Skip to main content

Bau im Jahr 2025 Richtung Ettlingen

Planung für Karlsruhes ersten Radschnellweg ist gestartet: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Das erste Stück Radschnellweg in Karlsruhe entsteht voraussichtlich im Jahr 2025. Die neue Infrastruktur für Radfahrer wird von der Weiherfeldbrücke über Rüppurrer Gemarkung nach Ettlingen führen. Das Land baut die Strecke in Kooperation mit beiden Städten.

Teamarbeit: Für den Radschnellweg, der Karlsruhe und Ettlingen verbinden soll, unterzeichneten an der Dreschhalle Rüppurr Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (Mitte), Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder und Ettlingens Oberbürgermeister Johannes Arnold den Vertrag, der die partnerschaftliche Planung besiegelt. Foto: Jörg Donecker

Fünf Kilometer Radschnellweg machen den Anfang: Zwischen Karlsruhe und Ettlingen baut das Land in Kooperation mit beiden Städten voraussichtlich im Jahr 2025 das erste Stück dieser neuen Infrastruktur für Radfahrer. Einzelne Teilabschnitte könnten auch früher fertig werden. Die gemeinsame Planung startet jetzt, Regie führt das Regierungspräsidium Karlsruhe.

Nur ein nordbadisches Radschnellweg-Projekt ist weiter

Damit wird die Strecke zwischen der Weiherfeldbrücke in Karlsruhe und dem Bahnhof Ettlingen West als zweites Vorhaben dieser Art angegangen. Weiter gediehen ist bisher nur der Radschnellweg Mannheim-Heidelberg, das badische Pilotprojekt des Landes.

Mit den Unterschriften unter der Planungsvereinbarung beginnt jetzt die Phase der konkreten Festlegung der Strecke. Dazu sammelt das Planerteam Fakten zu der Linienführung, die als Favorit aus der Machbarkeitsstudie des Regionalverbandes Mittlerer Oberrhein hervorgegangen ist, aber auch zu denkbaren Varianten.

Vor- und Nachteile diskutieren die Fachleute dabei auch mit den Bürgern. Dass die Debatte kontrovers geführt wird und Zündstoff vorhanden ist, zeigte sich schon beim offiziellen Starttermin am Donnerstag in den Rüppurrer Wiesen.

Bund fördert Radschnellweg zwischen Karlsruhe und Ettlingen

Mit Radschnellwegen will die Politik mehr Pendlerverkehr auf den Sattel verlagern. Im Durchschnitt werden 75 Prozent der Kosten für Planung und Bau der Strecken vom Bund getragen. Dem Bundesinnenministerium stehen dafür in der laufenden Förderperiode jährlich 25 Millionen Euro zur Verfügung. Die Summe soll ab 2021 verdoppelt werden.

Mit 3,6 Millionen Euro fördert der Bund insgesamt vier Radschnellwege im Südwesten, die Schätzungen zufolge täglich rund 13.200 Radler nutzen könnten. Gefördert wird neben den fünf Kilometern zwischen Karlsruhe und Ettlingen auch die 21 Kilometer lange Radschnellwegstrecke, die Karlsruhe und Rastatt verbinden soll.

Dort läuft die Abstimmung zwischen den Beteiligten. Nach der Sommerpause geht es weiter, auch dort werde die Planungsvereinbarung „in den nächsten Monaten” kommen, so Regierungspräsidentin Felder.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Projekt

Worum geht es?

100.000 Menschen pendeln täglich zur Arbeit nach Karlsruhe, 40.000 Karlsruher wiederum verlassen zum Arbeiten die Stadt. Davon steigen nur 3.500 Pendler aufs Fahrrad. Karlsruhe und Ettlingen wollen den Anteil der Radfahrer steigern, vor allem, damit es weniger Lärm, Abgase und verstopfte Straßen im Berufsverkehr gibt. Radschnellwege, die vier Meter breit und glatt asphaltiert sind, die wichtige Ziele direkt miteinander verbinden und Radfahrer möglichst wenig zum Stoppen zwingen, sollen das Umsteigen vom Auto aufs Fahrrad für Pendler attraktiv machen. Zwischen Karlsruhe und Ettlingen werden schon jetzt rund 4.000 Radler pro Tag gezählt. Mit Radschnellweg könnte sich ihre Zahl auf 8.000 verdoppeln.

Was kostet es?

Fünf Millionen Euro Baukosten für die fünf Radschnellweg-Kilometer zwischen Karlsruhe und Ettlingen veranschlagt das Regierungspräsidium Karlsruhe. Die erste Planungsphase kostet rund 400.000 Euro. Davon zahlt der Bund 300.000 Euro. Der Förderbescheid dafür erreichte die Karlsruher Regierungspräsidentin Sylvia Felder just zur Unterzeichnung der Planungsvereinbarung. Welche Summe für die zweite Planungsphase zu berappen ist, lässt sich erst aufgrund der Ergebnisse von Phase eins und der Entscheidung über die Streckenführung sagen. Jeweils etwa 13 Prozent der Kosten bleiben an den Städten Karlsruhe und Ettlingen hängen. Die Chance auf weitere Zuschüsse von Bund und Land ist dabei groß.

Wann geht es los?

Mindestens bis Ende 2021, wohl eher bis Anfang 2022 dauert die Sammlung aller planungsrelevanten Daten und Erkenntnisse. Dazu zählt auch die artenschutzrechtliche Untersuchung der Rüppurrer Wiesen, die einen kompletten Jahresverlauf dokumentiert. Liegen alle Fakten auf dem Tisch und sind sie diskutiert, einschließlich Bürgermeinungen, beginnt die detaillierte technische Planung für den Radschnellweg. Anschließend ist das Planfeststellungsverfahren zu absolvieren. Das Regierungspräsidium rechnet nach aktuellem Stand damit, dass der Bau des Radschnellwegs im Jahr 2025 beginnt.

Was sind die Erwartungen?

Fußgänger und Radfahrer wünschen sich, dass sie sich weniger gegenseitig in die Quere kommen. In den Rüppurrer Wiesen und weiter albabwärts im Dammerstock und an der Weiherfeldbrücke prallen schon jetzt Ansprüche und Bedürfnisse aufeinander. „Wir können mit unseren Kindern und ihren Laufrädern gar nicht mehr an die Alb gehen”, klagen zwei Frauen aus der Straße Links der Alb. Manchmal rasen Rad- und E-Bike-Fahrer durch das parkähnliche Grün, berichten sie. Viele kämen auch „zu schnell und nicht bremsbereit” von der Brückenpassage .

Weil Bund und Land erkleckliche Zuschüsse auch für die Anbindung des Radschnellwegs ans Wegenetz der Stadt zahlen, würde der teure Durchstich unter der Ettlinger Allee beim Schwarzwaldkreuz finanzierbar. Z wischen Südtangente und Eisenbahngleisen hätten dadurch Radfahrer freie Fahrt zum Rußweg Richtung Durlach im Osten.

Die Bürgervereine in Bulach, Beiertheim, Weiherfeld-Dammerstock, Oberreut und Grünwinkel setzen darauf, dass die Verhältnisse für Fußgänger und Radfahrer an der Weiherfeldbrücke und beim Stephanienbad besser geordnet werden. „Wir wollen beteiligt sein”, fordert Bulachs Bürgervereinsvorsitzender Andreas Bieberstein, sagt aber auch: „Qualität vor Geschwindigkeit.”

Was sagen die Kritiker?

Der Radschnellweg soll auch Klimazielen nützen, frisst aber unbestritten unversiegelten Boden und Grün. „Fläche ist in Karlsruhe nicht mehr übrig. Man muss sie jemandem wegnehmen”, sagt Matthias Becker, der als Landwirt in den Rüppurrer Wiesen Nahrungsmittel produziert und verkauft.

Landschafts- und Naturschutz, Naherholung und Hochwasserschutz sind mit den Rüppurrer Wiesen verknüpft. Sie stehen mindestens einmal pro Jahr unter Wasse als wichtige Überflutungsfläche bei Hochwasser in der Alb.

Für die Herrenalber Straße in Rüppurr wird derzeit diskutiert, sie bis spätestens 2025 unter anderem radfahrerfreundlich umzugestalten. Die Straße verläuft nur etwa 500 Meter westlich praktisch parallel zur bisher bevorzugten Radschnellwegführung.

nach oben Zurück zum Seitenanfang