Skip to main content

Geteilte Meinungen zum Entwurf aus Rotterdam

Graben-Neudorf soll durch futuristische „Landschaftsbibliothek” endgültig zusammenwachsen

Die letzte freie Fläche zwischen Graben und Neudorf wird als „Neue Mitte” bebaut. Ein zentrales Gebäude soll die neue Gemeindebibliothek werden. Architekt Winy Maas aus Rotterdam hat einen futuristischen Entwurf dafür vorgelegt.

In die Umgebung eingepasst: Der Entwurf des niederländischen Architekten Winy Maas für die neue Gemeindebibliothek in Graben-Neudorf findet in der überarbeiten Ausführung viel Bewunderung. Foto: Architekten MVRDV

Die „Neue Mitte” gegenüber dem Rathaus in Graben-Neudorf soll sozusagen als krönenden Abschluss eine neue Bücherei bekommen, die weit mehr bieten soll als die Ausleihe von Lesestoff. Sie soll eine Begegnungsstätte mit vielerlei Angeboten werden, auch mit Gastronomie. Bürgermeister Christian Eheim ist begeistert, dass mit diesem durchaus aufsehenerregenden Projekt das Zusammenwachsen von Graben und Neudorf nach bald 50 Jahren seinen Höhepunkt erreicht.

Die Meinungen zum Entwurf des niederländischen Architekten Winy Maas sind geteilt. Die Diskussion war schon im Gemeinderat kontrovers, als die Pläne vorgestellt wurden. Was sagen die Menschen in der Gemeinde dazu?

„Das ist ein sehr futuristischer Entwurf”, meint Stefanie Brommer. Die junge Frau wohnt mit ihrer neunjährigen Tochter Kyara in Graben. Die Idee betrachtet sie als spannend, auch wenn sie sich noch keine abschließende Meinung zur Ausführung des Projekts gemacht hat. „Ich finde es grundsätzlich toll, dass wir mitten in Graben-Neudorf eine neue Bibliothek bekommen. Die Bücherei im Ort nutze ich mit meiner Tochter oft.” Sie sei sehr gespannt, wie die Entscheidung im Gemeinderat ausfällt.

Lesen die Graben-Neudorfer genug?

„Ich finde den Entwurf gut”, sagt Maria Hauer aus Philippsburg. Sie hat den Artikel über Pläne in der Bruchsaler BNN-Ausgabe gelesen. Ob das Gebäude so nach Graben-Neudorf passt, mag sie als Auswärtige nicht beurteilen. Aber: Sie werde die Entscheidung als eifrige BNN-Leserin aufmerksam verfolgen.

Ich habe Bedenken, dass die neue Bibliothek genutzt wird.
Rentner aus Graben-Neudorf

„Ich halte die Idee einer neuen Gemeindebücherei für gut”, sagt Helga Fischer. Sie ist in Graben geboren und wohnt in Neudorf, erzählt sie. Ja, fügt sie an, der Entwurf passe zu Graben-Neudorf. Es sei ja nicht schlecht, wenn man viel liest. „Ich frage mich, ob sich für unsere Gemeinde eine Bibliothek überhaupt lohnt”, sagt eine Frau aus Graben. Es werde doch kaum noch gelesen, meint sie. Die Bücher, die sie lesen möchte, kaufe sie sich.

„Das ist im Grunde eine gute Idee. Ich habe aber Bedenken, dass die neue Bibliothek genutzt wird”, sagt der Rentner, der mit seiner Frau gerade beim Einkaufen ist. Nein, sein Name sei nicht wichtig. Es gefalle ihm aber, dass etwas Neues gemacht werde, „das ein bisschen städtischen Zug in die Gemeinde reinbringt”.

Bürger sollen Ideen für Nutzung einbringen

Einige Menschen aus der Gemeinde haben in der Bürgerwerkstatt-Gruppe den ersten Entwurf des Architekten diskutiert und ihre Meinungen und Wünsche nach eifriger Diskussion formuliert. Diese wurden in den überarbeiteten Entwurf einbezogen. „Wir haben den Entwurf immer wieder modifiziert”, berichtet Christine Sohar, im Team von Winy Maas Projektleiterin für die Bibliothek und studierte Bauingenieurin und Architektin.

Die Treppenanlage könnte sich vielfältig, auch für kulturelle Ereignisse, nutzen lassen. Foto: Architekten MVRDV

„Wir wollen das Projekt mit den Menschen entwickeln, die es nutzen”, sagt Christian Eheim. „Wir haben dazu aufgerufen, Ideen und Vorstellungen einzubringen, die wir im Dialog mit den Bürgern in die Planung einfließen lassen wollen.”

Die Situation der Hauptstraße, die zwischen Mitte und Rathaus verläuft, sei ein wichtiges Thema, erläutert Sohar. Sie soll kein trennendes Element sein, sie müsse verkehrsberuhigt sein und soll verschwenkt werden. Das Gebäude soll das „Wohnzimmer” für die Gemeinde sein, in dessen Mitte die Bibliothek steht. Auf einer Ebene sollen viele Funktionen für Begegnungen, Veranstaltungen, Seminare, Gastronomie und weitere Möglichkeiten entstehen.

Eine erstaunliche Leichtigkeit des Seins, die neugierig macht.
Herbert Pföhler, ehemaliger Grundschulrektor in Neudorf

Vom Ausgangspunkt eines grünen Platzes hat der Architekt ein Gebäude mit unterschiedlichen Höhen, die mit der Bebauung in der Nachbarschaft korrespondieren, für eine multifunktionale und sehr variable Nutzung für alle Generationen konzipiert. Auf der Spitze sieht der Entwurf einen gläsernen Kubus vor, der vielfach genutzt werden kann. Nach der Sommerpause, kündigt der Bürgermeister an, werde das Projekt bei einer Bürgerversammlung vorgestellt.

Nach der Präsentation im „kleinen Kreis” sind die rund zwei Dutzend Zuhörer beeindruckt von dem, was sie gehört und gesehen haben: „Eine erstaunliche Leichtigkeit des Seins, die neugierig macht und die Menschen anlockt”, meint Herbert Pföhler, früherer Rektor der Neudorfer Grundschule.

Michael Eberhardt, Vorstand der Musical-Werkstatt, lobt die modernen, detailreichen Ideen, die Begegnung für Menschen aller Altersstufen schaffen könnten. „Maßgeschneidert und toll in die Umgebung eingebunden”, sagt Frank Seider, der Graben-Neudorfer Volkshochschul-Leiter.

Das ist unsere letzte Möglichkeit, etwas Besonderes zu schaffen.
Werner Juchler, Alt-Bürgermeister

„Das Gebäude setzt einen Kontrapunkt zum Rathaus”, meint Alt-Bürgermeister Werner Juchler. Er sei begeistert, fügt er hinzu. „Etwas kleiner” hält er für realistischer, und er hoffe, dass letztlich nicht „ein Betonklotz” herauskomme. Und: „Das ist unsere letzte Möglichkeit, etwas Besonderes zu schaffen.”

Ein solcher Ort, sagt die zwölfjährige Hanna Pallesche, könnte ein guter Treffpunkt mit Freunden werden, weil sich viele Möglichkeiten bieten. „Verkehrsberuhigung ist ganz wichtig, es gibt viel Durchgangsverkehr”, sagt Timo Heil, Vorsitzender des TSV Neudorf. Er schätzt den offenen Entwurf.

„Wir müssen den Mut haben, für junge Leute etwas umzusetzen”, sagt Bettina Eberhardt. Es seien viele ambivalente Wünsche und Ideen eingeflossen, sie sehe „unglaublich viel Raum für Begegnungen”, meint die Autorin und Regisseurin der Musical-Werkstatt. „Es ist bemerkenswert”, sagt Raphael Dreher, Leiter des Jugendzentrums, „dass ernsthaft über diese Vision diskutiert wird, die alle fordert. Das schafft nur Graben-Neudorf.”

nach oben Zurück zum Seitenanfang