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Täglich hohes Minus

Karlsruher Europabad hübscht sich in der Corona-Zwangspause auf

Das Karlsruher Europabad nutzt die Corona-Zwangspause, um zu sanieren, zu putzen und technische Anlagen zu warten. Auch Optimierungs- und Umbaupläne werden aus der Schublade geholt. Es gibt viel Arbeit, sagt Bäderchef Oliver Sternnagel. Doch durch jeden geschlossenen Tag fehlt Eintrittsgeld in fünfstelliger Höhe.

Alle Becken des Karlsruher Europabads sind derzeit leer – zum ersten Mal seit dem Bau. Foto: jodo

In den Eimern der Putzkräfte im Europabad ist derzeit mehr Wasser als in den Becken. Wo sonst 2,5 Millionen Liter für Badespaß sorgen, herrscht gähnende Leere. Zum ersten Mal seit der Eröffnung 2008 sind alle Becken, Rutschen, Filtertanks und Leitungen gleichzeitig trockengelegt.

Rund zehn Tage hat das gedauert. Eingestellt ist der Betrieb trotzdem nicht. Die Hälfte der 30 Angestellten kümmert sich um teils lange aufgeschobene Umbauten. Dazu sind mehrere Handwerksbetriebe im Bad aktiv.

Arbeiten für die Zukunft des Bades

„Wir haben jetzt Zeit, auch prophylaktisch zu arbeiten. Das sichert die Zukunft unseres Bades“, sagt Schichtleiterin Anja Küchel. Zu sehen ist das beim Gang durch das Gebäude an vielen Stellen – im Duschbereich, an den Rutschen, in der Sauna und im Keller.

Im Obergeschoss bei der Sauna-Umkleide haben Arbeiter die Bodenfliesen in den Frauen- und Männerduschen weggeschlagen. Geplant war das schon länger. Im Badebereich sind die meisten Duschen schon modernisiert. In der Corona-Zwangspause wird nun der Rest erledigt.

Saunaöfen sind ausgebaut

Viele Saunaöfen sind derzeit von der Last der darauf liegenden Steine befreit und stehen neben ihrer gemauerten Verkleidung. Aus den Öfen ragen Stromkabel heraus. „Die sind in der Revision“, erklärt Küchel.

Im Normalfall wird dafür im Zwei-Schicht-Betrieb während der jährlichen fünftägigen Schließzeit gearbeitet. Jetzt geht das etwas stressfreier über die Bühne.

Ein ähnliches Bild bietet sich einige Schritte weiter in der Haupthalle. Drei Mitarbeiter schrubben die Fliesen, an einigen Stellen wird kaputte Keramik ausgetauscht oder neu verfugt.

Vor einer besonderen Herausforderung steht die Firma, die sich um die Wildwasserrutsche kümmert. „Die wird komplett abgeschliffen und neu lackiert“, erklärt Bäderchef Oliver Sternagel. „Das dauert allein zwei Wochen und ist eine Höllenarbeit.“

Besonders viel Betrieb herrscht im Keller

Die Mitarbeiter können dabei ihre Stärken einbringen, erklärt Anja Küchel. Das soll helfen, die Laune oben zu halten. Wer lieber malt als putzt, kümmert sich um den nächsten Anstrich. Ein Saunameister erneuert ob seiner zurückliegenden Schreinerausbildung die Sitzgelegenheiten im Außenbereich.

Immer aktuell:

Besonders viel zu tun ist dort, wo Besucher nie hinkommen: Im Keller sind die verschiedenen Wasserkreisläufe still- und die riesigen Filterkessel trockengelegt. „Das ist eine Gelegenheit, da mal reinzuschauen“, erklärt Sternagel.

Mehrere Arbeiter schrauben und ziehen neue Kabel. Am Ende des langen Ganges schweigen auch die Pumpen, die sonst mit viel Druck Wasser in die verschiedenen Rutschen pressen. Ein Auffangbecken, in dem das Wasser inklusive dort verlorener Brillen, Badelatschen und sogar Zähne zusammenläuft, ist komplett leer.

To-Do-Liste wird abgearbeitet

„Vieles was wir jetzt tun, lässt sich im Normalbetrieb oder sogar in der recht kurzen Revisionszeit nicht machen“, erklärt Küchel. Das Bad sei mittlerweile im 13. Betriebsjahr, Optimierungen an der Tagesordnung, ergänzt Sternagel.

„In der Schublade haben wir ohnehin viele Vorhaben. Zum Beispiel um Normen zu entsprechen, die sich geändert haben. Die Sachen werden jetzt so gut es geht abgearbeitet.“

Das jetzt zerstört unsere Saison
Oliver Sternagel, Geschäftsführer Bäderbetriebe Karlsruhe

Allem positiven Denken zum Trotz kostet die Corona-Sperre allein das Europabad jeden Tag viel Geld. Man habe einen rekordverdächtigen Januar und Februar erlebt, berichtet Sternagel. „Das jetzt zerstört unsere Saison.“

Zwischen 800 und 2.500 Menschen strömen eigentlich zu dieser Jahreszeit pro Tag in das größte Bad der Region. „Durch einen geschlossenen Monat entgehen uns rund 500.000 Euro nur an Eintrittsgeld“, rechnet Sternagel vor.

Das Personal arbeitet derzeit nur noch in einer Schicht. Viele bauen Überstunden und Urlaubstage ab, drei sind an die städtische Corona-Hotline abgestellt.

Noch kein Gedanke an die Wiedereröffnung

Über Termine für eine mögliche Wiedereröffnung will Sternagel noch nicht nachdenken. „Das wird aber sicher nicht so plötzlich kommen wie die Schließungsanordnung“, mutmaßt er. Im Europabad wäre das ohnehin nicht möglich.

Bis alle Becken wieder mit Wasser gefüllt sind und das auf die gewünschte Temperatur gebracht ist, braucht es einige Tage. Doch selbst wenn der Betrieb wieder anläuft, rechnet man bei den Bäderbetrieben nicht mit einem „weiter wie bisher“. „Die Komfortzone der Menschen wird sich sicher verändern, zum Beispiel was die Abstände in der Sauna angeht“, sagen Sternagel und Küchel.

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