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"Ich will dort auf den Gipfel"

Karlsruherin nimmt an einem der härtesten Triathlons der Welt teil

Statt im August 2020 geht es für die Karlsruherin Svenja Mann wegen Corona nun im August 2021 nach Norwegen zum Norseman Xtreme Triathlon. Er gilt wegen seiner Topografie und dem steilen Schlussanstieg als einer der härtesten Triathlons der Welt über die Ironman-Distanz.

Einsatz auch außerhalb des Sports: Die Karlsruher Triathletin Svenja Mann möchte auf den Kampf gegen Krebs aufmerksam machen. Foto: Hora

Statt im August 2020 geht es für die Karlsruherin Svenja Mann wegen Corona nun im August 2021 nach Norwegen zum Norseman Xtreme Triathlon. Er gilt wegen seiner Topografie und dem steilen Schlussanstieg als einer der härtesten Triathlons der Welt über die Ironman-Distanz. Das Höhenprofil beim Radfahren beträgt 3.500 Meter und beim Laufen 1.800 Meter.

Tausende bewerben sich Jahr für Jahr dafür. Doch es gibt nur 250 Startplätze. Die 42-jährige Karlsruherin hat ihren Platz sicher. Sie erhielt einen von vier Plätzen des Hauptsponsors, indem sie bei einem Bewerbungsverfahren überzeugte.

Auf den Kampf gegen Krebs aufmerksam machen

Die nun länger als geplante Vorbereitungszeit möchte die Mutter von drei Kindern zwischen vier und 22 Jahren nutzen, um auf den Kampf gegen Krebs aufmerksam zu machen. Dabei unterstützt sie mit einer Fundraising-Kampagne die Organisation „Aktiv mot kreft“ . Via Instagram informiert sie zudem über ihre Vorbereitung.

„Körperliche Aktivität kann für viele Krebspatienten von Vorteil sein – sowohl während als auch nach der Behandlung“, sagt Mann. Ihr ältester Sohn ist in jungen Jahren selbst an Krebs erkrankt und hat ihn überstanden.

Der eigentliche Beweggrund, warum sie sich für die Spendenaktion einsetzt, ist allerdings eine eigene schwere Krankheit. „Als ich 2019 krank war, habe ich mich wieder über den Sport aufgerappelt“, sagt sie. Viele ihrer Bekannten waren der Meinung, dass ihre Lunge das nicht mehr schaffe. Doch Sport bleibt für die Karlsruherin ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens.

Es ist eine Pause vom Alltag in der einmal kein Telefon klingelt.
Svenja Mann, Triathletin

Während des Trainings schöpft die Athletin neue Kraft und Energie für Job und Familie. „Es ist eine Pause vom Alltag in der einmal kein Telefon klingelt. Da kann ich meine Gedanken strukturieren, Pläne schmieden oder Mitarbeitergespräche vorbereiten“, sagt sie. Beruflich arbeitet die 42-Jährige als kaufmännische Leiterin bei dem norwegischen Unternehmen Borregaard Deutschland. Deshalb ist sie etwa drei bis vier Mal pro Jahr in Norwegen und kennt das Land. Sie mag es sehr, aber am liebsten macht sie Urlaub auf Mallorca.

Mann möchte auch andere animieren, sich mehr zu bewegen. Das müsse nicht im Leistungsbereich geschehen. Auch ein schnellerer Spaziergang sei hilfreich oder zwei Haltestellen vor dem eigentlichen Ziel auszusteigen. Sie verstehe nicht, warum sich viele nicht motivieren könnten, so Mann. Das Argument, keine Zeit für Sport zu haben, zähle nicht. Dreißig Minuten am Tag hätte schließlich jeder Zeit.

„Körper und Geist brauchen Bewegung“, sagt Mann. „Man sollte sich nicht zu arg von anderen beeinflussen und sich mit diesen messen. Gerade Frauen hätten laut der Karlsruherin nicht den Mut, damit anzufangen. Ein Beispiel sei ihre Schwester. „Als sie dann am Ball blieb, ging alles viel leichter“, erzählt Mann im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten.

Mit dem Laufen begann die Sportlerin als 20-Jährige. Damals war sie alleinerziehende Mutter und mitten in ihrem BWL-Studium an der Berufsakademie in Karlsruhe. Mittlerweile hat die Ausdauer-Athletin viel Marathon- und Triathlon-Erfahrung: Vergangenes Jahr nahm sie am New York Marathon teil und zum Ironman auf Hawaii reiste sie bereits zwei Mal. Aber auch vor der Haustür, wie beim Freiburg Marathon, wo sie vor zwei Jahren als erste Frau das Ziel erreichte, nimmt sie regelmäßig an Läufen teil.

Ich kenne meinen Körper zu 150 Prozent.
Svenja Mann, Triathletin

Doch die Platzierung und das Wettkampfergebnis seien der Sportlerin dabei völlig egal. Sie weiß, dass sie den Triathlon in Norwegen schaffen wird. Das zähle. „Ich kenne meinen Körper zu 150 Prozent“, sagt sie. „Ich will dort auf den Gipfel. Ich habe das Gefühl, ich muss da oben etwas ablegen.“

In Norwegen besteht der Triathlon dann wie jeder Ironman aus 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,2 Kilometern Laufen. Natürlich werde sich die Karlsruherin auch speziell auf die ungewissen Wetterbedingungen dort vorbereiten – immer mal wieder bei Regen Radfahren und laufen. „Ich werde meinen Körper nicht überraschen“, erklärt sie. So war Mann beispielsweise schon im April im See schwimmen, um die kühlen Temperaturen dort nachzuempfinden.

„Pro Tage treibe ich ein bis zwei Stunden Sport“, beschreibt die Triathletin, die am Liebsten im Oberwald oder an der Alb läuft, ihr Trainingspensum. Der Oberwald biete sich perfekt an, da sie im Karlsruher Citypark wohne. „Wenn ich sehr viele Verpflichtungen habe, mache ich das, was reinpasst.“ Wenn jetzt wieder die Freibäder öffneten, werde sie mehr mit ihren Kindern schwimmen gehen und das schöne Wetter nutzen.

Aber bei so extremen Triathlons versucht sie die kleinen Kinder außen vor zu lassen, weil sie das noch nicht verstehen. „Sie wissen, dass ich viel Sport treibe, sollen aber keine Angst um ihre Mutter haben“, sagt sie.

Mit eigenem Unterstützerteam vor Ort in Norwegen

Vor Ort soll sie als Teilnehmerin ohnehin von einem eigenen Unterstützer-Team von ein bis zwei Personen begleitet werden, das sie auf der Radstrecke und am Anfang der Marathonstrecke mit Nahrung versorgt. Bei der Karlsruherin wird dies voraussichtlich ihr bester Freund und Trainer Marco Geyer sein. „Es muss jemand dabei sein, der mich kennt und dem ich blind vertrauen kann“, sagt die Sportlerin. „Je nachdem kann es auch sein, dass ich ihn anschreie.“ Das könne nicht jeder ertragen.

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