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Zementabbau im Wald?

Abbaupläne des Wössinger Zementwerks werden von Walzbachtalern unterschiedlich beurteilt

Umweltschutz contra Arbeitsplätze: Die BNN haben bei Walzbachtaler Bürgern Stimmen zu den Plänen für ein neues Abbaulager im Wald eingeholt.

Das Wössinger Zementwerk dominiert das Panorama des Kraichdorfs. Foto: Arnd Waidelich

Umweltschutz oder Arbeitsplätze – das ist bei vielen Entscheidungen in der Bundesrepublik ein diametral sich gegenüberstehendes Paar.

Die Walzbachtaler Bürger stehen in genau diesem Spannungsfeld bei der Beurteilung des Antrags des Wössinger Zementwerks, an zwei Standorten nach einem neuen Rohstofflager zu suchen als Ersatz für den sich dem Ende entgegen neigenden Kalksteinbruch am Lugenberg.

Das Zementwerk plant nämlich, das neue Abbaulager in einen östlich von Wössingen liegenden Wald zu verlagern.

Bürger aus Wössingen sind zwiegespalten zum geplanten Zementabbau im Wald

Relativ unentschlossen in der Frage zeigt sich Iris Eßwein. „Ich bin froh, dass ich diese Entscheidung nicht treffen muss“, sagt sie. Einerseits habe sie als Naturliebhaberin wenig Sympathie für die Pläne, den Wald zu opfern. „Den Sauerstoff brauchen wir mehr als je zuvor“, sagt sie.

Iris Eßwein Foto: Arnd Waidelich

Andererseits sehe sie die Zwangslage des Zementwerks, dass die Bauindustrie den Rohstoff Zement brauche. Wenn das Werk eine umfängliche Renaturierung gewährleisten könne, dann würde sie das Projekt nicht so kritisch sehen. Am liebsten wäre es ihr allerdings, das Vorhaben in einigen Jahren noch einmal neu bewerten zu können.

Den Zwiespalt sieht auch Reinhold Jung. Er steht in der Bewertung eher auf der Seite des Werks. „Wenn wir in dem Wohlstand, den wir zur Zeit haben, weiter leben wollen, dann muss man eben auch mal einen Wald opfern“, sagt der Jöhlinger.

Ansonsten würde man viel zu abhängig werden von ausländische Rohstofflieferungen. Nach dem Motto „Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass“, könne man nicht immer verfahren.

Keine Probleme sieht Uwe Stäudinger mit den Plänen des Zementwerks, sofern das Werk es mit der Renaturierung wirklich ernst meine. Unter dieser Voraussetzung sei er allerdings bereit, Probebohrungen in den beiden Walzbachtaler Wäldern zu akzeptieren mit denen erkundet werden soll, ob dort ein abbaubares Kalksteinvorkommen vorliege.

Er könne sich auch vorstellen, dass der Abbau im schrittweisen Takt vonstatten werde. Dann würden die Eingriffe in die Natur auch nicht so umfänglich ausfallen, meint er.

Zementabbau als wichtiger Faktor für die Walzbachtaler Wirtschaft

Als äußerst wichtig für die Walzbachtaler Wirtschaft schätzt Hubert Lefeber die Existenz des Wössinger Zementwerks ein. Wenn man das Werk erhalten wolle, dann müsse man auch solche Eingriffe zulassen. Mit dem Wald sei eben nicht so viel Geld zu verdienen wie mit dem Zement. „Ich wäre bereit, eine Rodung des Waldes zu akzeptieren“, sagt er.

Eine Werksschließung wegen zu Ende gehender Kalksteinvorkommen, wo unter den Wäldern noch genügend Reserven vorhanden seien, das komme für ihn überhaupt nicht in Frage. Arbeitsplätze zu erhalten, das habe für ihn oberste Priorität.

Günter Jerabek Foto: Arnd Waidelich

Genau dieser Meinung ist auch Günter Jerabek. Für den ehemaligen Zementwerksmitarbeiter wäre eine Werksschließung wegen Rohstoffknappheit unvorstellbar. Für ihn sei es eine Selbstverständlichkeit, dass er sich für den Fortbestand des Werks einsetze.

Auch für ihn steht der Erhalt der Arbeitsplätze an oberster Stelle. Irgendetwas müsse man dafür immer opfern, um Arbeitsplätze zu erhalten.

Im Prinzip keine grundsätzlichen Probleme hat Karl Radatz mit den Plänen des Zementwerks. „Warum nicht?“ fragt er zurück. Es komme allerdings bei dieser Entscheidung sehr auf das Detail an.

Manche Bürger wollen den Wald vor dem Zementwerk beschützen

Was dort gemacht werde, müsse genau überpüft werden. Die Notwendigkeit, einen neuen Standort zu suchen, sehe er zwar durchaus ein. Wenn allerdings der Wald gerodet werde, dann sei das „nicht so sehr meine Sache“, meint der Jöhlinger Bürger.

Als Jöhlingerin sei sie von dem Problem nicht so sehr betroffen, gesteht Renate Siegel. Sie fände es aber schade, wenn für die Pläne des Zementwerks der Wald geopfert würde, wenn Landschaft und Umwelt Schaden nehmen würden.

Man könne nicht jeden Eingriff in die Umwelt mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen rechtfertigen. Es müsse nach anderen Möglichkeiten gesucht werden, wegfallende Arbeitsplätze zu ersetzen.

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