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Ohne Gäste fehlt das Geld

Katzencafé in Karlsruhe droht wegen Corona-Lockdown die endgültige Schließung

Der zweite Corona-Lockdown könnte das Ende für das Cats Café in Karlsruhe bedeuten. „Diesmal ist es wirklich ernst“, sagt Besitzerin Corinna Hönes in einem Video unter Tränen. Ohne das Café würden derzeit zwölf Katzen ihr Zuhause verlieren.

Den Katzen im Cats Café in Karlsruhe fehlen die Besucher. Wann wieder Gäste kommen können, ist ungewiss. Foto: Rake Hora /BNN

„Ich habe auf meinen Kontostand geschaut und festgestellt: Ich habe überhaupt gar kein Geld mehr. Wirklich überhaupt nichts mehr.“ So wendet sich Corinna Hönes, die Besitzerin des Cats Cafés in der Karlsruher Akademiestraße in einem Video auf Facebook und Youtube an die Öffentlichkeit. Sie ist sichtlich aufgelöst und weint. „Ich weiß nicht mehr weiter“, sagt sie und bittet um Hilfe und Spenden.

Hilfen sollte es eigentlich auch von der Regierung geben, die sogenannten Novemberhilfen. Aber die kann man aktuell noch nicht mal beantragen, sagt Hönes. Sie wartet auch noch auf die finanzielle Unterstützung, die im Juni hätte kommen sollen. Da habe es Probleme bei der Übermittlung gegeben. „Ich habe keine Ahnung, wann irgendwann was kommt“, sagt sie.

Aber die Zeit drängt. Denn die laufenden Kosten, die für das Katzencafé im fünfstelligen Bereich liegen, fallen trotzdem jeden Monat an - auch wenn kein Geld eingenommen wird. Neben Miete, Strom und Versicherungen muss Hönes auch die Tierarztkosten für die fünf Kater und sieben Katzen tragen, die im Café leben - ihre „Samtpfotenmannschaft“, wie sie sagt. Alle zwölf Tiere haben bereits einiges hinter sich. Sie stammen aus Haushalten von Tier-Messis oder von der Straße. Eine Katze wurde sogar im Wald ausgesetzt.

Die Katzen im Cats Café wurden anhand ihres Charakters ausgewählt. Deshalb sind die Café-Bewohner besonders zutraulich und anhänglich. Foto: Rake Hora /BNN

Öffnung im Dezember bleibt ungewiss

Immerhin, an Futter mangelt es nicht. Dafür sorgen Futterspenden via Amazon, die regelmäßig eintreffen. Aber gefüllte Näpfe sind nicht alles, was die Stubentiger brauchen. „Die Katzen sind chronisch unterkuschelt und vermissen die Gäste“, sagt Hönes. Schließlich seien die Tiere speziell deswegen für das Café ausgewählt worden, weil sie so gerne spielen und schmusen. Als sie das Café nach dem ersten Lockdown im Frühjahr wieder öffnen durfte, seien die Gäste von den Katzen regelrecht überrannt worden. Wann dieser Tag nach dem aktuellen Lockdown kommt, weiß aber gerade niemand.

Jede Katze, die im Café lebt, hat in der Vergangenheit Schlimmes durchmachen müssen. Einige waren zuvor Straßenatzen. Foto: Rake Hora /BNN

„Ich gehe davon aus, dass man bis Ende Januar nicht aufmachen darf“, so Hönes. „Und selbst wenn wir vor Weihnachten öffnen dürften, wüsste ich nicht, ob wir das hinkriegen.“ Denn was im Café serviert werden soll, muss vorher eingekauft werden. Die richtige Menge zu kalkulieren, ist aber nahezu unmöglich. Und kämen rund um die Feiertage überhaupt Kunden?

Die „Samtpfotenmannschaft“ im Katzencafé hat sich nach dem vergangenen Lockdown gefreut, als wieder Gäste kommen durften. Nun bleiben die Plätze erneut leer. Foto: Corinna Hönes, Besitzerin des Cats Café in Karlsruhe

Um Kosten zu sparen, arbeitete Hönes nach dem Lockdown im Frühjahr bereits allein im Service. „Ich habe jeden Tag Doppelschicht gearbeitet, sieben Tage die Woche“, sagt sie. „Ich habe so gekämpft.“ Jetzt, wo keine Gäste mehr kommen dürfen, geht es nicht einmal mehr so.

Gäste kommen vor allem wegen der Katzen

Samstags bietet Hönes ihren Kunden noch die „Katzenklappe“ und verkauft selbstgemachte Suppen im Einmachglas oder Kuchen. „Da kommt halt auch nicht viel raus“, sagt sie aber. “Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein.“ Schließlich kämen die Gäste vor allem ins Katzencafé, um mit Katzen zu schmusen und nicht, um Essen mit nach Hause zu nehmen.

Samstags gibt es für die Gäste Suppe im Einmachglas und Kuchen zum Mitnehmen zu kaufen. Doch Café-Besitzerin Corinna Hönes weiß auch: Eigentlich kommen die Gäste vor allem, um mit den Katzen zu spielen. Foto: Rake Hora /BNN

„Vorgestern habe ich gedacht, ich schaffe es höchstens noch bis zum 30. November“, sagt die Café-Besitzerin im Gespräch. Nach ihrem Video-Aufruf sind nun wieder mehr Menschen bereit, etwas zu spenden. „Vielleicht schaffen wir es jetzt ein bisschen länger“, hofft sie. Weit in die Zukunft planen könne sie aber nicht.

Auch für die „Samtpfotenmannschaft“, die im Café zu Hause ist, steht einiges auf dem Spiel. „Ich habe schon eine Katzenwunschliste erstellt und meine Mitarbeiter und Stammgäste gebeten, sich eine Katze auszusuchen, die sie im Notfall aufnehmen würden“, so Hönes. Aktuell sieht es so aus, als müsste keiner der Stubentiger ins Tierheim. Für manche Lieblingskatzen gäbe es sogar mehrere Bewerber. Kätzchen Maddy sei beispielsweise besonders beliebt, weil es so lustig ist.

Wenn es hart auf hart kommt, hat Café-Besitzerin Corinna Hönes schon für jedes der Kätzchen ein Dach über dem Kopf gefunden. Foto: Rake Hora /BNN

Versprochen hat Hönes ihren tierischen Mitarbeitern eigentlich etwas anderes. „Ich habe den Katzen gesagt, dass sie im Café alt werden dürfen. Dass sie hierbleiben dürfen, bis sie sterben,“ sagt sie. „Das Versprechen muss ich doch halten.“

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