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Theaterkrise in Karlsruhe

Staatstheater Karlsruhe: Träger sehen „Kampagnencharakter“ bei Debatte um Intendant Spuhler

Mit der Einführung eines Vertrauensanwalts, der Einforderung von Stellungnahmen sowie einem Prozess „Zukunft Badisches Staatstheater“ wollen die Träger des Staatstheaters Karlsruhe auf die Kritik an Spuhler reagieren.

Badisches Staatstheater Foto: ONUK

Dies haben Kunstministerin Theresia Bauer (Die Grünen) und Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) am Montag in einer gemeinsamen Stellungnahme erklärt.

In der Stellungnahme erklären Bauer und Mentrup, die „neu und erstmals aufgeworfenen Sachverhalte im Offenen Brief des Personalrats“ ernst zu nehmen. Man sei aber irritiert über die Art und Weise, wie aus dem Thema „gleich eine öffentliche Debatte“ gemacht worden sei. Diese habe „in Teilen Kampagnencharakter“, der Vertrauen zerstöre und konstruktive Lösungen erschwere.

Vertrauensanwalt als Ansprechpartner

Bauer und Mentrup erklären, dem Verwaltungsrat des Theaters folgende Schritte vorschlagen zu wollen: Erstens werde man „den Kultureinrichtungen einen Vertrauensanwalt als Ansprechpartner für unlauteres Verhalten und Missstände zur Verfügung stellen“.

Zweitens wolle man „Stellungnahmen zu den Vorwürfen von der Theaterleitung und dem Personalrat einfordern und zudem auf einer Personalversammlung das Gespräch suchen, um unsere Vorgehensweise zu erläutern.“

”Kontrollzwang” und „Misstrauen” am Badischen Staatstheater? Heftige Kritik des Personalrats an Intendant Spuhler

Drittens, so die Mitteilung, „wollen wir einen Prozess ‚Zukunft Badisches Staatstheater‘ mit Vertreterinnen und Vertretern aus allen Bereichen des Badisches Staatstheater, aber auch der Politik, aufsetzen.“

Mitarbeiter kritisierten angstbesetztes Klima

Die Kritik an der Amtsführung von Peter Spuhler wurde erstmals öffentlich durch Stellungnahmen von drei scheidenden Mitarbeitern der Opernsparte. Diese hatten gegenüber den BNN ihren Abschied aus Karlsruhe mit einem von Angst und Kontrollzwang geprägten Arbeitsklima begründet.

Auf diesen Bericht hin hatten sich zahlreiche ehemalige und noch aktive Mitarbeiter bei den BNN gemeldet. In ihren Mails hatten sie erklärt, alle Vorwürfe bestätigen zu können. In ausführlichen Gesprächen, die sich daraus ergaben, wurde deutlich, dass die beschriebenen Probleme alle Abteilungen betreffen, woraus sich ein weiterer BNN-Bericht ergab .

Träger wollen Vorwürfe überprüfen

In der nun erfolgten Stellungnahme von Theresia Bauer und Frank Mentrup heißt es, die Faktenlage sei schwierig einzuschätzen, da die „neuen Vorwürfe anonym vorgetragen werden.“ Für die Berichte der BNN gilt, dass alle Gesprächspartner wegen des angstbesetzten Arbeitsklimas, das sie übereinstimmend darstellten, nicht mit Namen in der Zeitung erscheinen wollen.

Zum geplanten Vorgehen führen Bauer und Mentrup unter anderem aus, dass die Vorwürfe gegen die Leitung des Hauses „überprüft und bewertet“ werden müssten. „Dazu sind sie, sofern noch nicht geschehen, aus der Anonymität zu holen.“ Weiter heißt es: „Stadt und Land werden eine unabhängige Anlaufstelle anbieten, damit dort frühere oder aktuelle Missstände bei dieser neutralen Stelle hinterlegt werden können, damit so die erhobenen Vorwürfe verifiziert werden können.“ Persönliche Daten verblieben bei dieser Anlaufstelle.

Ausdrücklich heißt es: „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich jederzeit an den Personalrat, den Verwaltungsrat und die Träger wenden, wenn es zu Verstößen im Kontext mit Führungsverhalten kommt.“ Alle diese Verantwortlichen hätten „diese Dinge unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten und der Verschwiegenheitspflicht nach außen ernsthaft nachzuverfolgen“.

Am Freitag hatte der Personalrat des Staatstheaters in einem Offenen Brief von „toxischen Arbeitsverhältnissen“ am Staatstheater berichtet und die Träger zu einer Stellungnahme aufgefordert. In dieser nun abgegebenen Stellungnahme erklären Bauer und Mentrup, dies zeuge von „einer neuen Qualität der Vorwürfe“. Diese Vorwürfe müssten ernst genommen werden. Mit der Veröffentlichung in einem offenen Brief aber habe der Personalrat „massiv gegen die gebotene Fürsorge für Persönlichkeitsrechte und die Verschwiegenheitspflicht“ verstoßen. Dies sei nicht akzeptabel.

Des weiteren wird angekündigt, der Verwaltungsrat des Theaters werde „sich am 17. Juli 2020 zum weiteren Vorgehen abstimmen und anschließend berichten“. Abschließend fordern die Träger des Staatstheaters „den Personalrat und alle aktuellen Mitarbeiter*innen auf, die Gebote des Persönlichkeitsschutzes und der Verschwiegenheit wieder anzuerkennen und gemeinsam mit dem Verwaltungsrat und uns an der Aufarbeitung und Beseitigung von Missständen zu arbeiten“.

Missstände bekannt seit 2015

Publik geworden waren Missstände am Staatstheater bereits 2015, als Generalintendant Spuhler versuchte, den damaligen Verwaltungsdirektor Michael Obermeier nach Stuttgart versetzen zu lassen. In Folge des Streits wurde eine Mediation einberufen. In einer Mitarbeiter-Umfrage des Personalrats, an der rund 270 der fast 800 Mitarbeiter des Hauses teilnahmen, hatten über 70 Prozent erklärt, keine Folgen der Mediation wahrnehmen zu können.

In seinem Offenen Brief erklärt der Personalrat, diese Umfrage sei dem Verwaltungsrat 2018 vorgelegt worden. Über die Reaktionen der Verwaltungsräte schreibt der Personalrat, diese hätten sich „auf die Bemängelung etwaiger formaler Fehler beim Erstellen dieser Umfrage“ beschränkt. Eine Diskussion über den Kern der Sache sei offenbar nicht erwünscht gewesen.

Der seit 2011 laufende Vertrag von Peter Spuhler wurde 2019 verlängert und gilt nun bis 2026. Die Kosten der Mediation von 2015 werden, so ist aus dem Theater zu hören, auf 75.000 Euro geschätzt.

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