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Ergänzung zum Mobilfunkvertrag

Funknetze in Karlsruhe werden häufig genutzt

Die ersten Mobilfunk-Anbieter bringen echte Flatrates für Daten auf den Markt. Braucht man also bald keine öffentlichen WLAN-Netze mehr? Experten aus Karlsruhe glauben das nicht.

Offen für jeden: Ins öffentliche Karlsruher Funknetz kann man sich an verschiedenen Stellen der Stadt mit einem Klick einwählen. Foto: Jörg Donecker

Wer in seinem Smartphone die gespeicherten Netzwerke prüft, findet häufig eine lange Liste. Die Funknetze (WLAN) von Einzelhändlern stehen unter dem des Arbeitgebers, des Hotels aus dem letzten Urlaub, des Lieblingsrestaurants oder den öffentlichen Netzen besuchter Städte wie Karlsruhe.

Viele Menschen schauen Videos, stöbern in den sozialen Medien oder surfen im Internet wo immer es möglich ist über kostenfreie Angebote, um das monatliche Datenvolumen ihres Mobilfunk-Vertrags nicht zu überschreiten.

Die Nutzerzahlen vieler öffentlicher Netzwerke steigen seit Jahren. Ein Abflachen des Trends ist nicht in Sicht, auch wenn die Datenpakete in vielen Handy-Verträgen größer oder günstiger werden.

Funknetz in der Stadt wächst weiter

Im Funknetz „KA-WLAN“ ist das deutlich zu spüren. Das Angebot startete im Mai 2014. Innerhalb von gut zwei Jahren hatten sich rund 70.000 Menschen registriert. Seit September 2016 ist das nur noch für das verschlüsselte „KA-sWLAN“ Pflicht, trotzdem kamen seitdem jährlich rund 10.000 weitere Nutzer dazu. 2019 knackte man die 100.000er-Grenze, obwohl rund 80 Prozent der monatlichen Nutzer ohne Anmeldung surfen.

„Unser WLAN hat Zukunft“, ist Bernd Strehhuber aus dem Vorstand des Betreibervereins Inka überzeugt. „Die Nachfrage ist da. Deshalb bauen wir auch die Infrastruktur weiter aus.“ Jährlich wächst das Netz um zehn bis 15 Prozent.

„Aber wir wollen gar nicht flächendeckend vertreten sein. Es geht um Orte, an denen viele Menschen zusammenkommen“, sagt Carolin Engel, die sich im Wissenschaftsbüro der Stadt um das Projekt kümmert.

Studierende nutzen die Angebote besonders intensiv

„Solange es Volumen-Beschränkungen gibt, lohnt sich kostenloses WLAN für viele“, erklärt Roland Bless, stellvertretender Leiter des Instituts für Telematik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Erst wenn der Ausbau der Netze voranschreite und die Entwicklung der Tarife hin zu einer günstigen echten Flatrate gehe, könne sich das ändern.

Größere Datenpakete im Mobilfunk reichen laut dem Experten dafür hingegen nicht aus. „Durch die immer schnelleren Geschwindigkeiten machen die Menschen Dinge, die vorher nicht möglich waren. Sie schauen zum Beispiel Videos auf dem Handy in HD“, sagt Bless. „Das ist ein Killer. Da wäre das Volumen aus dem Vertrag schnell weg, also greift man aufs WLAN zurück.“

Besonders intensiv tun das am KIT die Studierenden, bestätigt Wilhelm Fries. Seit 1999 betreut er das WLAN der Hochschule. „Am Anfang war es für viele schön, dass es da war.“ Heute werde es erwartet. Die Anforderungen sind dabei seit den Kindertagen des KIT-Funknetzes rasant gestiegen.

Abgerufen werden längst nicht nur wissenschaftliche Texte oder Informationen für das Studium. „Wir hatten zum Beispiel bei der letzten Fußball-EM sprunghaft gestiegene Datenmengen. Auch Streamingdienste spielen eine Rolle“, sagt Fries. In manchen Studentenwohnheimen gebe es schon keine TV- oder Internet-Anschlüsse mehr – alles gehe über das Funknetz.

Lockdowns machen sich auch im öffentlichen WLAN bemerkbar

Studierende sind seit Jahren auch unter den Nutzern des „KA-WLAN“ eine große Gruppe, das fällt zu Corona-Zeiten besonders auf. „Es sind längst nicht alle in der Stadt, das spüren wir deutlich“, sagt Strehhuber.

Die Pandemie und insbesondere der erste und zweite Lockdown machen sich in den Zahlen bemerkbar. Die abgerufene Datenmenge hatte sich im Funknetz zuletzt im Vergleich zum Vorjahresmonat fast halbiert. „Das ist ganz klar auf Corona zurückzuführen“, sagt Engel.

Das Ende der öffentlichen, kostenlosen Funknetze sieht Experte Roland Bless selbst mittelfristig noch nicht kommen – im Gegenteil. „Die beiden Technologien lassen sich kombinieren. In Zukunft werden also zeitgleich Daten über das Mobilfunknetz und über WLAN abgerufen, wo es möglich ist.“

Da auch die Kapazität der Mobilfunknetze beschränkt sei, biete sich das vor allem an belebten Orten an. „Funknetze sind in ihrer Reichweite sehr eingeschränkt, aber sie können Entlastung schaffen.“

Zurückgehen wird die bevorzugte WLAN-Nutzung durch steigende mobile Datenvolumen voraussichtlich nur dort, wo sich Menschen selten aufhalten und keine großen Mengen abrufen – also im ein oder anderen Geschäft oder Restaurant. „Wenn die Daten ausreichen, wird man nicht jede Gelegenheit nutzen. Dann bleibt man einfach im Mobilfunk.“

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