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Heidelberg/Neckargemünd

Gehörlose erzählt von schrecklichen Erfahrungen im Internat – große Fürsorge in Nachfolgeinstitution

Gehörlose Menschen haben in den baden-württembergischen Internaten schreckliche Erfahrungen gemacht. Sie wurden geschlagen und gedemütigt. „Manchmal haben sich Kinder übergeben. Was ausgebrochen wurde, mussten sie aber wieder essen“, erinnert sich Petra Müller (Name von der Redaktion geändert) an ihre Zeit in den 1960er Jahren im Internat in Heidelberg. Die Verantwortlichen der Nachfolgeinstitution in Neckargemünd sorgen sich hingegen sehr um die Schüler.

Eine Erlösung: „Gebärdensprache ist meine Muttersprache“, sagt die gehörlose Petra Müller. Foto: Sandmann

Gehörlose Menschen haben in den baden-württembergischen Internaten schreckliche Erfahrungen gemacht. Sie wurden geschlagen und gedemütigt. „Manchmal haben sich Kinder übergeben. Was ausgebrochen wurde, mussten sie aber wieder essen“, erinnert sich Petra Müller (Name von der Redaktion geändert) an ihre Zeit in den 1960er Jahren im Internat in Heidelberg. Die Verantwortlichen der Nachfolgeinstitution in Neckargemünd sorgen sich hingegen sehr um die Schüler. Eine Reise in die Vergangenheit und die Gegenwart der Gehörlosen-Pädagogik.

Petra Müller (Name von der Redaktion geändert) sitzt an einem sonnigen Nachmittag Ende Februar im "Rathaus im Stühlinger" in Freiburg. Draußen ist es sonnig, aber kalt – und auch im Zimmer sinkt die gefühlte Temperatur rapide. Denn Müller ist gehörlos und berichtet von ihrer Zeit im Internat der früheren Staatlichen Gehörlosenschule in Heidelberg. Möglich macht das eine Gebärdendolmetscherin, die ihr gegenübersitzt.

Geboren wird Müller Mitte der 1950er Jahre in Freiburg. Im Alter von drei Jahren spricht sie noch immer nicht. Im Kindergarten steht schließlich eine Ordensschwester hinter ihr und ruft sie. Müller reagiert nicht. Die Schwester informiert die Eltern. „Das erste Wort des Ohrenarztes zu meinen Eltern war: taubstumm“, sagt Müller.

Eltern schämen sich für ihre gehörlose Tochter

Ihre Mutter und ihr Vater seien geschockt gewesen – und hätten sich für sie geschämt. Außerdem wissen sie nicht, wie sie im Ort Hilfe bekommen sollen. Der Ohrenarzt erzählt ihnen schließlich von einem Kindergarten für gehörlose Kinder in Heidelberg – mit Internat.

„Eines Tages habe ich beobachtet, wie meine Eltern Kleider in einen riesigen Koffer gepackt haben. Dann haben sie mich mitgezogen, mir eine Puppe gegeben und mich hinten ins Auto auf den Rücksitz geschoben.“

Müllers Eltern sitzen vorne, das Mädchen schaut mit der Puppe im Arm immer wieder nach hinten auf den riesigen Koffer. Was los ist, weiß sie nicht. Nach einer langen Fahrt erblickt sie zum ersten Mal das Internat, „ein Riesengehöft“, wie sie es beschreibt.

Das "Riesengehöft": In diesem Gebäude in der Quinckestraße in Heidelberg hat Petra Müller schreckliche Erfahrungen gemacht. Mittlerweile befindet sich das Internat für Gehörlose in Neckargemünd. Foto: Sandmann

„Irgendwann haben mich meine Eltern aussteigen lassen. Ich stand da mit meiner Puppe im Arm. Dann kamen ganz viele Kinder auf mich zu und haben mich umarmt. Auch eine Erzieherin kam. Ich stand wie gebannt da, habe Angst bekommen und mich umgedreht – aber meine Eltern waren weg.“

Ich habe an den Gittern gerüttelt und so laut ich konnte geschrien.
Petra Müller

Müller wird mit ins Internat genommen und sieht den Schlafsaal mit den vielen Doppelbetten. Die Fenster sind vergittert. „Ich habe an den Gittern gerüttelt und so laut ich konnte geschrien“, berichtet Müller. Eine Erzieherin habe sie geschlagen und ihr zu verstehen gegeben, dass sie ruhig sein soll. „Dann habe ich Angst bekommen und konnte nicht mehr richtig atmen. Was danach passiert ist, habe ich vergessen“, fährt Müller fort.

Brutale Sprachübungen gehören zum Alltag im Internat der Heidelberger Gehörlosenschule

Ihr Alltag besteht fortan vor allem aus Sprachübungen vor einem riesigen Spiegel. Die Kinder werden nebeneinander aufgereiht und müssen etwa die Buchstaben „A“ oder „B“ üben. Später kommen Wörter hinzu wie „Auto“, „Haus“ oder „Sonne“. Wenn etwas nicht klappt, werden sie geschlagen, gerüttelt, geschüttelt.

Müller wird gezwungen, Wasser zu trinken und damit zu gurgeln, um das „R“ zu lernen. Einen Monat braucht sie dafür. Denn: Die Erzieherinnen leiten sie nicht vernünftig an. Müller weiß nicht, was sie zu tun hat. Erst mit fünf oder sechs Jahren lernt sie zu gebärden. Eine Erlösung für Müller, die heute erklärt: „Gebärdensprache ist meine Muttersprache.“

Manchmal haben sich Kinder übergeben. Was ausgebrochen wurde, mussten sie aber wieder essen.
Petra Müller

Das Leben im Internat ist von Kälte und Gewalt geprägt, von harten Routinen und Kontrollen. „Wir haben da keine Liebe bekommen. Das war menschenverachtend“, erläutert Müller. Morgens müssen sich die Mädchen in Reihe aufstellen. Die Erzieherinnen kontrollieren, ob die Kleidung ordentlich sitzt, die Haare richtig gekämmt und die Zähne ordentlich geputzt sind. Müller zittern die Beine, wenn die Erzieherinnen sie schmerzhaft kämmen und strenge Zöpfe flechten.

Mittags sitzt sie mit rund 100 Kindern in einem großen Speisesaal. Immer gibt es Eintopf – den die Kinder aufessen müssen. „Manchmal haben sich Kinder übergeben. Was ausgebrochen wurde, mussten sie aber wieder essen“, erinnert sich die heute Mittsechzigerin.

„Abends wurde jedem von uns auf dem Flur ein Nachttopf zugeteilt. Die Kinder mussten Stuhlgang machen. Wenn es geklappt hat, mussten wir den Nachttopf sauber machen. Wenn es nach einer halben Stunde oder so nicht geklappt hat, wurden wir geschlagen. Aus Angst haben viele ins Bett genässt.“

Auch waschen die Kinder ein- bis zweimal pro Woche ihre Kleidung: „Wir mussten unsere Unterwäsche ausziehen und vorzeigen. Wenn die sauber war, wurden wir gelobt. Wenn die schmutzig war, haben wir eine Schelle bekommen. Das war sehr demütigend.“

Müller erzählt diese schrecklichen Erfahrungen Jahrzehnte später in Freiburg äußerlich sehr gefasst und sachlich. Und das, obwohl die Erzieherinnen in Heidelberg den Kindern damals die Ohren säubern, indem sie Stäbchen so fest hineinrammen, dass sie bluten. Oder sie einem Mädchen das Fieberthermometer so heftig rektal einführen, dass es blutet und in Ohnmacht fällt. „Die Erzieherin hat das vertuscht und nicht gemeldet“, erzählt Müller.

Die Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ unterstützt Kinder und Jugendliche, die zwischen 1949 und 1975 (in der DDR bis 1990) Leid und Unrecht in stationären Einrichtungen der Psychiatrie oder Behindertenhilfe erfahren haben. Betroffene können bis zu 14.000 Euro erhalten. Die Anmeldefrist dafür läuft am 31. Dezember 2020 ab. Die baden-württembergische Beratungsstelle der Stiftung in Stuttgart ist per Telefon unter der Nummer (07 11) 6 19 56 76 oder per Mail unter stiftung-anerkennung-hilfe-bw@vdk.de erreichbar.

Das Dokumentationsprojekt Zwangsunterbringung des Landesarchivs Baden-Württemberg übernimmt Recherchen für Betroffene und ermittelt Nachweise für den Antrag bei der Stiftung. Das Projekt ist per Telefon unter den Nummern 0711/212-4241 oder 0711/212-4242 sowie per E-Mail an nora.wohlfarth@la-bw.de oder nastasja.pilz@la-bw.de erreichbar.

Gebärden mit anderen Kindern ist einziger Lichtblick

Einziger Lichtblick sind nicht etwa die Ferien bei den Eltern, sondern die freie Zeit mit den anderen Kindern. „Zuhause war für mich wie eine fremde Welt. Im Heim habe ich immerhin mit den anderen Kindern gebärdet – auf dem Pausenhof, beim Schwimmen oder abends im Bett.“

Aber auch dann müssen sie aufpassen, dass sie nicht erwischt werden. Auf den Fotos aus dieser Zeit sehe sie allen Kindern ihr Unglück an, meint Müller.

Sexuelle Übergriffe durch Lehrer

Vor allem unter einem Lehrer leidet sie. Dessen Hauptaugenmerk liegt auf „Sprechübungen“. Dabei bezieht er den Körper von Müller mit ein: „Ich sollte verschiedene Wörter oder Sätze üben. Dann ist der Lehrer mit seiner Hand an meinem Rücken runtergefahren, und es kam zu sexuellen Übergriffen. Das kam immer wieder vor, ein- bis zweimal pro Woche. Meine Mitschüler haben mir nie geholfen.“

Aus Angst spricht sie nicht darüber. Später glauben ihre Eltern ihr nicht – wie auch ihre Schwester, der sie es erst vor etwa einem Jahr erzählt hat.

Als bei Müller die Periode einsetzt, wird sie selbstbewusster und wehrt sich gegen die Übergriffe. Der Lehrer hört auf. Müller schließt die Schule 1971 ab und wird Verwaltungsfachangestellte. Am liebsten wäre sie Pilotin geworden.

Ein paar Jahre nach dem Abschluss gibt es ein Klassentreffen, auf dem auch der Müller so verhasste Lehrer erscheint. „Ich konnte es nicht ertragen, ihn zu sehen. Er war freundlich und hat gelacht. Ich bin direkt auf ihn zugegangen und habe ihn gefragt: ,Hast du meinen Körper angefasst?' Er hat mir nicht geantwortet, einen roten Kopf bekommen und ist direkt abgehauen“, gebärdet sie voller Stolz.

Dass die anderen ihr anschließend vorwerfen, sie habe die Feier verdorben, ist Müller egal. Sie kennt noch andere Betroffene, die ähnliche Demütigungen und Übergriffe erlebt haben. Aber die wollten nichts sagen – aus Scham oder weil der Mut fehlte.

Erlebnisse aus ihrer Kindheit lassen Petra Müller nicht los

Müller heiratet und gründet eine Familie. Die Erlebnisse ihrer Kindheit begleiten sie aber noch immer: „Wenn ich schlafe, träume ich manchmal von der Autofahrt mit meinen Eltern nach Heidelberg. Das werde ich nie vergessen.“


An einem regnerischen Morgen Anfang März ist das Coronavirus bereits in Deutschland angekommen. Seine drastischen Auswirkungen sind jedoch noch nicht zu erahnen. Jahrzehnte nach den Erlebnissen von Petra Müller ist das Internat nicht mehr in Heidelberg – dort ist nur die Grundschule geblieben.

Die Staatliche Gehörlosenschule heißt mittlerweile Luise von Baden, Staatliches Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit Internat (SBBZ), und liegt wenige Kilometer den Neckar hinauf in Neckargemünd. „Die Vorfälle in dem Ausmaß, wie sie geschildert wurden, waren mir nicht bekannt“, sagt Schulleiterin Noëlle Soerensen.

Offene Türen: Schulleiterin Noëlle Soerensen nimmt das Leid früherer Internatsschüler sehr ernst. Foto: Sandmann

Die 45-Jährige hat ein umfangreiches Programm vorbereitet, um zu zeigen, wie sich die Gehörlosen-Pädagogik weiterentwickelt hat. Am Standort Neckargemünd gibt es einen Kindergarten sowie Klassen der Sekundarstufe I und der Beruflichen Bildung.

Zunächst geht es über den Schulhof zum Internat, ein modernes Gebäude aus dem Jahr 1991. Dort warten die Erzieherinnen Hua Shan-Bähr und Nina Edelmann sowie Lukas Eisenbeiß von der Erziehungsdienstleitung.

Das heutige Internat in Neckargemünd ist ein modernes Gebäude aus dem Jahr 1991. Foto: Sandmann

Gemeinsam geht es in die Wohngruppe 5A, in der neun Mädchen leben. Sie sind überwiegend gehörlos. Die Zimmer sind gemütlich eingerichtet, überall hängen Fotocollagen und Plakate. „Die Jungs dekorieren erfahrungsgemäß eher weniger als die Mädchen“, sagt Eisenbeiß lachend.

Offenes Ohr für Sorgen und Nöte: Lukas Eisenbeiß von der Erziehungsdienstleitung des SBBZ Luise von Baden. Foto: Sandmann

SBBZ in Neckargemünd ist erste Anlaufstelle für Gehörlose aus dem Raum Karlsruhe

Die meisten der insgesamt rund 30 Internatsschüler kommen aus der Neckar-Odenwald-Region. Schulleiterin Soerensen ergänzt jedoch: „Im Kindergarten, in der Grundschule und der Sekundarstufe wird geschaut: Wo wohnen die Kinder, und wo ist das nächste SBBZ mit Internat? Von Karlsruhe aus sind wir das.“ Das jüngste Kind im Internat geht in den Kindergarten, das älteste in die Sonderberufsfachschule.

Auch das Wohnzimmer der Gruppe 5A ist gemütlich, dort wird gemeinsam ferngesehen oder gespielt. Im Badezimmer sind mehrere Duschen nebeneinander, die Toilettenkabinen haben die Mädchen untereinander aufgeteilt.

Herzstück der Wohngruppe ist der große Esstisch direkt an der Küche. Der Raum hat eine große Fensterfront, vor der eine Hängematte hängt. An dem Tisch essen die Mädchen gemeinsam mit ihren Erzieherinnen – eine ist immer vor Ort –, sie sprechen über Probleme in der Schule oder im Privatleben.

Das Allervorderste für uns alle ist, dass die Kinder sich hier wohlfühlen.
Hua Shan-Bähr, Erzieherin

„Bei den Jugendlichen kann es auch um Liebeskummer gehen. Wir erleben alle Phasen mit: vom Kindergartenkind bis hin zum Erwachsenen. Unter der Woche ist es ein Familienersatz – wenngleich man Familie natürlich nicht voll umfänglich ersetzen kann“, sagt Erzieherin Nina Edelmann.

„Das Allervorderste für uns alle ist, dass die Kinder sich hier wohlfühlen“, ergänzt ihre Kollegin Hua Shan-Bähr, die gehörlos ist und mithilfe einer Dolmetscherin, die mit am Esstisch sitzt, kommuniziert.

Verschiedene Gebärden für das Coronavirus

Anfang März beschäftigt das Coronavirus die Schülerinnen bereits. Für Gehörlose hat die Auseinandersetzung damit noch eine interessante zusätzliche Komponente, denn es gibt mehrere Gebärden für das Virus. Shan-Bähr, die aus China stammt, erklärt, dass im Asiatischen beide Hände mit ausgespreizten Fingern von den Lungenflügeln ausladend weggestrichen werden.

In der deutschen Gebärdensprache wird eine Hand zur Faust geballt, die andere Hand wird mit ausgespreizten Fingern darüber gedreht. So wird die Form des Virus imitiert. In der umgangssprachlichen Gebärdensprache öffnen sich Gehörlose ein imaginäres Bier – in Anlehnung an den mexikanischen Namensvettern des Coronavirus.

Die Fürsorge ist den Erzieherinnen anzumerken; sie begleiten die Mädchen über mehrere Jahre hinweg sehr intensiv – auch durch die herausfordernde Zeit der Pubertät. Die Erlebnisse, die Petra Müller in ihrer Zeit im Internat gemacht hat, schockieren sie. „Ich bin seit 20 Jahren hier. In der Zeit war es immer so, dass wir uns die Charaktere individuell angucken“, sagt Nina Edelmann. Auch der Austausch mit den Eltern der Kinder sei sehr wichtig.

Sorgen sich um gehörlose und hörbeeinträchtigte Schülerinnen: die Erzieherinnen Hua Shan-Bähr (links) und Nina Edelmann in der Wohngruppe A5. Foto: Sandmann

Shan-Bähr fügt im Hinblick auf den Moment, wenn Mädchen das Internat verlassen müssen, hinzu: „Manche Schüler weinen und wollen hierbleiben. Sie sagen: ,Das ist doch mein Zuhause.‘ Dann müssen wir sie trösten und ihnen sagen, dass sie jederzeit zu Besuch kommen können. Dieser Abschiedsschmerz ist manchmal schon heftig.“

Ehemaliger Schüler besucht das SBBZ in Neckargemünd

Nach dem Besuch in der Wohngruppe trifft Soerensen im Foyer des Internats einen ehemaligen Schüler, der Freunde besuchen möchte. Der 20-jährige Deniz war etliche Jahre am SBBZ – vom Kindergarten bis zur Fachschulreife. Eine schöne Zeit sei das gewesen, sagt er. Über den Schulhof, auf dem Schüler in der Pause im Halbkreis stehen, damit sie die Gebärden der anderen besser sehen können, geht es ins Haus B, in dem der Schulkindergarten untergebracht ist.

An diesem Tag sind die Heidelberger Philharmoniker zu Gast, sie spielen für die Kinder unter anderem den Soundtrack von „Tom und Jerry“.

Willkommene Abwechslung: Die Heidelberger Philharmoniker spielen für die Kinder in Neckargemünd unter anderem den Soundtrack von "Tom und Jerry". Foto: Sandmann

Im Kindergarten sind weniger hör- als sprachbeeinträchtigte Kinder. „Die Kinder dürfen das anbieten, was sie wollen: die einen verwenden Lautsprache, die anderen gebärden. Beides ist in Ordnung“, spezifiziert Schulleiterin Soerensen.

So bringen zwei Sonderpädagoginnen den Kindern in einer Kleingruppe die Gebärden für Anziehsachen wie T-Shirt oder Jacke sehr einfühlsam und geduldig bei. Im offenen Treppenhaus des Kindergartens duftet es: Im Backofen befinden sich Muffins. Die Stimmung ist geradezu heimelig.

Es fällt auf, dass die circa 200 Mitarbeiter der Einrichtung viel Wert auf die Individualität der etwa 400 Schüler und Kinder legen. Im Hauptgebäude des über zwei Hektar großen Areals gibt es Computerräume, eine Sporthalle und sogar ein Schwimmbad.

Die Sporthalle des SBBZ in Neckargemünd. Foto: Sandmann

Die Sonderpädagogen unterrichten in kleineren Klassen oder Gruppen, in Rollenspielen erläutern sie den Umgang mit WhatsApp oder klären über die Besonderheiten der Medienlandschaft in Deutschland auf.

Schulleiterin Soerensen vergisst das Leid früherer Internatsschüler nicht

Soerensen ist es wichtig, das Wissen in der Bevölkerung über das aktuelle SBBZ zu vergrößern: „Das ist ein großer Irrtum, dass Sonderschulen keine gleichwertigen Abschlüsse haben. Natürlich gibt es Förderschwerpunkte wie geistige Entwicklung, aber wir bieten auch einen normalen Realschulabschluss an. Es wird genau das Gleiche gemacht wie an einer allgemeinen Schule – nur anders vermittelt.“

Das Schicksal von ehemaligen Schülern wie Petra Müller vergisst Soerensen dabei nicht: „Ich nehme das Leid der Menschen, die so etwas erfahren haben, sehr ernst.“

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