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Zwei Fahrer vor Gericht

Vorgetäuschter Transporter-Überfall an der A5 bei Weingarten: Ermittler hatten schnell Zweifel

Wie zwei Fahrer den Überfall auf ihren eigenen Geldtransporter an der A5 bei Weingarten vortäuschten, wird vor Gericht immer klarer. Kripo-Beamte erklärten nun ihre Ermittlungsarbeit. Doch auch die Sicherheitsfirma wird noch eine wichtige Rolle spielen.

Echte Polizisten sind in dieser Darstellung im Einsatz. Sie kamen zum Tatort an der A5 bei Weingarten, wo Sicherheitsmitarbeiter einen Überfall auf ihren Transporter durch falsche Polizisten gemeldet hatten Foto: Riedel

Als Fahrer eines Geldtransporters müssten die beiden Männer Experten darin sein, wie dieser auszurauben ist. Nun machen sie sich mit der Beute von 825.000 Euro aber kein schönes Leben – sie mussten sich am Montag weiter vor dem Landgericht verantworten. An Tag drei des Prozesses wurde deutlich, woran der Plan der 30 und 36 Jahre alten Männern schnell hakte.

"Fast schon zu emotional"

An einem Tag im vergangenen Sommer fuhren sie wie gewohnt ihre 30 Stationen ab, holten im Auftrag für ihre Sicherheitsfirma Prosegur Geld aus Banken, Supermärkten und Firmen aus der Region. Dann griff ihr Plan. Sie packten die Geldtaschen kurz vor Ende der Tour in ein abgestelltes Auto.

An einer Behelfsausfahrt an der A5 bei Weingarten fuhren sie mit dem leeren Geldtransporter raus, wählten den Notruf. Falsche Polizisten hätten sie raus gelockt und dann überfallen, so ihre Version.

Wie schnell diese Version ins Wanken geriet, schilderte nun ein Kriminaloberkommissar. Am Einsatzort traf er auf den 30-jährigen Fahrer, der zitterte, Tränen in den Augen hatte. „Ich war bei 50:50, ob es der Wahrheit entspricht“, erklärte der Beamte vor Gericht. „Für mich war er fast schon zu emotional.“ Opfer würden aufgrund ihres Schockzustands Fragen oftmals beantworten können.

Tränen - doch der Ermittler hatte Zweifel

„Und die Auffindsituation war wie drapiert.“ Die falschen Polizisten sollen die Fahrer entwaffnet und eine Pistole dann ausgerechnet in ihrer unmittelbaren Nähe liegen lassen haben. Die Fahrer gaben auf dem Revier eine vorher abgesprochene etwas ungleiche Beschreibung der vermeintlichen Täter ab.

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Wie schnell der 30-jährige Fahrer ins Visier der Ermittler geriet, äußerte sich erst jetzt vor Gericht. Schon drei Tage nach der Tat wurden verdeckte Maßnahmen eingeleitet. Eine Handy-Überwachung führte die Ermittler zu dem Bunker-Auto. Außerdem stellte sich heraus, dass sich der Angeklagte vor der Tat ein Video einer vorgetäuschten Polizeikontrolle angesehen hatte.

Angeklagter fragte nach einer Geldzähl-Maschine

Der Sicherheitsmann, der bislang seine Familie auch durch einen Nebenjob über Wasser gehalten hatte, trat nun eine Reise nach New York an und kaufte ein E-Bike. Bei einem Urlaub in Bayern wurde er in der Hotellobby festgenommen.

Seine Version der Tat präsentierte der Angeklagte K. am Dienstag dem Landgericht. Demnach planten er und der Mitangeklagte M. gleichermaßen, Geld aus ihrem Transporter zu entwenden – der aber sah die Hauptschuld anders verteilt. Foto: dpa

Nach seinen Hinweisen wurde auch der 39-jährige Mitfahrer festgenommen. Dieser hatte Schulden bei Mitarbeitern und kurz vor der Tat eine Prosegur-Führungskraft gefragt, ob er eine Geldzähl-Maschine erhalten könne. Nach der Tat soll er sich laut den Daten der Ermittler im Internet nach Gold-Preisen erkundigt haben.

Ein Jahr lang ein defekter Transporter

Für den letzten Teil des Verfahrens rückt auch die Sicherheitsfirma in den Fokus. Der Tatvorwurf lautet Diebstahl mit Waffen und Vortäuschen einer Straftat. Wenn der Firma nachgewiesen werden kann, dass sie Sicherheitsauflagen nicht eingehalten hat, könnte das zu einem milderen Straftatbestand führen.

Es wurde deutlich, dass die Vorschriften bei Prosegur oftmals Theorie, aber nicht Praxis sind. Der Transporter, mit dem die Angeklagten fuhren, hatte laut Angestellten seit einem Jahr einen Defekt. Er sei im Werkstattmodus gewesen, wobei sich alle Türen ohne Nachweis öffnen ließen – das habe sich aber erst danach herausgestellt.

Urteil an diesem Mittwoch?

Nach den Schilderungen der Angestellten wurde klar: Es gibt feste Routen, die von den Fahrern aber ohne Absprachen geändert werden. Abstimmungen mit der Zentrale gibt es oft laut Vorschrift, nicht aber in der Praxis. Und der Werkstatt-Modus ist unter Fahrern zur Arbeitserleichterung auch außerhalb des Firmengeländes ein gern gesehener Modus.

Ein Vertreter der Firma Prosegur forderte die beiden Männer zudem auf, einen Teil des Schadens zu begleichen. Dabei handelt es sich um ein Adhäsionsverfahren. Heißt: Auch im derzeit laufenden Strafverfahren kann Prosegur zivilrechtliche Ansprüche geltend machen. 72.000 Euro sollen die Angeklagten zahlen, so der Vertreter der Firma – für den Rest der Schadenssumme komme eine Versicherung auf.

Am Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt (4 KLs 670 Js 29424/20). Dann ist ein Urteil denkbar - oder das Verfahren wird an einem weiteren Verhandlungstag fortgesetzt.

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