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Problem Stubenhocker (2)

Martin Rütter gibt BNN-Lesern Tipps bei Problemen mit ihrem Hund

Eine gewisse Ähnlichkeit zum Menschen ist nicht abzuleugnen: Da gibt es auch Zeitgenossen, die eher faul sind und sich nicht gerne bewegen. Was soll man als Halter eines Hundes unternehmen, wenn der eher ein Stubenhocker ist und keine Lust auf Spaziergang hat? Hundetrainer Martin Rütter gibt Tipps.

Hundeprofi Martin Rütter und seine Emma, ein Australien-Shepherd-Mix. Foto: Engels
Für die Hundeerziehung ist es nie zu spät. Oftmals müssen freilich auch Frauchen oder Herrchen in ihrem Verhalten gegenüber der Fellnase etwas ändern, um bei Bello und Co eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Unserem Aufruf, Hundeprobleme zu schildern, sind sehr, sehr viele Halter gefolgt. In einer Serie gibt der bekannte Hundetrainer Martin Rütter Tipps zu ausgewählten Fragen der Leser. In der zweiten Folge geht es um einen Hund ,der die ersten drei Jahre in Rumänien auf der Straße aufwuchs – und jetzt ziemlich faul ist und oft einfach nicht raus will, weil er ein  Stubenhocker ist.

Mittags-Gassi unterhält die Nachbarn

Der Hund Kiwi, inzwischen acht Jahre alt,  aus Bühl stammt aus Rumänien.  An manchen Tagen will sie einfach nicht raus. „Da muss schon alles stimmen, wenn sie doch mal freudig rausgeht“, schreibt der Halter. „Ich unterhalte beim Mittags-Gassi schon die ganze Straße, weil ich alle Tricks versuche.“ Leckerli funktioniere manchmal, mit Gewalt an der Leine zerren gar nicht, „da legt sie sich gleich auf den Rücken, ableinen und einfach weglaufen geht manchmal.

Ist eher faul und ein Stubenhocker: Der frühere Straßenhund Kiwi. Foto: privat

Meistens bleibt sie jedoch einfach sitzen oder läuft gleich wieder nach Hause.“ Die ersten drei Lebensjahre hat die Fellnase auf der Straße gelebt, bevor sie in das dortige Tierheim und schließlich über eine Pflegestation nach Deutschland und nach Bühl kam. „Sie war schon immer ein sehr eigenwilliger Hund, die kann uns total ignorieren, wenn sie was

nicht tun will, und faul ist sie halt auch noch.“ An manchen Tagen fragte sich  der Besitzer schon, ob sie vielleicht krank ist – „aber dann ist sie wieder quietschfidel“.

Es gibt auch Hunde, die eher gemütlich sind

Martin Rütter:

Warum sich an Regeln des Menschen halten?

Hunde aus dem Süden, die erst als erwachsener Hund nach Deutschland vermittelt werden, hatten zuvor häufig ein sehr selbstbestimmtes Leben. Ausflüge wurden zur Nahrungsbeschaffung unternommen, ansonsten liegt man entweder gern gemütlich in der Sonne oder hält sich bei schlechtem Wetter im Trockenen auf! In jedem Fall haben diese Hunde gelernt, selbstständig zu handeln und eigene Entscheidungen zu treffen. Es ist für sie daher oft erst einmal vollkommen unverständlich, warum sie sich nun an Regeln halten sollen, die Menschen für sie aufstellen.

Niemals Gewalt anwenden

In jedem Fall sollten Sie niemals Gewalt anwenden, um Kiwi zur Fortbewegung zu zwingen. Dies bringt, wie Sie ja bereits selbst erfahren haben, meist keinen beziehungsweise keinen dauerhaften Erfolg und kann im schlimmsten Fall sogar dazu führen, dass Kiwi das Vertrauen in Sie verliert. Denn Kiwi versteht Ihr Ansinnen, um die Mittagszeit nach draußen zu gehen, einfach nicht. Sie muss sich gerade nicht lösen, hat keinen Hunger (um auf die Jagd zu gehen), warum sollte sie nun also draußen herumlaufen?

Mindestens dreimal am Tag Gassi

Natürlich sollte ein Hund jedoch mindestens dreimal täglich die Möglichkeit bekommen, sich zu lösen und sich zu bewegen. Allerdings muss es sich dabei nicht jedes Mal um einen langen Spaziergang von über einer Stunde handeln! Solange Kiwi ausreichend Möglichkeit hatte, sich zu lösen, ist mittags durchaus auch eine kleine Runde ausreichend.

In Spaziergang kleine Aufgaben einbauen

Damit Kiwi mehr Spaß an den Spaziergängen hat, können Sie auf den Spaziergängen kleine Aufgaben einbauen. Kiwi kann zum Beispiel Futter suchen, welches Sie vorher verstecken oder sogar eine ganze Spur aus Futter verfolgen. Wenn sie ihre Mahlzeiten nur über diese Beschäftigung bekommt, macht es für sie auch mehr Sinn, sich auf solche Spiele einzulassen. Der Spaziergang wird damit zur „Nahrungsbeschaffungsmaßnahme“, für Kiwi also ein absolut sinnvoller Ausflug.

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