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Wenig los im Stadtgebiet

So lief die Ausgangssperre in Ettlingen ab

Was tut sich noch auf den Straßen der Großen Kreisstadt Ettlingen? Wo sonst die Menschen abends umher eilen oder sich mit Bus und Bahn auf den Weg zu ihren Treffen machen, herrscht nun Stille.

Kein Mensch weit und breit: Die Altstadt in Ettlingen ist am ersten Tag der Ausgangssperre gegen 20 Uhr wie ausgestorben. Foto: Johannes-Christoph Weis

Es könnte zwei oder drei Uhr nachts sein: Es ist aber erst 20 Uhr, die Nacht von Samstag auf Sonntag steht bevor. Nur die Uhren vom Rathaus oder der Martinskirche sind kurz zu hören. Ansonsten fast nur Stille auf dem Marktplatz mit seinem Georgsbrunnen. Nur das Rauschen der Alb, die in Steinwurfweite eine alte Wehranlage überwindet, ist zu hören.

Die erste Nacht mit dem drastischen Ausgehverbot beginnt auch in Ettlingen. Eine ältere und eine junge Dame huschen am großen Weihnachtsbaum und der Krippe vom Sternlesmarkt vorbei. Nein, sie kommen nicht von der Arbeit, führen aber einen Vierbeiner Gassi.

Polizei und Ordnungsamt sind unterwegs

„Was ist in Ettlingen jetzt noch los?“, lautet die Frage. Auf dem Weg zur Tiefgarage Neuer Markt kommt kein Mensch entgegen. Im dortigen großen Drogeriemarkt brennt taghell das Licht, ähnlich wie auf dem Neuen Markt die Weihnachtsbeleuchtung und Dekorationen in vielen bunten Farben den Platz in einladendes Licht hüllen. Der Eindruck ist, als würde jetzt gleich zu einer Geisterstunde eingeladen und jeden Moment die Läden der Weihnachtshütten wieder von alleine nach oben gehen.

Derweil laufen die letzten Tiefgaragennutzer, es sind bis 20.25 Uhr maximal drei, zu ihrem Wagen, um noch rechtzeitig mit ihrem Fahrzeug herausfahren zu können. Dann geht Punkt 20.30 Uhr das Gittertor herunter. Niemand ohne Schlüssel kommt mehr rein oder raus. Die Anzeigetafel springt auf Rot für „besetzt“.

Auf Rastatter- und Schillerstraße fährt ein Dienstfahrzeug des Kommunalordnungsdienstes vorbei, wohl um zu schauen, ob die Ausgangssperre des Landes auch eingehalten wird. Eine Streife des Polizeireviers Ettlingen biegt in die Leopoldstraße ein. Sie sind jetzt die einzigen, die noch in den „Genuss“ der hell beleuchteten Schaufensterauslagen kommen. Einen Einkaufsbummel kann man sich anders vorstellen.

Einige, wenige junge Menschen warten an den Haltestellen

Wenig tut sich bei den Haltestellen. Bahnen und Busse fahren weiter nach Fahrplan. Es ist mittlerweile 20.34 Uhr. Am Stadtbahnhof wartet ein einzelner Mann. Sonst sitzen nur noch drei junge Leute in der Omnibushaltestelle. In den vorbeifahrenden Zügen sitzen maximal drei oder vier Menschen. Bei der Haltestelle „Erbprinz“, es ist etwa 21 Uhr, schiebt eine junge Frau ihren Kinderwagen. Sie wartet auf den Bus nach Ettlingen-West.

Der Busfahrer erzählt, er sei froh, dass er diese Arbeit habe. Keine „Arbeit“ hat hingegen der Taxi-Fahrer, er ist zwar als systemrelevant eingestuft und darf arbeiten. Er wartet auf Fahrgäste. Er steht schon über eine Stunde da. Und auch noch um 23 Uhr. Niemand kommt. Ebenfalls keine „Arbeit“ hat der Kommunale Ordnungsdienst, der weit über Mitternacht in Ettlingen unterwegs ist. „Keine besonderen Vorkommnisse“, meldet der Vorgesetzte, Bürgermeister Moritz Heidecker, am Sonntagnachmittag.

An der Tankstelle stehen nur Lieferdienste

Wie gut sich die Menschen an die Ausgangssperre halten, ist leicht zu testen: Über die Brücke bei der Stadthalle fährt zwischen 22 Uhr und 22.15 Uhr kein Fahrzeug, weit und breit ist auch kein Fußgänger zu sehen. Bleibt also nur noch die Fahrt raus zur Seehoftankstelle, wo sonst fast Tag und Nacht „der Bär tobt.“ Auf die Frage „Wie läuft Ihre Arbeit?“, antwortet eine junge Frau am Tresen, „langweilig“. An den Tankplätzen stehen nur drei Fahrzeuge, ein Auto mit Dresdner Kennzeichen, ein Lastzug der Spedition Schenker und ein Sprinter eines Paketdienstes.

Zumindest die Pakete für Weihnachten rollen.
Passant, Beobachter an der Tankstelle

Der Kommentar eines Beobachters lautet: „Zumindest die Pakete für Weihnachten rollen.“ Wie sehr sich die Stimmungslage verändert hat, zeigt sich kurz vor 23 Uhr an der Herz-Jesu-Kirche. Beim Ausstieg aus dem Auto, um auf der Pforzheimer Straße ganz allein „frische Luft zu schnappen“, hält eine entgegenkommende Autofahrerin, vielleicht von einem Pflegedienst, mutig an und fragt: „Brauchen Sie Hilfe?“

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