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Gefahren auf dem Weg aus der Pandemie

Die Covid-Belastung der Karlsruher Kliniken bleibt hoch

Die zweite Welle in der Pandemie sinkt. Die Belastung der Karlsruher Kliniken aber geht nicht richtig zurück. Die Angst vor den Corona-Mutanten nimmt zu. Warum sind die Klinikchefs alarmiert? Und wo bleibt eigentlich die Grippe-Welle?

Besonders gefordert: Die Intensivpflegerinnen schwitzen in der Schutzkleidung. Seit Monaten gehen sie für die Covid-Patienten an ihre Grenzen. Foto: Robert Michael

„Wir sind auf einem guten Weg, aber es geht sehr langsam.“ Michael Geißlers Einschätzung der aktuellen Corona-Lage fällt gemischt aus. „Optimistisch“ und gleichzeitig „besorgt“ ist deshalb der Medizinische Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe.

Über allen Erfolgen des Lockdowns schwebt derzeit die drohende Gefahr durch aggressive Virus-Mutanten. Damit herrscht neben einer gewissen Erleichterung die pure Ungewissheit: Rollt schon die nächste Welle in der Pandemie, oder wirkt der Lockdown so gut, dass bald wieder alles offen ist?

Die Belastung der Karlsruher Krankenhäuser durch Covid-Patienten hat seit der Spitze um den Jahreswechsel deutlich nachgelassen. Indes verzeichnet das Städtische Klinikum im Tagesdurchschnitt der vergangenen Woche eine Stagnation. Auf den Covid-Allgemeinstationen befanden sich am Freitag 29 Personen, inklusive Verdachts- und Quarantänefälle. Die Belastung des Covid-Intensivbereichs mit elf Patienten war unverändert hoch.

Auch ViDia Kliniken sind jetzt entlastet

Dagegen ist der Effekt der sinkenden Ansteckungszahlen jetzt auch bei den Normalstationen der ViDia Kliniken angekommen. ViDia-Vorstand Richard Wentges berichtet von „der erfreulichen Entwicklung“, dass dort nur noch elf Covid-Patienten versorgt werden. Die Zahl der Patienten auf der Covid-Intensivstation war bereits in der Vorwoche total eingebrochen. Jetzt liegen dort nur noch drei Personen. Am Spitzentag hatte ViDia insgesamt 94 Patienten zu versorgen, zieht Wentges den Vergleich.

Die Chefs der Karlsruher Kliniken sind sich darin einig, dass es für die Krankenhäuser „noch keine richtige Entspannung gibt“. Wentges kritisiert auch die Politik, weil sie momentan die Krankenhäuser finanziell in großer Unsicherheit hängen lasse. Übereinstimmend heißt es bei den Kliniken: Man habe zwar gewisse Verbesserungen, etwa das begonnene Hochfahren der Operationszahlen, die wegen Corona drastisch reduziert wurden.

Doch den Alarm des Pandemieplans bläst man noch nicht ab. Dies bedeutet wegen Covid weiter Einschränkungen des Allgemeinbetriebs und besondere Anforderungen an das Personal. Schließlich liegen die Zahlen der mit dem Coronavirus Infizierten wie die der Covid-Intensivpatienten noch immer deutlich über den Vergleichswerten in der ersten Welle der Pandemie.

Patienten mit Mutation liegen extra

Geißler freut sich darüber, „dass die Politik dem Druck nicht nachgegeben“ und den Lockdown, wie von den Medizinern gefordert, verlängert hat. „Wir müssen damit konsequent weitermachen, um später die Gesellschaft wieder effektiv und nachhaltig öffnen zu können“, meint der Klinikumschef.

Im Städtischen gibt es laut Geißler bislang drei Fälle einer Virus-Mutation. Wentges bestätigt, dass auch ViDia Covid-Patienten mit Mutation hat. Weil man „die dritte Welle der Pandemie durch die Mutationen“ fürchtet, wurden die Sicherheitsmaßnahmen am Städtischen verschärft.

„Wir haben jetzt zusätzlich zu Non-Covid und Covid den dritten getrennten Bereich mit einer Station für Patienten mit Covid-Mutation eingerichtet“, berichtet Geißler. „Wir nehmen die Mutation sehr ernst, wir wollen keine Vermischung der Ansteckungen“, erklärt er.

Die Grippe fällt aus

Klinikdirektor Martin Bentz benennt etwas „Sensationelles“ als positive Folge der Hygienemaßnahmen in den Zeiten der Pandemie: „Wir haben in diesem Winter am Städtischen Klinikum keinen einzigen Influenza-Patienten.“ Das hat der Chef der Infektionsstationen in 16 Jahren nicht erlebt. Sonst habe man für Grippe-Patienten zu dieser Jahreszeit eine Station mit sechs bis zwölf Betten vorzuhalten.

Bentz betont die Unwägbarkeiten in der Pandemie und damit verknüpft ständiges Dazulernen. „Es ändert sich vieles sehr schnell.“ Vor zwei Wochen sei er wegen der Virus-Mutationen noch gelassen gewesen, vor einer Woche besorgt und jetzt alarmiert. „Noch wissen wir wenig“ über die Wirkung der Mutationen mit der großen Verbreitungsdynamik, „das macht die Sache so schwierig“.

Deshalb sei es sehr wichtig, die Infektionszahlen durch den Lockdown drastisch zu senken. Nur so könnten laut Geißler jetzt noch „verheerende“ Pandemiezustände wie in England und Portugal sowie ganz aktuell in Tirol und Tschechien hierzulande vermieden werden. Noch machten die Mutanten in Baden wohl nur rund fünf Prozent der Corona-Infektionen aus.

Es sei größte Vorsicht geboten, dass daraus nicht ganz schnell wie in Nordostbayern über 50 Prozent werden, „sonst bekommen wir das nicht mehr eingefangen“. Geißler sieht deshalb auch Probleme im Elsass, weshalb auch hier die Grenzschließung drohen könne.

Ein Ende des Lockdowns befürwortet Geißler nur, wenn der Inzidenzwert im freien Fall und nicht wie derzeit in Trippelschritten bei 35 ankommt. Nur so könne man sicher sein, dass die Pandemie wirklich abebbt und nicht beim Öffnen des gesellschaftlichen Lebens neu losbricht.

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