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SPD-Gemeinderätin scheidet aus

Gretel Frenzel ist Frau der ersten Stunde in Dettenheim

Selbstbewusst in klaren und treffenden Worten argumentierend erlebt man Gretel Frenzel seit Jahrzehnten in ihrem kommunalpolitischen Wirken. Nun wird die Dettenheimerin zum 1. März aus dem Gemeinderat ausscheiden.

Mehr Zeit fürs Private: Gretel Frenzel wird den Dettenheimer Gemeinderat zum 1. März verlassen. Mit einer Unterbrechung saß sie 34 Jahre in Reihen der SPD-Fraktion im Gremium. Foto: Alexander Werner

Das Gremium stimmt in seiner Sitzung an diesem Dienstag formal über ihren Antrag ab. „Ich bin 70 Jahre alt und denke, dass ich das Ehrenamt lange genug ausgeübt habe“, resümiert die SPD-Politikerin gegenüber den BNN. Ihr persönlicher Leitspruch sei immer gewesen: „Ich möchte das Umfeld, in dem ich lebe, mitgestalten. Ich hoffe, dass mir das in etwa gelungen ist.“

Insgesamt gehört Gretel Frenzel dem Gemeinderat 34 Jahre an. Ihre erste Ratsphase dauerte von 1975 bis 2002. Damals schied sie aus familiären Gründe und wegen ihres Amtsantritts als Schulrätin im Staatlichen Schulamt aus. Zuvor war sie Rektorin der Philippsburger Grund- und Hauptschule. „Politik interessierte mich schon immer. Deshalb habe ich das Fach studiert“, blickt die Liedolsheimerin zurück.

Sie erinnert sich gut dran, wie sie im Alter von 17 Jahren der Widerstand gegen die im Ort sehr starke NPD motivierte. Mit 22 Jahren trat sie in die SPD ein. 1974 wurde sie Mitglied im Landesvorstand und gehörte später zehn Jahre lang dem Kreisvorstand an. „Für mich kam nur diese Partei in Frage, weil sie für mich das verkörperte, was ich immer anstrebte: soziale Gerechtigkeit“, betont Gretel Frenzel.

Sitzungen wurden unpersönlicher

Im SPD-Ortsverein Liedolsheim war sie seit jeher im Vorstand. 1975 zog sie als einzige Frau in den ersten Dettenheimer – damals noch Liedolsheim-Rußheimer – Gemeinderat ein. Das Besondere dabei war auch, dass in den jetzigen Ortsteilen zuvor noch nie eine Frau im Gremium saß. „Die Männer reagierten sehr interessant. Die einen sahen mich als eine Rosa Luxemburg, andere als quasi nur schmückenden Buchsbaum, andere als roten Scharfzahn“, beschreibt sie es mit Humor.

Bald aber sei sie akzeptiert worden. Damals habe man zusammenfinden müssen. Es sei stets noch viel in Nachsitzungen diskutiert und geklärt worden. Solche Nachgänge gebe es nicht mehr. Es sei unpersönlicher geworden, stellt sie fest. Getagt worden sei damals alle 14 Tage und noch ohne Ausschüsse. Die Themen aber seien heute komplexer, die Anforderungen und Vorbereitungen im Gremium und in der Fraktion aufwändiger geworden.

1999 erhielt Gretel Frenzel das Bundesverdienstkreuz, auch für ihr Engagement für den „Konvoi der Hoffnung“. Den Verein hatte sie 1990 zum Zweck der Hilfe für Kroatien und Bosnien gegründet und bis 2002 als Vorsitzende geleitet. Sehr gefreut habe sie 1999 auch, als sie als eine von 100 „Normalbürgern“ vom Bundespräsidenten zum Staatsakt zu 50 Jahre Bundesrepublik in Berlin eingeladen worden sei, sagt Gretel Frenzel.

Engagement in der Flüchtlingshilfe bleibt

2013 ging sie aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand. Danach engagierte sie sich als Sprecherin der Dettenheimer Flüchtlingshilfe und erhielt auch dafür eine Einladung vom Bundespräsidenten. 2014 nahm sie ihre Ratstätigkeit wieder auf. SPD-Fraktionsvorsitzende war sie schon länger ab 1975 und zuletzt wieder ab 2018.

Weniger gut sei im Rückblick, dass die Ortsteile in der langen Zeit nicht so zusammengefunden haben wie gewünscht, meint Frenzel. Immerhin sei es besser geworden. Bedauerlich sei, dass eine Ortsumfahrung Rußheims und die Erschließung des Gewerbegebiets „Mönchfeld“ noch nicht angegangen wurden.

Positiv vermerkt sie, dass wichtige Bauvorhaben wie die L602, die Querspange zur B36 oder der Rathausneubau verwirklicht wurden. Schade sei, dass ein gemeinsames Rettungszentrum bislang nicht durchsetzbar war. Im Kreistag, dem sie nach 1989 bis 2005 wieder seit 2009 angehört, wird Gretel Frenzel vorerst verbleiben. Weiterhin engagiert ist sie auch in der Flüchtlingshilfe.

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