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Ausschließlich für Arztpraxen

Ausgabe nur gegen Ausweis: Hunderttausende Schutzmasken in Baden-Württemberg eingetroffen

Lieferengpässe bei Corona-Masken in Arztpraxen und bislang nur Vertröstungen von der Kassenärztlichen Vereinigung: Medi, eine Interessensvertretung niedergelassener Ärzte, reagiert. Die Organisation ordert und verteilt den so wichtigen Schutz.

Nur mit Mundschutz ist Werner Baumgärtner, Vorsitzender von Medi Baden-Württemberg, in Corona-Zeiten unterwegs. Seine Organisation hat hundertausende Masken für Arztpraxen geordert. Foto: hei

Lieferengpässe bei Corona-Masken in Arztpraxen und bislang  nur Vertröstungen von der Kassenärztlichen Vereinigung: Medi, eine Interessensvertretung niedergelassener Ärzte, reagiert. Die Organisation ordert und verteilt den so wichtigen Schutz.

Die Szene wirkt fast schon surreal. An der Abfahrt zur Tiefgargage in Stuttgarts Industriestraße 2 stehen - in gebührendem Abstand voneinander – drei, vier junge Leute mit Schutzmasken vor dem Gesicht. Nacheinander kommen sie an die Autos von Ärzten, die sich in einer Schlange hintereinander aufreihen. Scheiben werden heruntergelassen. Aussteigen ist nicht erwünscht.

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„Sie haben Masken bestellt? Ihren Ausweis bitte“. Formulare wechseln den Besitzer und ein paar Minuten später werden Tüten unterschiedlicher Größe in den Wagen gereicht. Gefüllt sind sie mit begehrter Ware: FFP2 Masken, die in den meisten Arztpraxen ausgerechnet während der Corona-Pandemie fehlen.

Allgemeinarzt aus Karlsruhe sagt Notdienst ab

Medi Baden-Württemberg, eine Interessensvertretung von mehreren tausend niedergelassenen Medizinern im Land, kümmert sich seit knapp zwei Wochen darum, dass Ärzte und Praxispersonal an den Schutz kommen, den sie für ihre tägliche Arbeit am Patienten so dringend benötigen.

Es waren für mögliche Hausbesuche keine Schutzmasken da.
Ulf Lenk, Allgemeinmediziner aus Karlsruhe

Einer von ihnen ist Ulf Lenk, Allgemeinmediziner aus Karlsruhe. Während er auf seine Tüte aus der Tiefgarage wartet, erzählt er davon, dass er jüngst einen ärztlichen Wochenend-Notdienst abgesagt hat. Grund: „Es waren für mögliche Hausbesuche keine Schutzmasken da.“ Wie andere Mediziner ärgert er sich darüber, dass die zugesicherte Schutzausrüstung nicht beikommt. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) vertröste nur.

Medi-Vorsitzender kritisiert Land Baden-Württemberg

Werner Baumgärtner, Vorsitzender von Medi Baden-Württemberg und selbst Inhaber einer Allgemeinarztpraxis in Stuttgart, versteht den Unmut über die schleppende oder ganz ausbleibende Belieferung mit Corona-Schutzmasken. Die Situation für diejenigen, die bei der Patientenversorgung an vorderster Front stehen, sei unsäglich und sehr belastend.

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Er sieht aber vor allem das Land gefordert: „Dort hat man lange gemeint, den Schutzmasken-Auftrag ausschreiben zu müssen.“ In den Mühlen der Ministerialbürokratie sei dadurch viel wertvolle Zeit verloren gegangen. Schon vor vier Wochen habe Medi das Land darüber informiert, dass ein Angebot für mehrere Millionen Schutzmasken vorliege. Man sei eigentlich davon ausgegangen, „dass bestellt und dann verteilt wird“. Aus Gründen, die Baumgärtner nicht näher bekannt sind, habe das aber offenbar nicht funktioniert.

High-End-Schutzmasken: Ein Exemplar des Typs FFP2 (rechts) und daneben ein FFP3-Modell, das weitreichenden Schutz vor Viren bietet. Foto: Daniel Karmann/dpa

Als „immer mehr Hilferufe aus den Praxen unserer Mitglieder laut wurden“, entschloss sich Medi zu einer unternehmerischen Entscheidung, die eine Kassenärztliche Vereinigung so nicht treffen dürfe: Mit zwei Lieferanten aus Fernost („das war nicht ohne Risiko, aber sie erwiesen sich als verlässlich“) wurde man sich einig, trat finanziell in Vorleistung. Inzwischen hat Medi mehrere Hunderttausend FFP2 Schutzmasken ausgegeben. Die müssen Empfänger zunächst mal bezahlen.

Forderung nach künftig mehr Vorräten an Masken

Mittlerweile seien schon rund 1.500 Praxen in Württemberg sowie Nord- und Südbaden versorgt. Die Abhol-Logistik – binnen kürzester Zeit auch durch den Einsatz Ehrenamtlicher bei Medi in Stuttgart aufgebaut – funktioniert.

Erste Masken gingen inzwischen aus der Landeshauptstadt zu Medi nach Bayern und Berlin. Baumgärtner kreidet dem Land an, „immer noch zu wenig zu tun, um den Masken- und Schutzkleidungsengpass zu beseitigen“. Auch fragt er, warum der Katastrophenschutz nicht über ausreichend Schutzmaterial verfüge, das in einer solchen Notlage kurzfristig bereit gestellt werden könnte.

Das Szenario einer Epidemie gab es seit Jahren, man hat es aber wohl nicht ernst genommen.
Werner Baumgärtner, Vorsitzender von Medi Baden-Württemberg

„Das Szenario einer Epidemie gab es seit Jahren, man hat es aber wohl nicht ernst genommen.“ Für die Zeit nach Corona fordert der Medi-Chef zum einen eine „ deutlich bessere Vorratshaltung bei Schutzbekleidung und Masken“, zum anderen, dass „sich Europa in der Herstellung nicht auf Märkte in der Ferne verlässt, sondern wieder selbst produziert“.

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