Skip to main content

Briefmarken, Modelleisenbahn und Co

Ohne Nachwuchs keine Zukunft: Sterben manche Vereine und Hobbys einfach aus?

Briefmarkensammler, Brieftaubenzüchter oder Freunde von Modelleisenbahnen haben eines gemeinsam: Die Vereinsmitglieder sind eher älteren Semesters. Nachwuchs? Eher Fehlanzeige. Den jungen Leuten, die am liebsten am Computer zocken oder am Smartphone texten, fehlt der Bezug zu diesen Themen.

Versucht Kinder und Jugendliche für die bunte Welt der gezackten Marken zu begeistern: Briefmarkensammler Jaroslav Szpak aus Stutensee-Büchig. Foto: Volker Knopf

Jaroslav Szpak brennt für die kleinen gezackten Marken. Der 72-Jährige ist Mitglied der Vereinigung Karlsruher Briefmarkensammler von 1892, Ortsgruppe Stutensee. Dort ist der pensionierte Kfz-Meister für die Jugendgruppe zuständig sowie für die Organisation der Tauschtage. Wie es um den Nachwuchs bestellt ist? „Wir hatten schon mal mehr als ein Dutzend Kinder, aktuell sind es eher eins bis zwei“, sagt der Mann aus Büchig.

Er skizziert ein bekanntes Phänomen. Kinder seien durchaus für die bunte Welt der Postwertzeichen zu begeistern. „Aber wenn sie in die Pubertät kommen, dann ist es in der Regel vorbei“, meint Szpak schulterzuckend. Aber vergebliche Liebesmüh seien die frühen Sammler-Tage dennoch nicht. Später, im gesetzteren Alter, finde mancher wieder zum Hobby aus Kindheitstagen zurück.

Der Senior mit den Sammelgebieten Baden und frühere deutsche Kolonien wird nicht müde, für sein Steckenpferd zu werben. So hat er kürzlich zwei Kindergartengruppen für das Sammeln motiviert. „Ich zeige ihnen, wie man die Briefmarken ablöst. Ich lasse sie in den Kartons mit den Marken wühlen. Da sind viele bunte Motive darunter. Das kommt in der Regel gut an“, erzählt der Philatelist. Ob das nachhaltig Erfolg hat, lasse sich aber schwer beantworten.

Brieftaubenzüchten kommt bei den Jungen selten gut an

Eindeutig ist dagegen die Lage bei den Brieftaubenzüchtern Heimatliebe Weingarten. Nachwuchs? Der Vereinsvorsitzende Peter Stoll schüttelt den Kopf. „Ganz schlecht. Der Jüngste bei uns ist 65. Wir sind alle im höheren Alter“, sagt Stoll, selbst 79. Den Taubensport an die Schule zu bringen, sei quasi unmöglich. Nur wenn jemand aus der Familie das Hobby an seine Kinder weitergibt, habe das Aussicht auf Erfolg.

Zumal der exotische Sport, dessen schillerndster Fan wohl Profi-Boxer Mike Tyson sein könnte, sehr teuer sei. „Man sollte schon mal eine eigene Wohnung mit Garten und Platz für einen Schlag haben. Das Futter ist teuer, das Impfen auch“, sagt Stoll. An frisches Blut verschwendet er keinen Gedanken. „Wenn wir nicht mehr hier sind, dann stirbt auch der Verein. So realistisch muss man sein“, sagt der Rentner nüchtern.

Modelleisenbahn-Freunde sind selten unter Teenagern

Nicht ganz so dramatisch ist die Situation bei den N-Bahn-Freunden Pfinztal. Die Modelleisenbahn-Freaks sind zwar auch im gesetzteren Alter, aber eine Generation jünger als die Brieftaubenfans. Dennoch stellt Klaus Kegreis (59), Mit-Initiator des N-Bahn-Stammtischs, fest: „Mit Nachwuchs sieht es eher schlecht aus.“

Der Stammtisch für Miniatur-Bahnen mit neun Millimetern Spurweite besteht aus vier bis zwölf Aktiven. Während der Pandemie sei der eine oder andere Vereinsangehörige weggebrochen. „Wenn ein Jugendlicher mitmachen will, müsste er den Mut aufbringen, zu unserem Stammtisch zu kommen. Welcher Jugendliche macht das schon?“

Allerdings, ein bisschen Hoffnung gebe es schon. Wenn junge Märklin-Fans von der Pubertät überrascht werden und sich von ihrem Steckenpferd abwenden, dann sei auch hier nicht alles umsonst. „Wenn sie selbst Familienväter werden, erinnern sie sich oft an ihr früheres Hobby und packen mit ihren Kindern die Bahnen wieder aus“, erklärt Kegreis. Was ihn ebenfalls positiv stimmt: Am Thomas-Mann-Gymnasium in Blankenloch gibt es eine Modellbahn-AG. Über Apps ließen sich die Miniatur-Bahnen mittlerweile auch aus der Ferne steuern, was technik-affine junge Menschen ansprechen könnte.

nach oben Zurück zum Seitenanfang