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Taschen flogen durch die Luft

Ein kleiner Tornado in Karlsruhe? Windhose fegt durch die Günther-Klotz-Anlage

Ein Staubteufel ist am Sonntag durch die Günther-Klotz-Anlage gezogen und hat Sportmatten und Kleidung in die Luft gewirbelt. Das Phänomen kommt meist eher im Hochsommer vor.

Rund 30 Sekunden zog eine kleine Windhose durch die Günther-Klotz-Anlage und brachte dabei sogar Fahrräder zum Wackeln. Foto: Fabian Trapp

In der Günther-Klotz-Anlage hat am Sonntagnachmittag eine kleine Windhose – von Wissenschaftlern Staubteufel genannt – für Aufregung gesorgt. In den sozialen Medien gibt es Bilder und Videos von dem Naturschauspiel.

Der Wind hatte genug Kraft, um Kleidungsstücke und Taschen durch die Luft zu wirbeln, selbst Fahrräder wackelten. Für rund 30 Sekunden zog der etwa fünf Meter hohe Staubteufel vom Basketballplatz quer über den Rasen vor dem Mount Klotz, ehe er sich an einem Baum in Richtung Alb auflöste.

Jasmin Unterweger hat den Staubteufel bei seiner Entstehung beobachtet. Die junge Frau saß am Fuß des Hügels, bei strahlendem Sonnenschein habe sich überhaupt nichts angedeutet. Sie beschreibt, wie sich auf dem Basketballplatz zunächst plötzlich Sand und Blätter im Kreis drehten.

Dann ging alles sehr schnell. Der Staubteufel wuchs in die Höhe, bewegte sich direkt auf Unterweger und ihre Begleiter zu. „Wir haben uns auf den Boden geworfen, die Luft angehalten und die Augen zugemacht“, beschreibt die junge Frau die Situation.

Den Winddruck habe sie deutlich gespürt. Ihre Sportmatte wurde in den Strudel gezogen, auch Taschen und ein Kartenspiel flogen durch die Luft. „Kinder haben uns noch eine Stunde später einige Karten zurückgebracht“, erzählt sie im Rückblick schmunzelnd.

Das war wie ein kleiner Wirbelsturm.
Eileen Wellmann, Besucherin der Günther-Klotz-Anlage

Komplett ist das Kartenset allerdings nicht. „Ich habe noch eine grüne Fünf in meinem Fahrradkorb gefunden“, berichtet Eileen Wellmann, die am Sonntag rund 20 Meter entfernt von Unterweger auf dem Rasen saß. Es sei wie im Film gewesen, so ihre Schilderung. Die Gruppe spielte eine Partie Wikingerschach, als der Staubteufel entstand. „Das war wie ein kleiner Wirbelsturm“, erzählt Wellmann.

Staubteufel wie der in Karlsruhe kommen häufig vor

In seiner Entstehung hat der Staubteufel allerdings nichts mit seinen „großen Brüdern“ gemeinsam, erklärt Klimaforscher Michael Kunz vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Staubteufel sind kein seltenes Phänomen. Meist entstehen sie eher im Hochsommer bei großer Hitze.

„Das ist ein ähnliches Prinzip wie bei einem Badewannen-Wirbel“, erklärt der Experte. Ein kleiner Wirbel konzentriere sich auf einem engen Raum, dabei nehme die Geschwindigkeit zu. Am Sonntag war es relativ windig mit Böen, vermutlich habe das bei der Entstehung des Staubteufels eine Rolle gespielt. „Ich habe am selben Tag einen auf einem Acker beobachtet“, so Kunz.

Mit dem Klimawandel habe das Naturschauspiel in seiner Entstehung nichts zu tun. Dass es überhaupt auffällt, allerdings teilweise schon. „Aktuell ist es extrem trocken. Deshalb machen Sand oder Dreck den Staubteufel sichtbar.“

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