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Karitative Unterstützung

Karnevalsvereine in Stutensee nähen ehrenamtlich Behelfsmasken ohne Virenschutz

Ehrenamtlich engagierte Frauen (unterstützt von ein paar wenigen handwerklich geschickten Männern) in Stutensee, Karlsruhe und Pfinztal wehren sich gegen die Schutzmaskenmisere und haben begonnen, "Behelfsmasken ohne Virenschutz" herzustellen. In der Summe sind wohl mehr als 2.000 solcher Hilfsmittel entstanden, die an karitative Gruppen und Einrichtungen wie an private Nutzer abgegeben werden.

Es braucht nicht viel: Stoffe, Gummibänder, Draht zur Stabilisierung und eine Nähmaschine, gepaart mit Geschick, und schon kann die Hilfsaktion starten. 1.400 Exemplare der Behelfsmasken haben die Stutenseer hergestellt. Foto: pr

Es fehlt an Desinfektionsmitteln, und es fehlt an Schutzmasken gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Findige Frauen in Stutensee und Pfinztal haben sich entschlossen, Abhilfe zu schaffen: Sie nähen eifrig an den "Behelfsmasken ohne Virenschutz". Ein ehrenamtliches Engagement für karitative Unterstützung, das viel Anklang findet.

Mund und Nase sind abgedeckt. So sehen Gesichter aus, die uns derzeit in allen Nachrichtensendungen im Fernsehen begegnen. Inzwischen trifft man immer häufiger Menschen, die Mund und Nase bedecken, wenn man in den Supermarkt geht. Diese Maske soll helfen, dass sich Menschen bei Begegnungen gegenseitig schützen.

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Nachschub ist nicht in der erforderlichen Menge verfügbar. Pflegedienste und Mitarbeiter in Praxen, Seniorenheimen und Krankenhäusern berichten davon, dass die professionellen Schutzausrüstungen nicht ausreichen, weil es nicht genügend Nachschub gebe. Behelfsmasken sollen Abhilfe schaffen.

BehelfsmasktenStut6 Foto: None

Nicht ganz professionell - aber engagiert gemacht

Ehrenamtliche Initiativen helfen vielfach aus der Misere, denn selbst ein nicht ganz professioneller Schutz, offiziell als „Behelfsmasken ohne Virenschutz“ bezeichnet, ist allemal besser als keiner. Das dachten sich einige Frauen in Stutensee, die sich auf Initiative von Susanne Dörflinger zusammengefunden haben, um selbst solche Masken zu nähen: „Die Sozialstation Stutensee-Weingarten hat bei mir angefragt, ob ich Behelfsmasken nähen könnte“, erzählt Dörflinger.

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Sie ist Aktive bei den Blankenlocher „Hardtwaldhexen“, die sie vor 22 Jahren mitgegründet hat und deren Chefin sie elf Jahre war. Mit dem Nähen ist sie als Kostümnäherin bei der Narrenzunft wohlvertraut.

BehelfsmasktenStut1 Foto: None

Von den Hexen zu den Piraten

Warum also nicht Behelfsschutzmasken? „Ich dachte mir gleich, dass dahinter eine größere Aufgabe steckt, denn überall fehlen ja solche Masken.“ Sie fragte erst im eigenen Verein, wer mitmachen wolle, dann ging sie auf die Stutenseer „Piraten“ zu, bei denen sie ebenfalls Mitglied ist. Auch dort gibt es routinierte Kostümnäherinnen.

Ute Winkler, ehemalige Kanzlerin bei der „Piraten“ und immer noch vielfältig bei der Narrenzunft engagiert, stellte mit Susanne Dörflinger gleich ein Netzwerk hilfsbereiter Näherinnen und Näher zusammen. „Unser Ziel war, 120 Masken für die Sozialstation herzustellen“, berichtet Dörflinger, die die Näherei leitet, während Winkler für die Logistik zuständig ist. Zwischenzeitlich kamen etwa 50 Nähende zusammen. Bereitwillige Unterstützung fanden sie beim Friedrichstaler Elferrat sowie beim Carnevalsclub Waldstadt und bei der Mühlburger Karnevalsgesellschaft.

Muster der Feuerwehr Essen

Das Maskennähen liegt komplett in Narrenhand. Alle machten sich ans Werk, um nach Vorlagen („Zuerst haben wir das Muster von der Feuerwehr Essen verwendet“, sagt Dörflinger) oder nach eigener Abwandlung Behelfsmasken zu fertigen. „Für die ersten Exemplare haben wir so etwa eine halbe Stunde gebraucht, dank der Routine schafft eine Näherin jetzt vier in der Stunde“, berichtet Susanne Dörflinger. Letzter Stand (Samstagnachmittag) sind 1.200 Masken. „Über Ostern machen wir Pause“, sagt die „Nähchefin“. Danach werde man sehen, was weiter nötig wird.

Hand in Hand arbeiten alle zusammen. Drei Männer, die zwar nicht nähen können, schneiden Stoffe zu und richten die Drähte, die für die Nasenbügel gebraucht werden. Das Material kommt von Spendern, die sich nicht lange bitten ließen.

Hildegund Herlan, die bis 2002 in der Hauptstraße in Blankenloch ein Textilgeschäft betrieben hat, versorgte die Gruppe mit allerhand Material: „Ich hatte noch eine Menge Stoffe, Schrägband, Nähseide und Gummi aus meinem Geschäft“, erzählt Hildegund Herlan. Sie freue sich, dass sie helfen könne mit Dingen, die aus ihrem Laden übrig geblieben sind.

BehelfsmasktenStut5 Foto: None

Distanz ist gesichert

Kuriere, höchstens zwei zusammen, bringen Material zu den Näherinnen und holen dort die fertigen Masken ab, die dann an ihre Empfänger weitergegeben werden, erzählt Ute Winkler. „Wir achten darauf, dass so wenig Kontakt wie möglich entsteht“, sagt sie. Das gelinge gut, weil die Näherinnen ihre Produktionsstätte bei sich zu Hause haben.

„86 Masken sind pro Tag entstanden“, hat Susanne Dörflinger ausgerechnet. Nachdem die Sozialstation ausgestattet war, kam eine Anfrage aus der Uniklinik in Heidelberg: „Wir haben 30 Masken an die Kinderdialysestation geschickt.“ Eine Einrichtung für Menschen mit schwerer Behinderung in Karlsruhe zählt unter anderen zu den Empfängern, Seniorenheime in Dettenheim, Neibsheim und in Neureut-Kirchfeld, eine Hausarztpraxis in Friedrichstal und viele Privatpersonen.

„Den Polizeiposten Stutensee haben wir versorgt, Mitarbeiter eines örtlichen Discounters und das Schloss Stutensee. Und jetzt fragen Autohäuser an, die ihre Mitarbeiter schützen wollen, wenn verstärkt die Kunden zum Räderwechsel kommen“, sagt Susanne Dörflinger.

Initiative aus dem Seniorenbeirat in Pfinztal

Eine Initiative um die frühere Vorsitzende des Pfinztaler Seniorenbeirats Traudel Theune sowie einige engagierte Frauen, die nicht zum Seniorenbeirat gehören, nähen ebenfalls fleißig an Behelfsmasken. „Unsere Nähwerkstatt ist derzeit ja geschlossen, und deshalb nähen die beteiligten Helferinnen ihre Masken bei sich zu Hause“, berichtet Irmtraud Bittighofer, die Vorsitzende des Seniorenbeirats in Pfinztal.

BehelfsmaskenPfi1 Foto: None

Mehrere 100 Masken seien bisher entstanden, die unter anderem an karitative Einrichtungen, Ladengeschäfte sowie für den privaten Gebrauch abgegeben wurden. „Die engagierten Frauen wollen weiter fleißig nähen“, sagt Bittighofer. Masken in jeder Form würden weiterhin gebraucht. Allein die Pfinztalerin Michaela Hornik habe bisher rund 400 Stück gemacht, so Bittighofer. Die Materialien, die dafür von allen Näherinnen verarbeitet wurden, stammten aus dem eigenen Fundus oder aus Zulieferungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis.

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