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Gottesdienste in der Krise

Karlsruher Dekane verbreiten Hoffnung: „Weihnachten wird wesentlich“

Erfahrung mit der Live-Übertragung eines Gottesdienstes haben die geistlichen Oberhäupter der beiden großen christlichen Kirchen in Karlsruhe bereits während des Frühjahrs-Lockdowns an Ostern gesammelt. Da konnten sich nicht ahnen, dass sie Weihnachten erneut digital auftreten würden.

Live-Übertragung: Der Gottesdienst mit den drei Karlsruher Dekanen Hubert Streckert, Thomas Schalla und Martin Reppenhagen konnte am Heiligen Abend im Fernsehen angeschaut werden. Foto: Jörg Donecker

Der katholische Stadtdekan Hubert Streckert und sein evangelischer Kollege Thomas Schalla machten auch am Heiligen Abend aus dem Gebot der Kontaktreduzierung eine Tugend.

Weil beim ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Stadtkirche St. Stephan nur wenige Besucher erlaubt waren, wurde gemeinsam mit Dekan Martin Reppenhagen vom Evangelischen Kirchenbezirk Karlsruhe-Land vom regionalen Fernsehsender Baden TV in die Wohnzimmer der Karlsruher übertragen.

“Das Regime Corona beherrscht derzeit alles. Und was heute noch richtig erscheint, ist im Rückblick morgen schon falsch“, sagte Reppenhagen Weihnachten müsse aber trotzdem gefeiert werden. Nach neun Monaten in der Pandemie gehe nämlich vielen Menschen die Puste aus und deshalb sei das Kind in der Krippe ein wichtiges Zeichen der Hoffnung.

So massiv und wuchtig wie in diesem Jahr war der Ernst der Lage auf der ganzen Welt während meines Lebens aber noch nie.
Hubert Streckert, Katholischer Stadtdekan

Weihnachten werde seit jeher von Naturkatastrophen, Gewalt, Krieg und Machtmissbrauch überschattet, sagte Hubert Streckert bei seiner Predigt am Ersten Weihnachtsfeiertag. Vor fünf Jahren war die Ankunft von Tausenden Geflüchteten in Deutschland das zentrale Thema in vielen Predigten, vor vier Jahren der terroristische Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt. „So massiv und wuchtig wie in diesem Jahr war der Ernst der Lage auf der ganzen Welt während meines Lebens aber noch nie“, so Streckert.

Fast alle weihnachtliche Rituale wie Shoppingtouren im Advent, gemeinsame Besuche des Weihnachtsmarkts oder die großen Familienzusammenkünfte an den Feiertagen seien von der Pandemie über Bord gespült werden. Trotzdem berge die Krise für die Christen auch eine Chance, und durch den Verzicht könnten sich die Menschen wieder auf die eigentliche Botschaft des Festes besinnen. „Weihnachten wir wesentlich“, betont Streckert.

„Weihnachten ist die Zeit der Hoffnung“

„Weihnachten ist die Zeit der Hoffnung“, sagte auch Schalla bei seiner Predigt am Freitag. Und vielleicht sei in den vergangenen Jahrzehnten genau aus diesem Grund noch nie so viel Weihnacht gewesen wie in diesen Tagen. Die Welt brenne an vielen verschiedenen Orten, so Schalla.

Europa tue sich schwer, einen Weg durch die Pandemie zu finden, andernorts komme noch Hunger und Gewalt dazu sowie Terroranschläge, Menschen, die auf Fluchtrouten über das Mittelmeer ertrinken, oder Autokraten, die ihr Volk knechten. „Die Hoffnungslosigkeit ist in diesen Wochen besonders schwer zu ertragen“, so Schalla. Aber Weihnachten mache Raum für die Solidarität mit denen, die weltweit unter Unrecht und Gewalt leiden müssten.

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