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Feiern, wenn Karlsruher Clubs geschlossen sind

Polizei will Partys am Karlsruher Albufer und in Waldhütten stärker kontrollieren

Weil Clubs und Bars geschlossen sind, feiern viele junge Leute im Freien. Problematische Party-Hotspots oder extreme Corona-Feiern gibt es in Karlsruhe bislang nicht - aber deutlich mehr Beschwerden.

Vorglühen: Der Junggesellenabschied von Christian Lengenfelder (Zweiter von rechts) begann mit einigen kühlen Getränken am Albufer. Foto: Joerg Donecker

Mit angeklebtem Schnauzbart und schwarzem Hut auf dem Kopf spaziert Christian Lengenfelder am Albufer entlang. In einem schwarzen Stoffbeutel mit dem Aufdruck „Das wars“ hat er jede Menge Spaßgetränke und anderen Schabernack.

Weil Lengenfelder Ende Juli heiratet, haben drei seiner besten Freunde einen Junggesellenabschied organisiert. „Ich habe keine Ahnung, wo wir heute noch überall hingehen“, sagt Lengenfelder. Aber das Vorglühen mit einer Dose Bier und einem Schnaps geht auf jeden Fall zwischen Günther-Klotz-Anlage und dem Biergarten Kühler Krug über die Bühne.

Lengenfelder und seine drei Kumpels sind an diesem Samstag nicht die Einzigen, die sich am Albufer zum Trinken treffen. Nur wenige Meter entfernt sitzen zwei junge Männer mit einem Bier am Ufer, bei der Albkapelle haben sich mehrere Jugendliche mit Alkopops versammelt und südlich von Beiertheim haben drei Frauen sogar eine Bank ins Wasser gestellt.

Wer sich umsieht, entdeckt auch die Reste von vergangenen Partys. Ein leeres Fünf-Liter-Bierfass steht auf einem Mülleimer und auf Höhe des Sportvereins KETV liegt ein Einkaufswagen im Wasser.

Polizei hat die Partyszene im Blick

Dass bei schönem Wetter an der Alb mitunter kräftig gefeiert wird, ist auch der Polizei bekannt. „An lauen Sommernächten treffen sich dort vor allem junge Leute. Eine Häufung von Problemen konnten wir in diesem Bereich aber nicht feststellen“, sagt Florian Herr vom Polizeipräsidium Karlsruhe.

Dass sich Menschen den Sommer über im Freien treffen, sei auch völlig normal und seit den jüngsten Lockerungen während der Corona-Krise wieder erlaubt.

Abkühlung: Auf einer Bank im Albwasser feiert eine Familie den Geburtstag von Sara (Mitte). Foto: Jörg Donecker

Immer wieder schlagen die Feiernden dabei aber über die Stränge. In den vergangenen Wochen gingen bei der Polizei mehr Beschwerden ein als in den Vorjahren. Das hängt nach Herrs Einschätzung vor allem damit zusammen, dass derzeit Alternativen Mangelware sind.

Clubs und Kneipen seien schließlich noch geschlossen, und deshalb suchten sich junge Menschen andere Orte zum Feiern. Einen„Party-Hotspot“ hat die Polizei aber nicht ausgemacht. Meistens seien die Leute in Kleingruppen von maximal 20 Personen unterwegs.

Anwohner sind genervt von Feiern auf Edeltrudtunnel

Deutlich weniger gesittet geht es nur wenige Meter vom Albufer entfernt zu. Die Grünfläche auf dem Edeltrudtunnel über der Südtangente ist seit einigen Jahren ein beliebter Treffpunkt von Jugendlichen. „Bei schönem Wetter geht hier regelmäßig die Post ab. Da werden bis zum frühen Morgen Partys mit lauter Musik gefeiert“, beschreibt Johannes Hucke das Problem.

Obwohl er ins einem Wohnhaus in Bulach doppelverglaste Fenster hat, wird Hucke vom feiernden Partyvolk regelmäßig aus dem Schlaf gerissen. „Meinen Nachbarn geht es nicht besser“, sagt der Autor mehrerer Bücher.

Obwohl er sich schon mehrfach an Polizei und Ordnungsamt gewandt hat, habe sich an der Situation nichts geändert. „Ich will den jungen Leuten ja nicht das Feiern verbieten“, betont Hucke. „Aber es muss dabei ja nicht die ganze Nacht gelärmt werden.”

Die Stadtverwaltung fühlt sich für solche Beschwerden nicht zuständig. „Unsere Leute sind nur bis 22 Uhr unterwegs. Da haben viele Jugendliche noch nicht mit dem Feiern angefangen“, sagt Ute Donisi vom Ordnungsamt. Nächtliche Kontrollen seien Sache der Polizei.

Tagsüber gehen die Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes aber in stark frequentierten Orten wie der Günther-Klotz-Anlage, dem Otto-Dullenkopf-Park oder dem Stadtpark Südost auf Streife. „Es sind wieder mehr Leute unterwegs als im Frühjahr“, sagt Donisi. Von Corona-Partys oder einer neu formierten Partyszene habe der Ordnungsdienst bislang aber nichts bemerkt.

Jugendliche verwüsteten Grillhütte im Bergwald

Probleme verursachen feiernde Jugendliche in diesem Sommer jedoch in den Waldgebieten um die Kernstadt. Wenn Förster Bernd Struck am Wochenende durch den Stadtwald streift, stößt er an Waldhütten und Grillplätzen fast jedes Mal auf die Überreste von Partys. „Dabei werden die Plätze komplett verwüstet“, berichtet Struck.

Bei der Ernst-Schilele-Hütte im Bergwald wurden Anfang Juli während eines nächtlichen Gelages nicht nur zahlreiche Flaschen zerbrochen, sondern auch die Fotovoltaik-Anlage und eine Dachrinne zerstört. „Bei solchem Vandalismus hört der Spaß auf“, stellt Struck klar.

Deshalb wollen Polizei und Forstleute die Hütten an den kommenden Wochenenden stärker kontrollieren. Bei kleineren Verstößen - wie etwa der Vermüllung des Waldes - droht den Feiernden ein Bußgeld. Bei größeren Verstößen wie der mutwilligen Zerstörung von öffentlichem Eigentum eine Anzeige.

Hütten und Grillplätze für die Öffentlichkeit zu sperren, hält Struck aber für die schlechteste Option. „Es kann nicht sein, dass wegen wenigen Unvernünftigen viele Vernünftige bestraft werden“, findet der Revierförster. Die Hütte an der Ruine Wolfartsweier wurde aber genau wegen des Fehlverhaltens von wenigen Vandalen bereits abgebaut.

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