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Neue Hoffnung

Kalikokrebs: Erstmals Gewässer vollständig von invasiver Tierart befreit

Am „Dreizack“ in Rheinstetten quaken die Laubfrösche wieder und auch die Königslibellen sind zurück. Biologen der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe haben das Gewässer vom Kalikokrebs befreit.

In die Schranken gewiesen: Der hochinvasive Kalikokrebs ist auf dem Vormarsch. Erfolge in Rheinstetten machen Hoffnung. Foto: Karsten Grabow / Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Seit vielen Jahren breitet sich der hochinvasive Kalikokrebs am Oberrhein aus und bedroht einheimische Amphibien und Libellen. Gemeinsam mit der Stadt Rheinstetten ist es Biologen der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe nun gelungen, ein Gewässer erstmals vollständig von Kalikokrebsen zu befreien und erfolgreich zu sanieren.

Im Rahmen des von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg geförderten Forschungsprojekts „Management des invasiven Kalikokrebses zum Schutz von Amphibien und Libellen in Kleingewässern“ haben die Wissenschaftler entsprechende Konzepte entwickelt und untersucht. Umgesetzt hat sie in den vergangenen Jahren die Stadt Rheinstetten.

Eine Baumstammbarriere verhindert, dass die über Land wandernden Krebse zum Gewässer gelangen, und eine Kiesschicht an Ufer und Boden sorgt dafür, dass die Krebse keine Röhren bauen können. Das ist wichtig, weil die Krebse in diesen Röhren sogar das Austrocknen des Gewässers überleben.

Laubfrösche und Königslibellen sind zurück

„Im Dreizack gibt es jetzt eindeutig keine Kalikokrebse mehr“, bilanziert Andreas Stephan, Doktorand am Institut für Biologie und Schulgartenentwicklung. „Seit Monaten haben wir in den 25 Fangsteinen, mit denen wir das Monitoring des Gewässers realisieren, keine Kalikokrebse mehr gefangen. Die Art ist dort definitiv nicht mehr vorhanden.“

„Wir freuen uns sehr, dass ein erster Erfolg bei der Bekämpfung des invasiven Kalikokrebses durch eine Kombination von Maßnahmen am ‚Dreizack‘ in Rheinstetten verzeichnet werden kann und damit heimische Amphibien und Libellen das Gewässer wieder als Lebensraum nutzen können“, betont Stephanie Rebsch, Geschäftsführerin der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg.

Gewässer gerettet: Der Kalikokrebs hatte Tier und Pflanzenwelt zerstört - nun ist er zurückgedrängt worden. Foto: Andreas Martens/Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Stattdessen schlüpfen jetzt am „Dreizack“ wieder Königslibellen und auch der hochgradig schützenswerte Laubfrosch ist zurück, nachdem er in Rheinstetten vom Aussterben bedroht schien.

„Von Ende April bis Mitte Juni haben wir am Dreizack rund 260 Larvenhäute der Großen Königslibelle gefunden“, sagt Professor Andreas Martens, Leiter des Instituts für Biologie und Schulgartenentwicklung.

Mit dem „Dreizack“ konnte auch das für den Laubfrosch wichtigste Gewässer in Rheinstetten saniert werden. „Für mich schien die Situation nahezu aussichtslos“, sagt Martin Reuter, Umweltbeauftragter der Stadt Rheinstetten.

Kalikokrebs breitet sich am Oberrhein seit Jahren dramatisch aus

Mit Reuter haben die Biologen im Rahmen des Forschungsprojekts eng zusammengearbeitet und ihre Maßnahmen abgestimmt. Nun zeigt am „Dreizack“ die Große Königslibelle wieder ihre Flugkünste und abends erklingt das laute Konzert der Laubfrösche. Denn jetzt gibt es dort keine Kalikokrebse mehr, die Kaulquappen, Laich oder Larven zum Verhängnis werden könnten.

Der aus Nordamerika stammende Kalikokrebs hat sich am Oberrhein seit 1993 dramatisch ausgebreitet. Anders als der Kamberkrebs, der Signalkrebs, der Rote Amerikanische Sumpfkrebs und der Marmorkrebs steht er bisher nicht auf der EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten.

Baumstammbarrieren gegen Eindringling. Die Methode zeigte am Gewässer „Dreizack” Wirkung. Foto: Andreas Stephan / Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Kalikokrebse können in Kleingewässern hohe Dichten aufbauen und sind damit eine besondere Bedrohung für gefährdete Amphibien und Libellenarten. Unter unseren klimatischen Bedingungen schlüpft die Brut im späten Frühjahr, zumindest ein Teil der Krebse kann bereits im ersten Jahr geschlechtsreif werden. Mit bis zu 495 Eiern pro Weibchen (Durchschnitt: 150) haben Kalikokrebse eine hohe Fortpflanzungsrate und können Massenbestände mit 45 Krebsen pro Quadratmeter Wasserfläche entwickeln.

Sie gehen über Land und besiedeln so auch isolierte Gewässer, im Frühjahr wandern selbst die Eier tragenden Weibchen. Der Kalikokrebs überträgt – wie alle amerikanischen Flusskrebs-Arten – den Erreger der Krebspest, ohne daran selbst unter normalen Bedingungen ernsthaft zu erkranken.

Darüber hinaus ist er gegenüber anderen bei uns vorkommenden Flusskrebs-Arten ziemlich aggressiv. Kalikokrebse dürfen daher auf keinen Fall weiterverbreitet werden. Insbesondere sollten sie nicht in Gartenteiche eingesetzt werden, denn von dort können sie leicht entkommen.

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