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Werbeaktion nur für Innenstadt

Karlsruher Supermärkte sind am Samstag voll – kleinere Händler fühlen sich doppelt benachteiligt

In Karlsruher Supermärkten mit Sondersortiment drängt sich am Fastnachtssamstag wieder die Kundschaft. Einzelhändler, die der Lockdown voll trifft, knirschen weiter mit den Zähnen. Insbesondere in den B-Zentren.

Wegen der Corona-Pandemie sind zahlreiche Geschäfte geschlossen. Kleinere Händler in Karlsruhe beklagen, dass Kunden stattdessen ihre gesamten Einkäufe in größeren Warenhäusern erledigen, die offen haben dürfen. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Lebensmittel im Erdgeschoss, ein Stockwerk höher Taschen und Rucksäcke, Mode und Bettwäsche, Papier- und Lederwaren, Spielzeug, Dekorationsartikel und Geschenke: Der Scheck-In-Markt in Durlach darf der Kundschaft im Lockdown sein komplettes Angebot zugänglich machen. Schon früh am sonnigen Fastnachtssamstag gibt es viel Kommen und Gehen im Eingangsbereich. Gleiches gilt wenig später auch für die großen Drogeriemärkte in der Kaiserstraße und andere vergleichbare Geschäfte in Karlsruhe.

Was ich hier bekommen kann, nehme ich mit.
Christine Bräuer, Rentnerin aus Grötzingen

Unterschiedliche Wege gehen die Menschen, die in der Stadt wohnen oder zum Einkaufen dorthin fahren. Einige haben ihre Kaufgewohnheiten umgestellt, andere berührt der Lockdown dabei nicht. Christine Bräuer, Rentnerin aus Grötzingen, vermisst es, in Durlach Schuhe anzuprobieren oder sich eine neue Tasche zu kaufen. Im Sondersortiment des Supermarkts am Weiherhof deckt sie sich aber regelmäßig ein. „Was ich hier bekommen kann, nehme ich mit“, sagt sie, zuletzt Socken, eine Plastikdose, Servietten und Kerzen. Gleichzeitig bedauert sie: „Es tut mir leid, dass es in der Durlacher Fußgängerzone so ausgestorben ist.“

Stöbern ist den Menschen wichtig

Tobias ist 25 Jahre alt, Informatiker und am Samstagvormittag trotz Schneeglätte vom Geigersberg in die Durlacher Mitte geradelt, um einzukaufen. „Wenn ich etwas besonderes gebraucht habe, meistens Elektronik wie ein USB-Kabel, bestelle ich es seit November, Dezember meistens online nach Hause“, sagt er.

Die junge Mutter Silvia ist mit Kinderwagen unterwegs und überlegt sich jetzt im Lockdown jeden Weg genau. Eine hölzerne Ente auf Rädern fürs Söhnchen Mattis hat sie im Einzelhandel bestellt und abgeholt. Genauso kauft sie Bücher, „damit es die Läden nachher auch noch gibt“.

Karin, Jahrgang 1944, besorgt in dem Supermarkt am Weiherhof „hauptsächlich Lebensmittel“, weiß aber genau, wann sie davon abgewichen ist. Sie suchte eine Spielzeugfigur auf einem Mountainbike, weil das Geburtstagsgeschenk für ihren Mann ein neues Fahrrad war. „Hier konnte ich selber die Regale durchforsten“, erklärt sie.

Ich fühle mich im Stich gelassen von der Regierung.
Sonja Volkmann, Durlacher Geschäftsinhaberin

Im Spielzeugladen „Bunter Hund“ von Sonja Volkmann und Petra Debatin, zwei Fußminuten entfernt, ist solches Stöbern seit Mitte Dezember nicht möglich. Das bringt die beiden Inhaberinnen auf. „Ich fühle mich im Stich gelassen von der Regierung“, sagt Volkmann und deutet auf einen Luftreiniger, den die Durlacher Geschäftsfrauen installiert haben.

So sah es im Dezember vor dem erneuten Lockdown in der Karlsruher Innenstadt aus. Einige Anbieter dürfen weiterhin ihr volles Sortiment anbieten. Dorthin strömen dementsprechend viele Kunden. Foto: Jörg Donecker

„Wir halten alles ein, trotzdem wird uns verwehrt, unsere Kunden einzulassen.“ Derweil vergrößerten Scheck-In, Müller und andere Drogeriemärkte ihre Flächen und dürften alles ein- und verkaufen. „Da stehen die Kunden dann Schulter an Schulter.“

Information kommt nicht gegen Verunsicherung an

Blaue Papiertüten neben der Ladentür zeigen, wie es dagegen im Einzelhandel läuft. „Wir müssen unsere Kunden an der Tür abfertigen“, beklagt Volkmann. Sie stört sich auch am Begriff Click&Collect. „Das verstehen viele falsch“, sagt die Spielwaren-Fachfrau. Dabei könne man ja tatsächlich einfach anrufen.

Die Verunsicherung sei immens. Am Schaufenster klebt groß, dass das Team im „Bunten Hund“ parat steht und Spielzeug verkauft. „Trotzdem sagten mir zwei Frauen an der Tür, sie fänden es so schade, dass wir nicht verkaufen“, berichtet Sonja Volkmann.

Werbekampagne soll Menschen in die Innenstadt locken – und nur dorthin

Als wäre die Schieflage in der Konkurrenz nicht schon groß genug, machen auch noch die City Initiative Karlsruhe und die städtische Gesellschaft Karlsruhe Marketing und Event Händlern in den B-Zentren Durlach und Mühlburg das Leben schwer. Die jüngsten Initiativen der beiden Organisationen zur Unterstützung des Einzelhandels in der Vorweihnachtszeit richteten den Fokus allein auf die Karlsruher Innenstadt.

Der Ortschaftsrat Durlach kritisiert das scharf. Alle Fraktionen des Gremiums holten das Thema per Antrag auf die Tagesordnung. Die Stadt teilte daraufhin mit, das Amt für Stadtentwicklung und die Wirtschaftsförderung bereiteten für die Förderung der B-Zentren Durlach und Mühlburg derzeit ein Beteiligungsverfahren vor mit dem Ziel, „geeignete Maßnahmen“ vorzubereiten.

Dabei solle ein externes Fachbüro mitwirken. Die Umsetzung sei für Anfang 2021 vorgesehen. Voraussichtlich 120.000 Euro stünden zur Verfügung. Das Geld stammt aus Parkgebühren, die eingehen, seit das kostenlose Kurzzeitparken per „Brötchentaste“ abgeschafft ist.

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