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Fragen und Antworten zur Corona-Quarantäne

Mehr als 1.000 Karlsruher müssen auf Anordnung des Gesundheitsamtes zu Hause bleiben

Die Corona-Infektionen nehmen zu. In der Folge müssen auch immer mehr Kontaktpersonen in Quarantäne. Darf man dann wenigstens noch mit dem Hund vor die Tür? Und verkürzt ein negativer Test die Quarantäne? Die Antworten.

Die Zahl der positiven Corona-Test nimmt zu, weshalb auch immer mehr Kontaktpersonen zu Hause bleiben müssen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Ab sofort Quarantäne: Immer mehr Menschen müssen nach Kontakten zu positiv auf Corona Getesteten derzeit zuhause bleiben. Kann ein negativer Test die Sache abkürzen? Muss ich jetzt zwingend einen Abstrich machen lassen? Und darf man noch mit dem Hund raus? Tina Kampf gibt Antworten auf diese und weitere Fragen.

Wie viele Menschen müssen aktuell auf Anordnung des Gesundheitsamtes zuhause bleiben?

Nach Angaben des Landratsamts sind es Stand Dienstag, 27. Oktober, 1.110 Menschen in Karlsruhe, wobei dabei positiv Getestete in häuslicher Isolation und Kontaktpersonen in Quarantäne mitgezählt sind. Im Landkreis sind es 1.789 Personen.

Was ist der Unterschied zwischen häuslicher Isolation und Quarantäne?

Eine Quarantäne und eine Isolierung sind nicht das gleiche – auch wenn beides bedeutet, dass kein Kontakt zu anderen Personen stattfinden soll, um diese nicht anzustecken. Eine Quarantäne ist immer dann erforderlich, wenn nicht sicher ist, ob sich eine Person angesteckt hat, etwa bei Kontakt mit einem Infizierten oder nach Rückkehr aus einem Risikogebiet. Eine Isolierung erfolgt, wenn das Coronavirus nachgewiesen wurde, also der Test positiv ausgefallen ist. Wenn keine Krankheitszeichen auftreten oder die Erkrankung leicht verläuft, können die Patienten zuhause isoliert werden. Bei einem schweren Verlauf erfolgt die Isolierung im Krankenhaus.

Gibt es Erfahrungen, wie viel Prozent innerhalb der Quarantäne tatsächlich erkranken beziehungsweise positiv getestet werden?

In der Zuständigkeit des Landratsamtes Karlsruhe sind etwa sieben Prozent der Kontaktpersonen positiv getestet worden.

Muss man zum Corona-Test, wenn Quarantäne angeordnet wurde?

Nein, der Test ist nicht obligatorisch. Bisher wurde, so ein Sprecher des Landratsamtes, der Test aber allen Kontaktpersonen ersten Grades empfohlen. Ziel ist es, Folgefälle zu entdecken, die eventuell eigene enge Kontakte hatten. Ohnehin hätten die meisten Kontaktpersonen von sich aus einen Test gewünscht. Für diesen Kreis sei der kostenfrei. Möglicherweise müsse die Strategie künftig jedoch geändert werden, „da die Testkapazitäten der Labore an ihren Grenzen angekommen sind“, heißt es im Landratsamt.

Ist nach einem negativen Testergebnis die Quarantäne vorzeitig vorüber?

Nein, Kontaktpersonen ersten Grades können die Quarantäne nicht vorzeitig durch einen Negativtest beenden. Wesentlicher Grund dafür sei, dass ein Test immer nur eine Momentaufnahme darstellt. Die Gefahr, dass sich die Krankheit erst noch entwickelt, bestehe über die gesamte Inkubationszeit von 14 Tagen. Personen, die engen Kontakt zu einer mit SARS-CoV-2 infizierten Person hatten und vom Gesundheitsamt als Kontaktpersonen der Kategorie I eingestuft wurden, müssen sich also für 14 Tage in Quarantäne begeben.

Was gilt für positiv Getestete mit keinen oder leichten Symptomen?

Ab Beginn der Beschwerden beziehungsweise ab dem Tag des Abstrichs müssen sie sich für mindestens zehn Tage in häusliche Isolation begeben. Bevor sie das Haus wieder verlassen, müssen sie außerdem mindestens 48 Stunden beschwerdefrei sein – also frei von Fieber, Husten, Schnupfen, Halsschmerzen oder ähnlichem.

Gibt es Überlegungen, die Dauer der Quarantäne zu verkürzen?

Ja, die gibt es. Im Gespräch sind zehn und sieben Tage, selbst fünf wurden schon diskutiert. Diese Entscheidung fällt aber nicht das Gesundheitsamt, sondern das Robert-Koch-Institut.

Wie reagieren Menschen, wenn sich das Gesundheitsamt meldet und eine Quarantäne anordnet?

Die Experten berichten: Am Telefon reagierten die meisten sehr verständig.

Darf man trotz Quarantäne mit dem Hund rausgehen?

Die Antwort des Gesundheitsamtes ist eindeutig: „Nein. Das ist ja gerade der Sinn einer Quarantäne, dass man das häusliche Umfeld nicht verlässt und andere Menschen nicht gefährdet.“

Ist die Nachverfolgung der Kontakte in Karlsruhe noch möglich?

Die Kontaktpersonenermittlung und damit das Bestreben, Infektionsketten schnellstmöglich zu durchbrechen, ist nach wie vor der Arbeitsschwerpunkt des Gesundheitsamtes. Damit verbunden sei ein immenser personeller und zeitlicher Aufwand, je nach Fall könnten einige Dutzend Kontaktpersonen zu verständigen sein. Bei den momentanen Infektionszahlen seien das mehrere hundert Menschen täglich. Der Fokus liege auf der Information der infizierten Personen, die sei sichergestellt. Auch die Kontaktpersonenermittlung könne noch bewältigt werden - teilweise mit etwas zeitlichem Verzug.

Welche Rolle spielt bei der Kontaktnachverfolgung die App?

In der praktischen Arbeit des Gesundheitsamtes spielt die App nach Angaben des Landratsamts nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Zum einen müssten noch mehr Menschen die App nutzen, zum zweiten werden Positivbefunde von den Nutzern selbst eingetragen oder eben nicht, so dass die Warnung von Kontaktpersonen durch die App nicht immer gewährleistet sei.

In Restaurants werden Kontaktdaten gesammelt: Spielen diese bei der Kontaktverfolgung eine große Rolle? Und bekommt man eine Quarantäne-Anordnung, wenn man – natürlich mit Abstand – am Nachbartisch im Lokal saß?

Im Falle einer Infektion seien verlässliche Daten und korrekte Angaben in den Formularen der gastronomischen Betriebe elementar, um die Kontaktpersonen schnellstmöglich benachrichtigen zu können, lautet die Auskunft. Es habe bereits Fälle gegeben, in denen auf diese Daten zurückgegriffen werden musste. Welcher Personenkreis dann letztendlich als Kontaktperson einzuordnen ist, hänge vom Einzelfall ab.

Wie nah und wie lang muss der Kontakt zu einem positiv Getesteten gewesen sein, um in Quarantäne zu müssen?

Hier lässt sich nach Angaben des Gesundheitsamtes keine pauschale Auskunft treffen. Das sei einzelfallabhängig. Ein typisches Kriterium sei der sogenannte Angesicht-zu-Angesicht-Kontakt über 15 Minuten ohne Mundschutz.

Ob Müllmann, Arzthelferin oder Verkäufer: Nicht jeder kann im Zuge der Quarantäne ins Homeoffice wechseln. Was bedeutet dies für die Betroffenen?

Wer in Quarantäne ist, ist nicht krank und damit auch nicht krank geschrieben. Allerdings ist er gegebenenfalls an der Arbeitsleistung gehindert. Das Unternehmen dm beispielsweise stellt Mitarbeiter in den Märkten bei behördlich angeordneter Quarantäne bei voller Bezahlung frei, wie Geschäftsführer Christian Harms erklärt. Das Gesundheitsamt weist darauf hin, dass für Arbeitgeber die Möglichkeit besteht, Ersatzansprüche geltend zu machen. So erklärt auch die Stadtverwaltung mit Blick auf ihre Mitarbeiter: Bei einer behördlich angeordneten Quarantäne bei Kontaktpersonen bestehe kein Anspruch auf Bezügezahlung im Rahmen des Entgeltfortzahlungsgesetzes. „Doch zahlt hier der Arbeitgeber für maximal sechs Wochen den Verdienst weiter und erhält vom Regierungspräsidium auf Antrag eine Erstattung der geleisteten Zahlung. Hätten die Mitarbeiter keine Symptome, seien sie aber immer gebeten - sofern möglich - im Home-Office zu arbeiten.

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