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Kreistag in Stutensee

Die Wälder im Landkreis Karlsruhe sind in schlechtem Zustand

Der Zustand der Wälder im Landkreis Karlsruhe ist teilweise bedenklich. Der Klimawandel ist dabei ein Hauptgrund – aber nicht der einzige. Das Thema wurde im Kreistag in Stutensee heiß debattiert.

Gegen Verbissschäden an Jungbäumen, wie hier bei Spessart, sollen Plastikröhrchen schützen. Gut 46.000 dieser „Überzieher“ gibt es derzeit in den Wäldern im Landkreis Karlsruhe. Foto: Klaus Müller

Stutensee (kdm). Das muss man sich erst einmal vorstellen: 150.000 Festmeter Schadholz. Das entspricht 150.000 hölzernen Würfeln mit Seitenlängen von jeweils einem Meter. Eine Menge Holz. So groß war die Schadholzmenge in den Wäldern des Landkreises Karlsruhe, die 2020 anfiel.



Alles andere als erbaulich waren die Zahlen zum Waldzustandsbericht, die der Leiter des Kreisforstamtes, Martin Moosmayer, bei der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik (Kreistag) in Stutensee vorstellte. Und noch eine Zahl: Die Größe der Schadflächen wuchs inzwischen auf 2.500 Hektar an. Insgesamt gibt es im Landkreis 36.500 Hektar Wald.

Auf der Suche nach den Ursachen für den schlechten Zustand der Wälder muss sich niemand verbiegen: „Es ist der Klimawandel und seine Folgen“, machte Moosmayer unmissverständlich klar. Das Jahr 2020 sei das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen – und das dritte Jahr in Folge mit ausgeprägter Frühjahrstrockenheit.



„Trockenheit, Stürme und Schädlinge machen den heimischen Wäldern und der Forstverwaltung weiterhin massiv zu schaffen“, bilanzierte der Kreisforstamtsleiter. In diesem Zusammenhang wies er auf ausgeprägte Dürreschäden an der Buche hin, auf Pilzschäden an den Kiefern, auf den massiven Borkenkäferbefall an Fichte und Tanne sowie aufs Fortschreiten des Eschentriebsterbens. Verrückt spielt auch der Holzmarkt. Wegen der extremen Schadholzmengen gingen zunächst die Holzpreise 2020 in den Keller. Aktuell steigen sie wieder deutlich. Grund dafür ist die hohe Nachfrage nach gutem Holz.

Allein durch Aufforstung lässt sich der gewaltige Schaden nicht kompensieren. Bei der Wiederbewaldung setzt der Forst überwiegend auf die sogenannte Naturverjüngung – also das Entstehen neuer Bäume durch natürlichen Samenflug. Daneben muss es aber auch gezielte Pflanzungen geben. Im Vorjahr wurden auf einer Gesamtfläche von 100 Hektar 278.000 Jungbäume gepflanzt.

„Nur mit einheimischen Baumarten werden wir nicht in die Zukunft kommen“, urteilte Moosmayer. Im Waldbild würden künftig vermehrt Douglasien, Elsbeere, Kirsche, Nüsse oder Speierling eine Rolle spielen; Baumarten, die besser mit Wärme und Trockenheit zurechtkämen. Außerdem gibt es laut Moosmayer im Landkreis Versuchsflächen mit der osteuropäischen Tanne (Östringen), Zedern (Ettlingen) und mit Mittelmeer-Eichen (Malsch).

Die Folgen des Klimawandels sind eine Sache, eine andere die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Weil die Freizeitmöglichkeiten fehlen, entdecken immer mehr Menschen den Wald wieder für sich. Das sorgt für den Wald auch für Ärger. Gefahrenhinweisschilder, so die Erfahrungen in den Forstrevieren, werden oftmals ignoriert, wie überhaupt sensible Waldgebiete. Und Moosmayer benannte ein weiteres Problem: zunehmende Verbissschäden an Jungbäumen. Was das angehe, seien verstärkt die Waldbesitzer, die Pächter und die Jägerschaft gefragt.

Auf das Spannungsfeld Wald – auf Ökologie, Ökonomie, Erholung – verwiesen in ihren Statements immer wieder die Ausschussmitglieder. Von der Notwendigkeit einer „strukturierten Waldbewirtschaftung“ sprach Thomas Nowitzki (CDU). Bund und Land müssten sich viel mehr in die Förderung des Waldes einbringen, forderte Felix Geider (Freie Wähler).

Eine Intensivierung der Klimaschutzmaßnahmen und den schrittweisen Umbau der Wälder wünschte sich Wolfgang Sickinger (SPD). Noch stärker müsse die naturnahe Entwicklung des Waldes in die Überlegungen einbezogen werden, befand Ute Kratzmeier (Grüne). Andreas Laitenberger (AfD) schlug angesichts der Besucherfrequentierung vor, man sollte doch mehr Papierkörbe im Wald aufstellen.

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