Skip to main content

Weniger Hotelbuchungen

Pfingstferienbilanz: Frust in Baden-Baden, gute Laune am Bodensee

Schwarzwald statt Mallorca und Bodensee statt Rimini: Wegen der Corona-Krise wichen in den Pfingstferien viele Urlauber auf Reiseziele in Deutschland aus. Die Bilanz der Tourismusverbände ist dennoch eher verhalten. Mut macht derweil die Aussicht auf den Sommer.

Mediterranes Flair in Süddeutschland: Der Bodensee war in den Pfingstferien trotz Corona ein beliebtes Reiseziel. Insbesondere die Städte direkt am Wasser, wie hier die Insel Lindau, zogen viele Urlauber an. Wie an vielen Orten gingen die Hotelbuchungen dennoch zurück. Foto: Philipp Kungl

Bei Urlaubern beliebt waren vor allem Ziele in der Natur, etwa im Schwarzwald, am Bodensee oder in der Pfalz. Während die Hotelbuchungen im Vergleich zum Vorjahr zurückgingen, waren Ferienwohnungen stark nachgefragt.

Sieben Prozent weniger Gäste: Urlauber aus dem Ausland fehlen im Schwarzwald

„Der Tourismus ist in den Pfingstferien zwar wieder angelaufen. Wir hatten uns nach den Corona-Lockerungen aber mehr erhofft“, sagt Wolfgang Weiler, Pressesprecher der Schwarzwald Tourismus GmbH . In den Hotels hätten die Gäste aus dem EU-Ausland gefehlt, die in manchen Häusern 50 bis 80 Prozent aller Buchungen ausmachten.

Auch Senioren seien Zielen im Schwarzwald wegen der Pandemie noch ferngeblieben. Dagegen sei die Nachfrage nach Ferienwohnungen, zum Beispiel auf dem Bauernhof, sehr groß. Insgesamt habe sich der Gästerückgang mit sieben Prozent im Vergleich zu 2019 noch in Grenzen gehalten.

Aktiv-Urlaub vor der Haustür: Der Schwarzwald ist insbesondere bei Wanderern gefragt. Foto: Patrick Seeger/dpa

Hütten im Pfälzerwald als gefragtes Ziel für Radfahrer und Wanderer

Ähnlich ist die Situation auf der anderen Rheinseite. „Direkt nach der Öffnung war die Nachfrage schwach, dann wurde es aber besser“, sagt Detlef Janik, Geschäftsführer der Pfalz Touristik. Auch er bemerkt einen Trend hin zu Ferienwohnungen. Wegen des geringeren Kontakts mit anderen Menschen würden sie im Vergleich zu Hotels momentan lieber gebucht. „Speziell die Hütten im Pfälzerwald waren ein gefragtes Ziel für Radfahrer und Wanderer“, so Janik.

Gute Resonanz am Bodensee

Gut angelaufen sei der Tourismus am Bodensee, bestätigt Ute Stegmann, Geschäftsführerin der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH . „Die Orte direkt am See wie Lindau, Meersburg oder Überlingen waren in den Pfingstferien sehr gut besucht“, sagt sie. Während Hotelzimmer teilweise freiblieben, hätten sich viele Urlauber auf Campingplätzen oder in Ferienwohnungen selbstversorgt.

Aus dem näheren Umkreis seien außerdem viele Tagesausflügler an den Bodensee gekommen – auch wegen der Attraktionen wie der Insel Mainau, die wieder für Besucher geöffnet haben. Dass das Geschäft über Pfingsten trotz Corona ordentlich lief, führt Stegmann auch auf die Gästestruktur zurück: 90 Prozent der Bodensee-Urlauber kommen aus Deutschland.

Tagestourismus nimmt in Baden-Baden zu

Einzelne Städte wie Baden-Baden sind zwar kein Ziel für den klassischen Pfingsturlaub. Für einen Kurztrip wird die Stadt an der Oos normalerweise aber gerne genutzt. Normalerweise. „Die Nachfrage zu Pfingsten war noch sehr verhalten“, berichtet Kur- und Tourismuschefin Nora Waggershauser. Sonst seien die Hotels zu dieser Jahreszeit nahezu ausgebucht, was auch an Veranstaltungen, etwa im Festspielhaus, liege. Wegen Corona können diese derzeit nicht stattfinden. Und auch die vielen Gäste aus Frankreich und der Schweiz hätten gefehlt. Spürbar zugenommen, so Waggershauser, habe aber der Tagestourismus.

Kann ein starkes Sommergeschäft die bisherigen Verluste auffangen?

Die Hoffnungen ruhen nun überall auf einem starken Sommer. „Der Buchungstrend für die kommenden Wochen lässt darauf schließen, dass Baden-Baden immer weiter erwacht“, sagt Waggershauser. Auch im Schwarzwald ist man optimistisch.

Ein Sommer auf Vorjahresniveau ist nicht ausgeschlossen
Wolgang Weiler, Pressesprecher Schwarzwald Tourismus GmbH

„Ein Sommer auf Vorjahresniveau ist nicht ausgeschlossen“, glaubt Wolfgang Weiler. Dies hänge aber auch davon ab, ob die jetzt geöffneten Grenzen aufbleiben und ob es womöglich zu einem zweiten Lockdown kommt. Während am Bodensee die Sommersaison ohnehin stärkste Zeit ist und deshalb in diesem Jahr in den Herbst verlängert werden soll, baut Detlef Janik für die Pfalz auf September und Oktober. Diese Monate sind zum Wandern und wegen der Weinlese populär.

Einig ist sich die Branche, dass selbst ein starkes Restjahr die bisherigen Verluste nicht auffangen können wird. „Mehr wie voll können die Hotels nicht sein“, gibt Ute Stegmann zu bedenken. Und Weiler bezweifelt, dass die Reiselust so stark wächst. „Vielen Leuten fehlt wegen der Krise offensichtlich schlicht das Geld, um Urlaub zu planen.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang