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Problemfeld Hofübernahme

Familie aus Hockenheim träumt von Milchviehbetrieb - und findet keinen Hof

Eine junge Familie aus Hockenheim möchte einen Hof übernehmen - kein ganz leichtes Unterfangen. Über eine lange Suche, Absagen aus religiösen Gründen und die letzte Hoffnung.

Perpspektive Milchviehbetrieb: Noch ein Jahr gibt sich Familie Häfner aus Hockenheim, um einen geeigenten Hof zu finden. Foto: Bernd Wüstneck picture alliance/dpa

„Siegelhain“ heißt die Idylle, in der Andreas und Anja Häfner seit vier Jahren leben. Sie betreiben außerhalb von Hockenheim „Das kleine Pferdeparadies“, um sie herum nur sechs weitere Höfe, der Rhein ist in Sichtweite. Es könnte perfekt sein für Familie Häfner. Doch sie wollen ihr Pferdeparadies aufgeben.

„Es war klar, dass das für uns nur ein Übergang ist“, sagt Andreas Häfner (28). Ihr Traum ist ein Hof mit Milchviehbetrieb. Ihre Suche war bislang eine Geschichte mit verwahrlosten Kühen, überzogenen Preisen und absurden Absagen. Die Zeit drängt mittlerweile, die Pacht beim Pferdeparadies läuft aus. „Bis Ende nächsten Jahres – sonst ist die Landwirtschaft für uns erledigt“, sagt Anja Häfner (31).

Finanziell lohnen sich die Pläne kaum

Die Familie erzählt, was bislang schief ging und wie es doch noch klappen soll mit ihrem Lebenstraum. Den hatten sie vor Jahren aus einem schönen Grund aufgeschoben: Ihr Sohn war gerade geboren. „Bei einem Milchviehbetrieb wären wir da zu sehr eingebunden gewesen“, sagt Anja Häfner.

Jetzt sind sie bereit. Zehn bis 120 Hektar, Baden-Württemberg, die Anzahl der Kühe muss zu zweit zu stemmen sein. „60 Kühe, alle freuen sich, wenn du kommst“, schwärmt Andreas Häfner. Eine Kuh sei wie ein Hund. „Sie holt kein Stöckchen, aber schleckt dich auch ab.“

Milchvieh ist den Häfners noch lieber als eine Rindermast, weil sie so länger mit ihren Tieren zu tun haben. „Sie sind so dankbar, wenn man gut mit ihnen umgeht“, sagt Anja Häfner. „Das macht einfach Spaß.“ Beide haben sich auf den Höfen ihrer Eltern für die Landwirtschaft begeistert. Er war noch zu jung, als seine Eltern ihren Hof aufgaben. Sie hatte bei der Hof-Nachfolge gegenüber ihrem Bruder das Nachsehen. Nun suchen sie gemeinsam, auch wenn Andreas Häfner betont: „Vom Finanziellen her dürften wir uns keinen landwirtschaftlichen Betrieb suchen. Aber wir haben einen Narren dran gefressen.“

Viele Bauern machen den Hof lieber dicht, statt fremde Nachfolger zu nehmen

Einfacher wäre es da, wenn er in seinem gelernten Beruf als Schornsteinfeger arbeiten würde und sie im Einzelhandel. „Das wäre schade“, sagt Andreas Häfner. „Wir sind wissbegierig, wollen unbedingt einen Betrieb. Wir würden es gerne und gut machen.“ So wie jetzt bei ihrem „Pferdeparadies“ sollten die Menschen den Tieren nahe kommen dürfen.

Familie Häfner sucht einen Hof im Südwesten - die Pacht ihrer Wanderreitstation läuft aus. Foto: Privat/Häfner

„Die breite Gesellschaft weiß eigentlich nicht, wie es in der Landwirtschaft abgeht“, sagt Andreas Häfner. Teils liege das auch an Bauern, die gerne für sich sein wollten. „Das würden wir gerne öffnen.“ Seit zwei Jahren suchen sie intensiv. Nur Zeitungsanzeigen führten bisher zu Gesprächen. Aus 15 Kontakten wurden letztlich aber 15 Absagen.

Mittlerweile suchen sie auch in Rheinland-Pfalz und in Bayern, einmal sind sie 350 Kilometer für eine Besichtigung gefahren. „Oft war der Preis überzogen“, sagt Andreas Häfner. Ein funktionierender Betrieb koste schnell mal eine Million Euro aufwärts. „Unbezahlbar.“ Deshalb wollen sie eine Pacht oder eine Lösung mit Leibrente. Sie dürften den Hof bewirtschaften und zahlen ihrem Vorgänger eine monatliche Leistung.

Serie: Heimat, Höfe, Hoffnung

Idyllisches Landleben oder gnadenloses Business? Zukunftsfragen rund um Umweltschutz, Tierwohl oder Ernährungsgewohnheiten beschäftigen landwirtschaftliche Betriebe. Dünge-Verordnungen, Preis-Dumping und Bio-Trends: Die Höfe stehen unter Druck. Für die Landwirte geht es um ihre Existenz, ihr Familienerbe und gesellschaftliche Anforderungen. Welche Sorgen haben sie? Die BNN stellen einige Landwirte aus der Region um Karlsruhe vor – konventionell und biologisch, vom Milcherzeuger und Fleischproduzent bis hin zum Gemüsebauer – und lassen sie an dieser Stelle regelmäßig zu Wort kommen.

Nur ein verschwindend geringer Anteil der Höfe wird an Landwirte außerhalb der Familie übergeben. „Und das Problem ist, dass viele Betriebe einfach aufhören“, sagt Andreas Häfner. „Es ist relativ verhalten – ich dachte, dass eine Hofnachfolge eher gesucht wird“, ergänzt seine Frau.

Zankapfel Sonntagsarbeit

Wenn dann aber ein Landwirt abgeben wollte, hat es auch aus anderen Gründen nicht gepasst. „Oft hat es menschlich nicht harmoniert“, sagt Andreas Häfner. Bei einem Betrieb sahen sie Kühe mit langen Klauen und einen überforderten Landwirt. „Der Viehbestand war verwahrlost. Wir dachten, das darf doch nicht wahr sein.“

Während die Kühe im Stall hungrig muhten, wollte der Landwirt mit dem Ehepaar Häfner bei Kaffee und Kuchen über die Hofübergabe sprechen. „Das funktioniert dann menschlich nicht. Die Tiere stehen an vorderster Stelle.“ Lieber hätten sie in dem Moment eine Heugabel in die Hand genommen, sagt Andreas Häfner.

Die meisten haben Angst vor einer außerfamiliären Hofübergabe
Andreas Häfner

Manchen Landwirten stieß es auf, dass die Häfners auch sonntags arbeiten, keinen Ruhetag einlegen und auch den Gottesdienst im Dorf nicht besuchen würden. „Religion stand bei manchen an vorderster Stelle“, erklärt Anja Häfner. „Und diese Landwirte hätten gerne Nachfolger, die das ähnlich sehen wie sie.“

Aber dass sonntags nicht gearbeitet wird, kommt für sie nicht in Frage, wie Andreas Häfner betont: „Wir können nicht am Vortag doppelt Futter bereitstellen. Wir selbst kochen ja auch lieber frisch.“ Manche Landwirte haben sich aber auch bestens mit Häfners verstanden – um dann doch noch abzusagen. „Die meisten haben Angst vor einer außerfamiliären Hofübergabe“, sagt Andreas Häfner. „Wenn die Kinder nicht übernehmen, gibt es halt nichts mehr – bevor man Fremde auf den Hof nimmt.“

Anja Häfner klingt mittlerweile frustriert. „Es heißt immer, der Nachwuchs fehlt – aber die, die es machen wollen, bekommen nichts.“

Bei der Hofübergabe gibt es oft Enttäuschungen

Mit seinem Internetportal „Hof sucht Bauer“ bringt Christian Vieth abgebende und suchende Bauern zusammen. Er selbst hat außerfamiliär einen Hof übernommen. „Wenn es nicht funktioniert, gibt es dafür ganz unterschiedliche Gründe“, sagt Vieth. „Manchmal haben sich beide Seiten auch fachlich zu wenig mit dem Thema beschäftigt.“

Rechtlich gebe es einiges zu bedenken, daher rät er zu einer Beratung. „So eine Unternehmensübergabe findet in der Regel zweimal im Leben statt – dazwischen liegen 30 Jahre.“ Vieth sieht auch einen Druck für abgebende Landwirte. Wird öffentlich, dass sie ihren Hof veräußern wollen, gebe es in ihrem Umfeld oft eine hohe Nachfrage nach ihren landwirtschaftlichen Flächen – und dabei eben oft auch Enttäuschungen.

Auch würden sie bei Verpachtungen dann nicht mehr berücksichtigt werden. „Es heißt dann: Ihr wollt ja sowieso aufhören.“ Deswegen würden immer mehr Landwirte darauf verzichten, ihren Hof öffentlich anzubieten. Bis Ende kommenden Jahres geben sich die Häfners noch Zeit. „Wir sind im besten Alter, um etwas aufzubauen.“ Wenn sie keinen Hof haben, kümmert er sich um Schornsteine und sie sich um den Einzelhandel.

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