich über Frauen in der Gesellschaft und über Gleichstellung äußerten. In Sachen Frauenpolitik befinde sich im Gegensatz „zur großen Politik“ der Landkreis auf einen „sehr guten Weg“ befand Gerd Rink (SPD). Überdies kam er zu der Schlussfolgerung, dass Chancengleichheit nicht gleich von vornhinein bestehe.

Sebastian Schrempp (CDU/Junge Liste) fordert weniger „Ideologie“ beim Thema Gleichstellung

Ein bisschen weniger „Ideologie von allen Seiten an so manchen Stellen“ forderte wiederum Sebastian Schrempp (CDU / Junge Liste) ein. Außerdem sollte das Thema Gleichstellung nicht zu einseitig nur auf Frauen fokussiert werden. Er könne sich künftig auch einen (männlichen) Gleichstellungsbeauftragten vorstellen – eben dann, wenn Astrid Stolz im Sommer nächsten Jahres in den Ruhestand gehe.

Und was sagte einer der wenigen Frauen im Ausschuss zu all den vorangegangenen Statements der Männer? Inge Ganter (Grüne) verwehrte sich nicht zuletzt gegen den Begriff Ideologie. Mit Ideologie habe das nichts zu tun. Es handle sich vielmehr um eine „gesellschaftliche Tatsache“, dass Frauen nach wie vor ungleich behandelt werden. Männer verdienten oftmals mehr. Und ja, es gebe Zwänge, dass Frauen viel öfters in Teilzeit beschäftigt seien. Kurzum: Es müssten große Strukturen verändert werden, um tatsächlich Chancengleichheit herbeizuführen.

Eher aufs „Kleine“ bezogen forderte sie namens ihrer Fraktion, die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten im Landratsamt angesichts der Fülle an Aufgaben von derzeit 75 Prozent auf 100 Prozent zu erhöhen. Der Antrag, so Landrat Christoph Schnaudigel, solle in die kommenden Haushaltsberatungen einfließen.

Gleichstellungsbeauftragte präsentiert Beschäftigungszahlen im Landratsamt: Hoher Männeranteil bei Spitzenplätzen

Im Rahmen des jährlichen Tätigkeitsberichtes der Gleichstellungsbeauftragten werden die aktuellen Beschäftigungszahlen im Landratsamt aufgezeigt. Demnach sind von 2.127 Beschäftigten (Stand 30. Juni 2021) 1.390 Frauen und 737 Männer. Der Frauenanteil, bilanzierte Stolz weiter, liege bei 65,4 Prozent (2020: 64,6 Prozent).

Deutlich geringer fällt der Frauenanteil bei den „Spitzenplätzen“ im Landratsamt aus. Zehn Amtsleiter und Dezernenten stehen einer Dezernentin und drei Amtsleiterinnen gegenüber. Hier liegt der Anteil der Frauen bei 34,3 Prozent. Nahezu ausgeglichen ist es bei den Sachgebiets- und Teamleitungen. Fast schon exorbitant hoch ist mit 93,1 Prozent der Frauenanteil an Teilzeitkräften.

Noch ein Wort zu den Wahlen: Bei der Landtagswahl hat sich der Frauenanteil von 24,5 auf 29,2 Prozent erhöht; bei der Bundestagswahl von 31 auf 35 Prozent.

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