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Entscheidung im Dezember

Für landesweiten Mobilitätspreis nominiert: Wie das Projekt „MyShuttle“ im Landkreis Karlsruhe funktioniert

Der Busfahrer kann am Abend pünktlich Feierabend machen. Die Zusatzfahrt zu später Stunde übernimmt MyShuttle. Das hat positive Auswirkungen auf das Personal-Tableau.

Kaum leere Sitze: Das MyShuttle fährt anders als der reguläre ÖPNV nur dann, wenn es auch gebraucht wird. Im Landkreis Karlsruhe sind bereits sieben Fahrzeuge in mehreren Kommunen im Einsatz. Foto: Paul Gärtner/KVV

In die App, fertig und los. Für die letzten Meter zwischen Haustür und Bahn hat der Landkreis Karlsruhe MyShuttle in Kooperation mit dem Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) auf den Weg gebracht. Sieben Fahrzeuge sind bereits im Einsatz für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Das ist kein Experiment mehr, vom Regelbetrieb sind wir aber auch noch entfernt.
Ragnar Watteroth, Finanzdezernent Landkreis Karlsruhe

Das Land Baden-Württemberg nominierte das Projekt nun für die Auszeichnung „Wir machen Mobilitätswende!“. Die Sieger werden Anfang Dezember gekürt.

Für Verkehrsminister Winfried Hermann steht fest: „Solche Ideen erleichtern den Alltag und sind für die Gesellschaft ein Gewinn an Lebensqualität.“ Die wichtigsten Fragen von der Idee bis zur Umsetzung von MyShuttle beantwortet Redaktionsmitglied Janina Keller.

Was ist MyShuttle?

Die Fahrzeuge im Stil der Londoner Taxis kommen am Wochenende und am Abend zu den KVV-Nutzern, wenn diese sie brauchen. Unabhängig von Schiene oder Bushaltestelle fahren die überwiegend elektronischen Shuttles auf Anfrage quer durch den gesamten Ort, erklärt Ragnar Watteroth, Finanzdezernent des Landkreises. „Wir gehen aber nicht in Konkurrenz zu Taxiunternehmen.“ Es handle sich immer nur um eine Kurzstrecke innerhalb des Orts oder bis zur nächsten Bahn-Haltestelle.

Per KVV-App wählt der Kunde einen der virtuellen Haltepunkte und den gewünschten Zeitpunkt aus. Alternativ kann das Shuttle auch per Telefon-Hotline bestellt werden, jedoch mit Einschränkungen. Das Ticket wird digital gekauft, die Kosten sind identisch mit den Fahrkarten im regulären ÖPNV.

Wo gibt es den On-Demand-Verkehr?

Der Startschuss für das Projekt fiel im Juni 2019 in der Ettlinger Kernstadt. Ein Jahr später kamen mit Ettlingenweier und Spessart die ersten Stadtteile hinzu. Insgesamt 390 virtuelle Haltepunkte können die Nutzer dort auswählen. Zum selben Zeitpunkt zogen Landkreis und KVV in der Gemeinde Marxzell nach. 160 mögliche Abholstationen gibt es seit Juni 2020. In Graben-Neudorf und Dettenheim fuhr das erste Shuttle im Dezember 2019. Hier sind 110 Haltestellen über die App verfügbar. Andere Kommunen haben Interesse angemeldet, ebenfalls einzusteigen, so Watteroth.

Wie ist die Idee entstanden?

„Warum einen großen Bus losschicken, der 80 Personen befördern könnte, in dem aber nur ein Mensch sitzt?“, so Watteroth. Das sei weder ökologisch noch in Anbetracht von Verkehrslärm sinnvoll. So entwickelte sich 2018 die Idee, dass genau der Kunde mit dem ÖPNV befördert werden soll, der auch nachfragt: zum Beispiel jüngere Menschen, die am Abend, oder Senioren, die am Wochenende, flexibel unterwegs sein wollen. „Wir haben das Bedürfnis nach flexiblem öffentlichen Personennahverkehr nicht nur in der Stadt, sondern wir haben es eben auch im ländlichen Raum“, sagt Landrat Christoph Schnaudigel.

Wie wird das Angebot angenommen?

Über 1.000 Nutzer setzen bereits auf den On-Demand-Verkehr. „Das ist kein Experiment mehr, vom Regelbetrieb sind wir aber auch noch entfernt“, so Watteroth. Zu Beginn stand das MyShuttle für einen begrenzten Zeitraum kostenlos zur Verfügung. Als sie nach der Probezeit dafür zahlen mussten, sei die Nachfrage aber nicht abgerissen, so Watteroth. „Selbst während Corona wird der Bedarfsverkehr weiter genutzt, etwa für den Weg von der Arbeit am späten Abend nach Hause“, sagt er.

Was hat man aus dem Projekt für den ÖPNV gelernt?

„Es gab viele Fragen, deren Antworten wir noch nicht kannten“, resümiert Watteroth. Um die Idee weiterzuentwickeln, richtete der Landkreis Real-Labore ein. Mit dem Start in ausgewählten Kommunen sammelte man Erfahrungswerte. „Es ist ein Ort, an dem wir experimentieren können“, sagt er. Zudem profitieren die Kommunen von Nebeneffekten. In Marxzell etwa wird der Shuttle-Service auch für den Einkauf genutzt. „Das macht wiederum andere Angebote in den Gemeinden attraktiver und stärkt die Infrastruktur“, so Watteroth.

Einen weiteren Vorteil sieht er im freiwerdenden Personal für den ÖPNV: „Da die Zusatzfahrt am Abend von MyShuttle übernommen wird, können Busfahrer ihre Ruhepause einhalten und am nächsten Morgen vermehrt für den Schulverkehr eingesetzt werden.“

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